Der Henker (1959): Ein klassischer Western über Gerechtigkeit und Moral
Der Henker (Originaltitel: The Hangman) ist ein US-amerikanischer Western von Michael Curtiz aus dem Jahr 1959. In den Hauptrollen sind Robert Taylor, Tina Louise, Fess Parker und Jack Lord zu sehen.
Der Film verbindet klassische Western-Elemente mit einem ungewöhnlichen moralischen Konflikt. Im Mittelpunkt steht Marshal Mackenzie „Mac“ Bovard, der einen gesuchten Gesetzlosen aufspüren soll. Während seiner Suche beginnt er jedoch zunehmend, seine eigenen Vorstellungen von Recht, Gerechtigkeit und Schuld zu hinterfragen.

Der Henker (1959): Steckbrief
Worum geht es in Der Henker?
Marshal Mackenzie „Mac“ Bovard hat bereits drei von vier Gesetzlosen gefasst, die an einem bewaffneten Postraub beteiligt waren. Nun fehlt ihm nur noch der vierte Mann: John Butterfield. Das Problem: Niemand weiß genau, wie der Gesuchte aussieht.
Die Zeit drängt, denn der inhaftierte Zimmerman ist der einzige Gefangene, der Butterfield als Mittäter identifizieren kann. Bovard versucht zunächst über seine früheren Kontakte zur Kavallerie Informationen zu bekommen. Dort kann man ihm jedoch nicht weiterhelfen.
Schließlich erhält er den Hinweis auf Selah Jennison. Ihr inzwischen verstorbener Mann war mit Butterfield befreundet. Bovard glaubt, dass Selah gegen eine Belohnung von 500 Dollar bereit sein könnte, den Gesuchten zu identifizieren.
Doch Selah lehnt seine Hilfe zunächst ab. Sie weigert sich, ihren ehemaligen Bekannten zu verraten. Bovard lässt ihr lediglich ein Reisebillet und die Adresse des Hotels in North Creek zurück, in dem Butterfield vermutet wird.
Die Suche nach John Butterfield
Bovard reist allein nach North Creek und mietet im Hotel Commercial zwei Zimmer. Dort nimmt er Kontakt mit Sheriff Buck Weston auf.
Der Marshal vertritt eine sehr klare Auffassung vom Gesetz. Für ihn müssen Verbrecher zur Verantwortung gezogen werden, damit die Gesellschaft vor ihnen geschützt wird. Außerdem ist Bovard überzeugt, dass jeder Mensch käuflich ist – es komme lediglich auf den richtigen Preis an.
Während er auf Selah wartet, fällt sein Verdacht auf den beliebten Transportfahrer Johnny Bishop. Die Beschreibung des gesuchten Butterfield passt auffallend gut auf den jungen Mann. Doch die Bewohner der Stadt halten große Stücke auf Johnny und wollen nicht glauben, dass er ein gesuchter Verbrecher sein könnte.
Selah Jennison kehrt zurück
Schließlich taucht Selah doch noch in North Creek auf. Bovard versucht, sie dazu zu bringen, Butterfield zu identifizieren. Doch Selah verfolgt einen eigenen Plan und weigert sich, Johnny als den Gesuchten zu erkennen.
Bovard entwickelt daraufhin eine neue Strategie. Er beobachtet genau, wie Johnny auf Selah reagiert. Als Selah sich neu eingekleidet am Tor des Hotels zeigt, reagiert Johnny anders als die übrigen Männer. Für Bovard ist dies ein wichtiges Indiz.
Gleichzeitig versucht Selah, Johnny heimlich zu warnen. Sie weiß, dass Bovard ihm auf der Spur ist und versucht, ihn vor der Festnahme zu schützen.
Johnny gibt sich zu erkennen
Bovard versucht schließlich, Big Murphy für seine Ermittlungen einzuspannen. Murphy wiederum will Johnny und dessen Frau mit einer Kutsche über die Grenze bringen.
Bovard kann die Flucht verhindern. Als Murphy dadurch in Schwierigkeiten gerät, gibt sich Johnny schließlich als John Butterfield zu erkennen und lässt sich festnehmen.
Das „Blutgeld“
Bovard möchte Selah anschließend die ausgesetzte Belohnung von 500 Dollar zukommen lassen. Doch sie lehnt das Geld ab. Für sie handelt es sich um „Blutgeld“.
Selah erklärt, dass Johnny zwar den falschen Menschen vertraut habe, aber nicht selbst das Verbrechen begangen habe. Er habe lediglich Pferde für seine Freunde an die Grenze gebracht.
Ihre Worte bringen Bovard zum Nachdenken. Er erkennt zunehmend, dass die Welt nicht ausschließlich aus Schuldigen und Unschuldigen besteht und dass Loyalität und Freundschaft ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
Eine Entscheidung verändert alles
Die Männer der Stadt halten weiterhin zu Johnny und entwickeln einen Plan, um ihn aus dem Gefängnis zu befreien. Die Flucht gelingt und Johnny kann auf einem Pferd entkommen.
Bovard verfolgt ihn und hat die Möglichkeit, auf ihn zu schießen. Doch im entscheidenden Moment hebt er seine Waffe und schießt stattdessen in die Luft.
Am nächsten Morgen gibt Bovard seinen Marshal-Stern ab. Er hat sich entschieden, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und nach Kalifornien zu gehen, um dort als Anwalt zu arbeiten.
Auch Selah hat eine Entscheidung getroffen. Sie möchte Bovard begleiten. Aus dem ehemaligen Kopfgeldjäger und der Frau, die er zunächst für käuflich hielt, wird schließlich ein Paar.
„Ich will dich.“
Die wichtigsten Figuren
Marshal Mackenzie „Mac“ Bovard
Bovard ist ein entschlossener Marshal, der zunächst kompromisslos an das Gesetz glaubt. Im Laufe der Geschichte beginnt er jedoch, seine Haltung zu hinterfragen und erkennt, dass Gerechtigkeit nicht immer nur aus Bestrafung bestehen muss.
Selah Jennison
Selah ist eine selbstbewusste Frau, die sich weigert, Johnny aus finanziellen Gründen zu verraten. Sie wird für Bovard zu einer wichtigen Gegenspielerin und zugleich zu einer Person, die sein Weltbild verändert.
Johnny Bishop / John Butterfield
Johnny ist in North Creek beliebt und genießt das Vertrauen der Bewohner. Bovard erkennt jedoch zunehmend, dass hinter seiner Identität mehr steckt, als zunächst vermutet wird.
Sheriff Buck Weston
Sheriff Weston steht Bovard bei seinen Ermittlungen zur Seite und beobachtet aufmerksam, wie der Marshal in der Stadt nach Butterfield sucht.
Die wichtigsten Themen in Der Henker
Gerechtigkeit und Gesetz
Bovard ist zunächst davon überzeugt, dass das Gesetz ohne Ausnahme durchgesetzt werden muss. Der Fall Johnny Butterfield stellt diese Haltung jedoch zunehmend infrage.
Loyalität und Freundschaft
Die Bewohner von North Creek stehen geschlossen hinter Johnny. Besonders Selahs Verhalten macht deutlich, welchen Wert Freundschaft und Loyalität für die Menschen haben können.
Schuld und Verantwortung
Der Film stellt die Frage, ob jeder Mensch, der mit einem Verbrechen in Verbindung steht, automatisch schuldig ist. Bovard muss lernen, zwischen tatsächlicher Schuld und bloßer Zugehörigkeit zu unterscheiden.
Moralische Grenzen
Der eigentliche Konflikt des Films liegt nicht nur in der Suche nach einem Verbrecher, sondern auch in Bovards persönlicher Entwicklung. Seine Entscheidung am Ende zeigt, dass sich seine Sicht auf Recht und Menschlichkeit verändert hat.
Kritiken zu Der Henker
Das Lexikon des internationalen Films bewertet den Western kritisch, hebt jedoch seine spannende und unterhaltsame Inszenierung hervor.
„Psychologisch zwar nicht sehr überzeugend, aber spannend und unterhaltsam inszeniert.“
Auch Cinema.de hebt Robert Taylor und die besondere Stimmung des Films hervor.
„Eine bittere Westernballade mit grandiosem Taylor.“
Besonders interessant ist der Film für Zuschauer, die klassische Western mit einer stärker moralisch geprägten Handlung mögen.
Mein Fazit zu Der Henker (1959)
Der Henker ist ein klassischer Western, der sich nicht allein auf Schießereien und Verfolgungsjagden konzentriert. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet und wann ein Gesetzeshüter seine eigenen Überzeugungen hinterfragen muss.
Robert Taylor überzeugt als Marshal Mackenzie „Mac“ Bovard, dessen anfänglich kompromisslose Haltung sich im Laufe der Geschichte verändert. Besonders interessant ist dabei die Beziehung zu Selah Jennison, die ihm eine andere Sicht auf Loyalität, Freundschaft und Schuld vermittelt.
Der Film bietet damit neben klassischen Westernmotiven auch einen überraschend menschlichen und moralischen Kern.
Meine Bewertung: Ein gut gemachter Westernklassiker mit Robert Taylor, einer spannenden Handlung und interessanten moralischen Fragen. Wer klassische Western mit starken Charakteren und einer ungewöhnlichen Geschichte mag, sollte sich Der Henker einmal ansehen.
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🎬 Film-Tipp: Der letzte Wagen (1956)
Wenn dir Der Henker gefallen hat, könnte auch der Westernklassiker Der letzte Wagen interessant sein. Beide Filme verbinden klassische Westernmotive mit persönlichen Konflikten und Figuren, die sich in einer schwierigen und gesetzlosen Umgebung behaupten müssen.
Richard Widmark spielt den geheimnisvollen Comanche Todd, der gemeinsam mit einer Gruppe junger Siedler ums Überleben kämpfen muss.
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