Ulzana (1974) – DEFA-Indianerfilm über Fortschritt, Verrat und den Kampf um Freiheit
„Ulzana“ ist ein DEFA-Indianerfilm von Gottfried Kolditz. Der Film wurde 1973 produziert und kam 1974 in die Kinos. Als Fortsetzung von Apachen (1973) erzählt er die Geschichte des Apachenhäuptlings Ulzana weiter. In der Hauptrolle ist erneut Gojko Mitić zu sehen. An seiner Seite spielen unter anderem Renate Blume und Rolf Hoppe.
Kurz gesagt: Ein ungewöhnlicher DEFA-Indianerfilm über Fortschritt, wirtschaftliche Ausbeutung und den Versuch der Mimbreño-Apachen, durch Ackerbau und Handel unabhängig zu werden – bis die Profitinteressen des sogenannten Tucson-Rings ihren friedlichen Aufbruch zerstören.

Filmdaten
| Titel | Ulzana |
|---|---|
| Weitere Titel | Ulzana, der unbesiegte Häuptling / Der letzte Kampf der Apachen – Ulzana |
| Produktionsjahr | 1973 |
| Kinostart | 17. Mai 1974 |
| Regie | Gottfried Kolditz |
| Drehbuch | Gottfried Kolditz, Gojko Mitić |
| Genre | Indianerfilm / Western / Drama / Abenteuer |
| Hauptdarsteller | Gojko Mitić, Renate Blume, Rolf Hoppe |
| Produktion | DEFA – Studio für Spielfilme, Künstlerische Arbeitsgruppe „Roter Kreis“ |
| Produktionsland | DDR |
| Format | 35 mm / Totalvision |
| Laufzeit | ca. 94–95 Minuten |
| Drehorte | Rumänien und Usbekistan |
Handlung
Arizona, Mitte des 19. Jahrhunderts: Nach den Ereignissen aus Apachen haben sich die Mimbreño-Apachen ein neues Leben aufgebaut. Unter der Führung von Ulzana beginnen sie, Ackerbau zu betreiben. Mit einer selbst errichteten Bewässerungsanlage verwandeln sie ihr Land in fruchtbare Felder.
Die Arbeit trägt Früchte. Die Apachen ernten Mais, Melonen und andere Feldfrüchte und produzieren schließlich mehr, als sie selbst benötigen. Die Überschüsse können sie in Tucson gegen andere Waren eintauschen. Zum ersten Mal scheint ein selbstbestimmtes und friedliches Zusammenleben mit den weißen Bewohnern der Region möglich.
Doch die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Apachen bedroht die Geschäfte einflussreicher Geschäftsleute in Tucson. Der sogenannte Tucson-Ring verdient daran, die von der US-Regierung bereitgestellten Hilfsgelder für die Apachen zu kontrollieren. Statt die Indianer ordnungsgemäß zu versorgen, werden Gelder unterschlagen und minderwertige beziehungsweise verdorbene Waren geliefert.
Die erfolgreiche Landwirtschaft der Mimbreño-Apachen gefährdet dieses lukrative Geschäft. Deshalb wird die Bewässerungsanlage zerstört. Die Apachen verlieren damit ihre wichtigste Grundlage für ein unabhängiges Leben. Bei dem anschließenden Konflikt wird Ulzana schwer verwundet und von den Weißen für tot gehalten.
Captain Burton nutzt die Situation, um die Mimbreño-Apachen in die nahezu unfruchtbare Reservation von San Carlos abschieben zu lassen. Doch Ulzana überlebt. Ein mexikanischer Arzt hilft ihm, und der Häuptling kann mit seinem Stamm in die mexikanische Sierra Madre fliehen.
Doch die Flucht bringt keine Ruhe. Ulzanas Frau Leona befindet sich in der Gewalt von Burtons Soldaten und wird im Fort Craig gefangen gehalten. Ulzana beschließt, zu seinem Volk und zu seiner Frau zurückzukehren.
Bei dem Versuch, Leona zu befreien, kommt es zum entscheidenden Konflikt mit Captain Burton. Burton benutzt Leona als Schutzschild und erschießt sie schließlich. Ulzana nimmt die Verfolgung auf und stellt Burton in den Bergen.
Im finalen Kampf besiegt Ulzana seinen Gegner. Die persönliche Rache für den Tod seiner Frau verbindet sich dabei mit dem größeren Kampf seines Volkes gegen Vertreibung, Ausbeutung und Unterdrückung.
Hintergrund
„Ulzana“ entstand als neunter DEFA-Indianerfilm und bildet gemeinsam mit Apachen (1973) eine besondere Verbindung innerhalb der DEFA-Indianerfilmreihe. Gojko Mitić verkörpert in beiden Filmen den historischen Apachenhäuptling Ulzana.
Die DEFA-Stiftung führt den Film als Produktion des Jahres 1973. Die Uraufführung fand am 16. Mai 1974 in Berlin statt, der reguläre Kinostart folgte am 17. Mai 1974. In der DEFA-Datenbank wird außerdem „Apachen II“ als weiterer Titel genannt.
Gedreht wurde mit internationaler Unterstützung unter anderem in Rumänien und Usbekistan. Die Landschaften dieser Drehorte boten die weite, teilweise spektakuläre Kulisse für die Geschichte der Mimbreño-Apachen.
Das Drehbuch entstand unter Beteiligung von Gottfried Kolditz und Gojko Mitić. Die Kamera führte Helmut Bergmann, die Musik stammt von Karl-Ernst Sasse.
Die historische Figur des Ulzana diente als Ausgangspunkt für die Filmgeschichte. Der reale Ulzana war ein Apachenführer der Chiricahua. Der Film verbindet diese historische Verankerung jedoch mit einer fiktionalen Handlung.
Fortsetzung von „Apachen“
Während viele DEFA-Indianerfilme voneinander unabhängige Geschichten erzählen, bilden „Apachen“ und „Ulzana“ eine zusammengehörige Geschichte. In beiden Filmen spielt Gojko Mitić den Apachenhäuptling Ulzana.
Die Handlung von „Ulzana“ verschiebt den Schwerpunkt: Während in Apachen vor allem Massaker, Rache und Vergeltung im Mittelpunkt stehen, geht es in „Ulzana“ stärker um Selbstständigkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Zerstörung eines friedlichen Entwicklungswegs.
Der DEFA-Indianerfilm „Ulzana“
Die DEFA-Indianerfilme waren in der DDR außerordentlich populär. Besonders Gojko Mitić wurde durch seine Rollen als Indianerhäuptling zu einem der bekanntesten Gesichter dieses Genres.
„Ulzana“ gehört zu den späteren und technisch ausgereifteren Produktionen der Reihe. Die wissenschaftliche Untersuchung „Der Western im Osten“ ordnet den Film gemeinsam mit Apachen, Osceola und Tecumseh einer eigenständigeren Phase des DEFA-Indianerfilms Anfang der 1970er Jahre zu.
Dabei wird der klassische Western-Mythos bewusst umgedreht: Nicht die weißen Siedler stehen im Zentrum der Geschichte, sondern die indigene Bevölkerung und ihr Kampf um den Erhalt des eigenen Lebensraums. Der Film verbindet damit Unterhaltung, historische Motive und eine deutliche politische Perspektive.
Kritiken
- Lexikon des internationalen Films / Filmdienst: Der Film wird trotz einer vergleichsweise stimmigen Darstellung der Ursachen und Motive der Indianerkriege kritisch als romantische Räuberpistole eingeordnet. Dabei wird der Gegensatz zwischen den als tugendhaft dargestellten Indianern und dem moralischen Verfall der weißen Gegenseite hervorgehoben.
- Joe Hembus: Im Western-Lexikon wird „Ulzana“ in seinen historischen Beobachtungen als teilweise klüger beschrieben als in seiner Struktur und Darstellung.
- Zeithistorische Forschungen: Eine wissenschaftliche Analyse hebt hervor, dass „Ulzana“ den Western-Mythos aus der Perspektive der bedrohten indigenen Bevölkerung neu erzählt und die Geschichte der Besiedlung mit politischen und historischen Fragestellungen verbindet.
Aus heutiger Sicht ist „Ulzana“ deshalb nicht nur als Abenteuerfilm interessant, sondern auch als Beispiel für die politische und filmästhetische Entwicklung des DEFA-Westerns in den 1970er Jahren.
🎬 Film-Tipp: Apachen (1973)
Wer „Ulzana“ schaut, sollte unbedingt auch den Vorgängerfilm „Apachen“ (1973) sehen. Dort beginnt die Geschichte des von Gojko Mitić gespielten Apachenhäuptlings Ulzana.
Zusammen betrachtet ergeben die beiden Filme ein ungewöhnliches DEFA-Indianerepos: Apachen erzählt von Massaker, Verrat und Vergeltung, während Ulzana den Kampf um Selbstständigkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und das Überleben der Mimbreño-Apachen fortführt.
👉 Zum Film:
Mein Fazit
„Ulzana“ ist einer der interessantesten DEFA-Indianerfilme der 1970er Jahre, weil er den Kampf der Apachen nicht nur als militärische Auseinandersetzung erzählt. Im Mittelpunkt steht zunächst der Versuch, durch Landwirtschaft, Bewässerung und Handel ein eigenständiges und friedliches Leben aufzubauen.
Gerade dieser Gedanke macht die spätere Zerstörung der Bewässerungsanlage besonders bitter. Die Mimbreño-Apachen werden nicht deshalb zum Gegner, weil sie den Frieden ablehnen, sondern weil ihre zunehmende wirtschaftliche Unabhängigkeit die Interessen mächtiger Geschäftsleute bedroht.
Gojko Mitić verkörpert Ulzana erneut als charismatischen, entschlossenen und körperlich beeindruckenden Helden. An seiner Seite überzeugt Renate Blume als Leona, während Rolf Hoppe als Captain Burton den Gegenspieler verkörpert.
Für Fans klassischer Western und der DEFA-Indianerfilme ist „Ulzana“ deshalb bis heute sehenswert. Der Film verbindet spektakuläre Landschaften und Abenteuer mit einer politischen Geschichte über Land, Macht, wirtschaftliche Interessen und den Kampf um Selbstbestimmung.