Der Dieb von Bagdad (1940) – Fantastisches Abenteuer in Technicolor
Der Dieb von Bagdad (Originaltitel: The Thief of Bagdad) ist ein britischer Fantasy-, Abenteuer- und Märchenfilm aus dem Jahr 1940. Die farbenprächtige Produktion entstand unter maßgeblicher Beteiligung von Alexander Korda und verbindet Motive aus Tausendundeine Nacht mit aufwendigen Kulissen, fantastischen Figuren und spektakulären Spezialeffekten.
Mit Sabu als jungem Dieb Abu, John Justin als König Ahmad, June Duprez als Prinzessin und Conrad Veidt als Großwesir Jaffar entstand ein außergewöhnlicher Klassiker, der bis heute zu den bekanntesten Fantasy- und Märchenfilmen der Filmgeschichte zählt.

Der Dieb von Bagdad – Filmdaten
| Deutscher Titel | Der Dieb von Bagdad |
|---|---|
| Originaltitel | The Thief of Bagdad |
| Produktionsland | Großbritannien |
| Produktionsjahr | 1940 |
| Uraufführung | 5. Dezember 1940, New York |
| Deutscher Kinostart | 4. August 1949 |
| Regie | Ludwig Berger, Michael Powell und Tim Whelan |
| Drehbuch | Lajos Biró und Miles Malleson |
| Produktion | Alexander Korda, Zoltan Korda und William Cameron Menzies |
| Kamera | Georges Périnal und Osmond Borradaile |
| Musik | Miklós Rózsa |
| Schnitt | Charles Crichton und William Hornbeck |
| Darsteller | Sabu, John Justin, June Duprez, Conrad Veidt, Rex Ingram, Miles Malleson |
| Laufzeit | etwa 106–108 Minuten, je nach Fassung |
| FSK | ab 6 Jahren |
| Genre | Fantasyfilm, Abenteuerfilm, Märchenfilm, Familienfilm |
| Farbe | Technicolor |
| Auszeichnungen | 3 Oscars bei der Oscarverleihung 1941 |
Bei der Laufzeit finden sich je nach Quelle unterschiedliche Angaben. Filmdienst nennt 108 Minuten, während andere Ausgaben beziehungsweise Datenbanken 106 Minuten angeben. Auch bei den Angaben zur Regie gibt es unterschiedliche Zuschreibungen, da mehrere Filmschaffende an der aufwendigen Produktion beteiligt waren.
Der Dieb von Bagdad – Handlung
Die Geschichte beginnt mit einem blinden jungen Mann, der von einer fremden Frau aufgenommen wird. Bei ihr erzählt er seine außergewöhnliche Lebensgeschichte – die Geschichte des Kalifen Ahmad und des jungen Diebes Abu.
Ahmad herrscht über Bagdad, ist jedoch noch unerfahren und möchte selbst herausfinden, wie sein Volk über ihn denkt. Sein Großwesir Jaffar nutzt diese Situation aus. Er bringt Ahmad dazu, sich verkleidet unter das Volk zu mischen, und lässt ihn anschließend als verrückt darstellen.
Ahmad wird gefangen genommen und in den Kerker geworfen. Dort begegnet er dem jungen Straßenräuber Abu. Der gewitzte Dieb hilft ihm bei der Flucht. Gemeinsam entkommen sie aus Bagdad und gelangen nach Basra.
In Basra verliebt sich Ahmad in die wunderschöne Tochter des Sultans. Die Prinzessin erwidert seine Gefühle. Doch das Glück der beiden ist nur von kurzer Dauer, denn Jaffar verfolgt inzwischen eigene Pläne.
Der machthungrige Großwesir möchte die Prinzessin heiraten. Als Geschenk bringt er dem Sultan unter anderem ein außergewöhnliches fliegendes Zauberpferd. Im Gegenzug soll die Tochter des Sultans seine Frau werden.
Die Prinzessin verabscheut Jaffar und versucht, seinem Plan zu entkommen. Währenddessen werden Ahmad und Abu gefangen genommen. Jaffar setzt seine magischen Kräfte ein und verzaubert beide: Ahmad verliert sein Augenlicht, während Abu in einen Hund verwandelt wird.
Damit beginnt für die beiden eine fantastische Reise voller magischer Gefahren und Prüfungen. Ein mächtiger Dschinn, ein fliegender Teppich, das Zauberpferd und weitere fantastische Elemente spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Schließlich müssen Ahmad und Abu Jaffars Macht brechen. Ahmad erhält sein Augenlicht zurück und Abu wird wieder zum Menschen. Der rechtmäßige Herrscher kann nach Bagdad zurückkehren und Jaffars Herrschaft beenden. Am Ende findet Ahmad auch seine geliebte Prinzessin wieder.
Der Dieb von Bagdad – Besetzung
- Sabu – Abu
- John Justin – König Ahmad
- June Duprez – Prinzessin
- Conrad Veidt – Großwesir Jaffar
- Rex Ingram – Dschinn
- Miles Malleson – Sultan
- Morton Selten – alter König
- Mary Morris – Halima
- Hay Petrie – Astrologe
- Adelaide Hall – Sängerin
Besonders bekannt wurde der damals noch junge Schauspieler Sabu, der als Abu einen der zentralen Charaktere des Films verkörpert. Conrad Veidt spielt den machtbesessenen Großwesir Jaffar, während Rex Ingram als Dschinn zu den prägnantesten fantastischen Figuren des Films gehört.
Der Dieb von Bagdad – Produktion und Entstehung
Die Entstehung von Der Dieb von Bagdad war ungewöhnlich aufwendig. Die Produktion erstreckte sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren und wurde durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs zusätzlich erschwert.
Ursprünglich war Ludwig Berger mit der Regie beauftragt. Im weiteren Verlauf kamen Michael Powell und Tim Whelan hinzu. Auch Zoltan Korda und William Cameron Menzies waren maßgeblich an der visuellen und produktionstechnischen Gestaltung beteiligt.
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion teilweise in die USA verlegt. Dadurch wurde die ohnehin aufwendige Herstellung zusätzlich kompliziert. Zugleich erklärt diese besondere Produktionsgeschichte, warum mehrere Filmschaffende an der endgültigen Fassung beteiligt waren.
Eine besonders wichtige Rolle spielte die Farbgestaltung. Der Einsatz von Technicolor verlieh den Palästen, Landschaften, Kostümen und fantastischen Schauplätzen eine außergewöhnliche Farbintensität.
Die Spezialeffekte von Der Dieb von Bagdad
Was Der Dieb von Bagdad bis heute besonders sehenswert macht, sind die für seine Entstehungszeit außergewöhnlichen Spezialeffekte. Der Film entstand lange vor dem digitalen Zeitalter. Deshalb mussten die fantastischen Bilder mit optischen Tricks, Modellaufnahmen, Kulissen, Mehrfachbelichtungen und mechanischen Effekten erzeugt werden.
Zu den bekanntesten fantastischen Motiven gehören der Dschinn aus der Flasche, das fliegende Zauberpferd, der fliegende Teppich und verschiedene magische Verwandlungen.
Die Spezialeffekte wurden bei der Oscarverleihung 1941 ausgezeichnet. Insgesamt erhielt Der Dieb von Bagdad drei Oscars, unter anderem für die Spezialeffekte sowie für Kamera und Ausstattung in Farbe.
Gerade aus heutiger Sicht ist interessant, wie viel Wirkung mit analogen und optischen Verfahren erzielt wurde. Die Effekte besitzen deshalb eine eigene, handgemachte Ästhetik, die den Film von modernen CGI-Produktionen unterscheidet.
Der Dieb von Bagdad und die Technicolor-Optik
Die intensive Farbgestaltung gehört zu den größten Stärken von Der Dieb von Bagdad. Goldene Paläste, tiefblaue Nachtszenen, farbenprächtige Kostüme und fantastische Landschaften verleihen dem Film seinen unverwechselbaren Märchencharakter.
Darüber hinaus unterscheidet sich die Produktion durch ihre intensive Farbgestaltung deutlich von vielen zeitgenössischen Abenteuerfilmen. Die Farbe dient nicht nur als dekoratives Element, sondern trägt wesentlich zur Atmosphäre der Geschichte bei.
Auch Kulissen und Kostüme sind bewusst überhöht gestaltet. Dadurch entsteht keine realistische Darstellung des Orients, sondern eine stilisierte Märchenwelt, die sich an den Vorstellungen von Tausendundeine Nacht orientiert.
Kritik zu Der Dieb von Bagdad
Der Dieb von Bagdad gilt heute als Klassiker des Fantasy- und Märchenfilms. Besonders hervorgehoben werden die Fantasie, die farbenprächtige Technicolor-Fotografie, die aufwendigen Kulissen und die für die damalige Zeit außergewöhnlichen Trickeffekte.
Auch der Filmdienst hebt den zeitlosen Charakter des Märchenfilms hervor und betont Witz, Fantasie, Action und die für die damalige Zeit brillanten Tricks.
epd Film würdigt die 1940 entstandene Version ebenfalls als klassischen Märchen- und Fantasyfilm. Insbesondere die Farbfotografie und die Tricktechnik gehören zu den prägenden Elementen der Produktion.
Aus heutiger Sicht können einzelne Tricksequenzen natürlich etwas gealtert wirken. Dennoch besitzt gerade diese handgemachte Umsetzung einen besonderen Reiz. Die Effekte zeigen eindrucksvoll, mit welchen kreativen Mitteln Filmemacher lange vor der Computeranimation fantastische Welten erschaffen konnten.
Die filmhistorische Bedeutung von Der Dieb von Bagdad
Der Dieb von Bagdad gehört zu den prägenden Fantasyfilmen des klassischen Hollywood- und britischen Abenteuerkinos. Die Verbindung aus Märchenhandlung, Technicolor, aufwendigen Kulissen und Spezialeffekten war für die damalige Zeit außergewöhnlich.
Besonders die visuelle Gestaltung beeinflusste die Vorstellung davon, wie eine fantastische Welt aus Tausendundeine Nacht auf der Leinwand aussehen konnte. Viele Elemente des Films – darunter der Dschinn, das Zauberpferd und der fliegende Teppich – sind bis heute mit dem klassischen Fantasykino verbunden.
Der Film ist deshalb nicht nur als nostalgisches Abenteuer interessant, sondern auch als Beispiel dafür, wie ambitionierte Spezialeffekte und Farbfilm eingesetzt wurden, um eine vollständig fantastische Welt zu erschaffen.
Der Dieb von Bagdad und Der Gauner von Bagdad
Der Titel erinnert unmittelbar an „Der Gauner von Bagdad“ aus den Jahren 1960/61. Beide Filme spielen in einer orientalisch geprägten Märchenwelt und verbinden Abenteuer mit Fantasy, Magie und Romantik.
Trotz dieser Gemeinsamkeiten handelt es sich nicht um denselben Film und auch nicht lediglich um zwei Fassungen derselben Produktion. Die Filme entstanden in unterschiedlichen Jahrzehnten und erzählen jeweils eigene Geschichten.
Während Der Gauner von Bagdad ein typisches Abenteuer- und Fantasyprodukt des europäischen Kinos der 1960er-Jahre ist, besitzt Der Dieb von Bagdad von 1940 eine wesentlich größere filmhistorische Bedeutung. Vor allem die Technicolor-Bilder und die Tricktechnik machen die ältere Produktion zu einem Meilenstein des Genres.
🎬 Filmtipp: Der Gauner von Bagdad (1960/61)
Wer „Der Dieb von Bagdad“ aus dem Jahr 1940 gesehen hat, kann anschließend einen interessanten Vergleich mit „Der Gauner von Bagdad“ (1960/61) anstellen.
Beide Filme setzen auf orientalische Märchenmotive, Abenteuer, Magie und fantastische Figuren. Allerdings ist der spätere Film deutlich stärker vom europäischen Abenteuerkino seiner Zeit geprägt.
Unser Tipp: Erst den großen Technicolor-Klassiker von 1940 entdecken und anschließend den späteren Gauner von Bagdad ansehen. So lässt sich besonders schön nachvollziehen, wie sich das Fantasy- und Abenteuerkino zwischen den 1940er- und 1960er-Jahren verändert hat.
👉 Mehr zum Film:
Der Gauner von Bagdad (1960/61)
Mein Fazit zu Der Dieb von Bagdad
„Der Dieb von Bagdad“ ist ein zeitloser Klassiker des Fantasy- und Abenteuerfilms.
Was diesen Film besonders macht, ist die Verbindung aus märchenhafter Geschichte, beeindruckender Farbgestaltung, aufwendigen Kulissen und handgemachter Tricktechnik. Viele der fantastischen Ideen wirken auch heute noch erstaunlich fantasievoll.
Natürlich lassen sich einzelne Effekte aus heutiger Sicht nicht mit moderner Computeranimation vergleichen. Das sollte man bei einem Film aus dem Jahr 1940 jedoch nicht als Schwäche betrachten. Im Gegenteil: Gerade die handwerkliche Herstellung der Effekte macht Der Dieb von Bagdad für Liebhaber des klassischen Kinos besonders interessant.
Mein Eindruck: Ein großer Fantasyklassiker, der nicht nur nostalgische Gefühle weckt, sondern auch filmhistorisch ausgesprochen interessant ist. Wer märchenhafte Abenteuer, alte Fantasyfilme und klassisches Technicolor-Kino mag, sollte diesen Film unbedingt einmal gesehen haben.
Der Dieb von Bagdad auf DVD und Blu-ray
Der Dieb von Bagdad wurde mehrfach auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Verschiedene Ausgaben können sich hinsichtlich Laufzeit, Bildqualität, Tonspuren und Bonusmaterial unterscheiden.
Eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2022 bietet den Klassiker unter anderem mit deutscher und englischer Tonspur sowie zusätzlichen Materialien. Dazu gehören je nach Ausgabe beispielsweise Audiokommentare, Dokumentationen und Beiträge zur Geschichte der Spezialeffekte.
Wer den Film heute neu entdecken möchte, sollte deshalb vor dem Kauf auf die jeweilige Ausstattung und Fassung achten.