Der Gauner von Bagdad (1960/61) – Abenteuerfilm mit Steve Reeves
Der Gauner von Bagdad (Originaltitel: Il ladro di Bagdad, französischer Titel: Le Voleur de Bagdad) ist ein italienisch-französischer Abenteuer- und Fantasyfilm, der unter der Regie von Arthur Lubin entstand. In den Filmdatenbanken wird der Film teilweise dem Jahr 1961 zugeordnet, während Filmdienst und Cinema.de ihn als italienisch-französische Produktion von 1960 führen. Die deutsche Erstaufführung erfolgte am 1. März 1962. Je nach Fassung wird eine Laufzeit von 88 beziehungsweise 100 Minuten angegeben.

Der Gauner von Bagdad – Filmdaten
| Titel | Der Gauner von Bagdad |
|---|---|
| Originaltitel | Il ladro di Bagdad |
| Französischer Titel | Le Voleur de Bagdad |
| Produktionsland | Italien / Frankreich |
| Produktionsjahr | 1960 / 1961 |
| Deutsche Erstaufführung | 1. März 1962 |
| Regie | Arthur Lubin |
| Weitere Regieangabe | Bruno Vailati |
| Drehbuch | Bruno Vailati, Augusto Frassinetti, Filippo Sanjust |
| Kamera | Tonino Delli Colli |
| Musik | Carlo Rustichelli |
| Hauptdarsteller | Steve Reeves, Giorgia Moll, Arturo Dominici |
| Laufzeit | 88 Minuten / etwa 100 Minuten, je nach Fassung |
| FSK | ab 6 Jahren |
| Genre | Abenteuerfilm, Fantasyfilm, Märchenfilm, Kinderfilm |
Hinweis: Bei Produktionsjahr und Laufzeit finden sich je nach Quelle beziehungsweise Fassung unterschiedliche Angaben. Der Film wird teilweise als Produktion von 1960, teilweise von 1961 geführt. Auch bei der Laufzeit existieren unterschiedliche Fassungsangaben.
Handlung
Karim ist ein geschickter und charmanter Dieb in Bagdad. Anders als ein gewöhnlicher Gauner stiehlt er vor allem bei den Reichen und hilft mit seinen Beutestücken den Bedürftigen. Seine Verkleidungskunst, seine akrobatischen Fähigkeiten und sein Einfallsreichtum ermöglichen es ihm, selbst bewachte Orte auszutricksen.
Bei einer Feier am Hof des Sultans gelangt Karim in den Palast. Dort begegnet er der schönen Prinzessin Amina und verliebt sich in sie. Gleichzeitig taucht der machthungrige Prinz Osman auf, der Amina heiraten und dadurch seine Stellung weiter festigen möchte. Karim nutzt seine Fähigkeiten, um sich in die höfische Gesellschaft einzuschleichen und in die Nähe der Prinzessin zu gelangen.
Osman greift schließlich zu übernatürlichen Mitteln. Durch einen Zaubertrank fällt Amina in einen tiefen Schlaf. Karim sucht daraufhin Rat bei einem alten Zauberer. Dieser erklärt ihm, dass nur eine geheimnisvolle blaue Zauberblume Amina wieder erwecken kann.
Damit beginnt für Karim eine abenteuerliche Reise voller fantastischer Gefahren. Er muss sich gegen ungewöhnliche Wesen und magische Mächte behaupten. Zu seinen Gegnern gehören unter anderem ein Schlangenbaum, ein unsichtbarer Riese und eine geheimnisvolle Hexe.
Schließlich gelangt Karim mit einem fliegenden Pferd zum Tempel der blauen Blume. Dort muss er sich nicht nur den magischen Gefahren stellen, sondern auch Osmans Truppen entgegentreten.
Im großen Finale setzt Karim einen außergewöhnlichen Trick ein: Mithilfe zahlreicher Doppelgänger gelingt es ihm, den Gegner zu verwirren und Osmans Streitkräfte zu besiegen. Die blaue Blume kann schließlich ihre Wirkung entfalten. Amina erwacht aus ihrem Zauberschlaf und Karim und die Prinzessin finden wieder zueinander.
Die Handlung verbindet klassische Märchenmotive mit Abenteuer-, Fantasy- und Liebeselementen.
Besetzung
- Steve Reeves – Karim
- Giorgia Moll – Prinzessin Amina
- Arturo Dominici – Prinz Osman
- Edy Vessel – Kadeejah/Kadija
- Daniele Vargas – Gamal
- Antonio Battistella – Sultan von Bagdad
- Georges Chamarat – der alte Zauberer
Die Hauptrolle des Karim übernahm Steve Reeves, der vor allem als international erfolgreicher Darsteller von Sandalen- und Abenteuerfilmen bekannt wurde. An seiner Seite spielt Giorgia Moll die Prinzessin Amina, während Arturo Dominici als machtbewusster Gegenspieler Osman auftritt.
Produktion und Hintergrund
Der Gauner von Bagdad entstand als italienisch-französische Produktion. Als Produktionsfirma wird unter anderem Titanus genannt. Regie führte Arthur Lubin; in italienischen beziehungsweise internationalen Angaben wird außerdem Bruno Vailati mit der Regie in Verbindung gebracht. Das Drehbuch stammt von Bruno Vailati, Augusto Frassinetti und Filippo Sanjust. Für die Kameraarbeit war Tonino Delli Colli verantwortlich, die Musik komponierte Carlo Rustichelli.
Obwohl der Film häufig in die Tradition von Der Dieb von Bagdad eingeordnet oder sogar als Remake bezeichnet wird, weist die Überlieferung zur Filmgeschichte auf eine andere märchenhafte Grundlage hin. Laut Wikipedia liegt der Geschichte das chinesische Märchen „Die blaue Blume“ zugrunde, dessen Handlung in den Orient verlegt wurde.
Damit ist der Film weniger eine direkte Neuverfilmung der bekannten britischen oder amerikanischen Der Dieb von Bagdad-Produktionen als vielmehr eine eigenständige Variante des klassischen orientalischen Fantasy- und Märchenkinos.
Fantasy, Märchen und Abenteuer
Der besondere Reiz des Films liegt in der Mischung verschiedener Elemente. Neben dem klassischen Abenteuerfilm finden sich zahlreiche märchenhafte Motive: Zaubertränke, ein magischer Schlaf, eine geheimnisvolle Blume, ein Zauberer, fantastische Kreaturen und ein fliegendes Pferd.
Auch die Reise des Helden folgt einem klassischen Märchenschema. Karim muss seine Heimat verlassen, eine Reihe von Prüfungen bestehen und schließlich eine magische Aufgabe erfüllen, bevor er seine große Liebe retten kann.
Diese Mischung macht Der Gauner von Bagdad vor allem für Zuschauer interessant, die nostalgisches Abenteuerkino, alte Fantasyfilme und farbenprächtige Märchenstoffe aus den 1950er- und 1960er-Jahren mögen.
Kritik
Die zeitgenössische beziehungsweise spätere Rezeption fällt eher gemischt aus. Der Filmdienst ordnet den Film als Kinder- beziehungsweise Märchenfilm ein und beschreibt ihn als aufwendig inszeniertes Abenteuer, bemängelt jedoch das Fehlen von Poesie und eine eher wenig überzeugende Umsetzung.
Auch die bei Wikipedia dokumentierte Kritik fällt zurückhaltend aus. Dort wird unter anderem auf wenig überzeugende Tricks, wenig ausgeprägten Humor und teilweise künstlich wirkende Dialoge und Kulissen hingewiesen.
Moviepilot führt den Film als Abenteuer- und Fantasyfilm und weist aktuell eine Nutzerbewertung von 6,2 von 10 Punkten aus 15 Bewertungen aus. Diese Zahl ist wegen der kleinen Bewertungsbasis eher als Momentaufnahme denn als repräsentatives Gesamturteil zu verstehen.
Cinema.de bewertet den Film deutlich kritischer und bezeichnet ihn in der eigenen Kurzbewertung als eine eher günstige Variante des klassischen 1001-Nacht-Stoffs. Gleichzeitig hebt die Seite die ungewöhnliche Grundlage der Geschichte und Steve Reeves in der Rolle des Karim hervor.
Wer moderne Fantasyproduktionen gewohnt ist, dürfte die Tricktechnik und Ausstattung deshalb möglicherweise als einfach empfinden. Gerade diese handgemachte, märchenhafte Inszenierung kann für Freunde des klassischen europäischen Abenteuerkinos jedoch einen nostalgischen Reiz besitzen.
Mein Fazit
„Der Gauner von Bagdad“ ist kein großer Fantasyklassiker, aber ein charmantes Stück nostalgisches Abenteuerkino.
Der Film lebt weniger von einer ausgefeilten Dramaturgie als von seiner märchenhaften Geschichte, den fantastischen Einfällen und der charismatischen Hauptrolle von Steve Reeves. Karim ist dabei ein sympathischer Held, der nicht nur Abenteuer erlebt, sondern auch Herz und Verstand einsetzen muss, um Prinzessin Amina zu retten.
Wer aufwendige moderne Spezialeffekte erwartet, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen. Wer dagegen klassische Abenteuerfilme, Märchenstoffe, alte Fantasyproduktionen und das Kino der 1960er-Jahre schätzt, kann hier einen unterhaltsamen und durchaus sehenswerten Vertreter dieser Epoche entdecken.
Mein Eindruck: Ein einfach gestricktes, aber unterhaltsames Märchenabenteuer mit viel nostalgischem Charme.
🎬 Filmtipp: Der Dieb von Bagdad (1940)
„Der Dieb von Bagdad“ (1940) und „Der Gauner von Bagdad“ (1960/61) erzählen beide fantastische Abenteuer aus der Welt von Bagdad und greifen Motive aus Tausendundeine Nacht auf. Trotz der thematischen Gemeinsamkeiten liegen zwischen den beiden Filmen jedoch Welten.
Während Der Gauner von Bagdad ein charmantes und unterhaltsames Abenteuer seiner Zeit ist, gilt „Der Dieb von Bagdad“ von 1940 als herausragender Klassiker des Fantasy- und Märchenfilms. Die prachtvolle Technicolor-Farbgestaltung, die aufwendigen Kulissen, die märchenhafte Geschichte und die für damalige Verhältnisse spektakulären Spezialeffekte machen den Film bis heute zu einem besonderen Erlebnis.
Im Mittelpunkt stehen der abgesetzte Kalif Ahmad und der junge Dieb Abu, die gemeinsam gegen den machthungrigen Großwesir Jaffar kämpfen. Magie, ein fliegendes Zauberpferd, ein verwunschener Prinz, eine schöne Prinzessin und fantastische Abenteuer sorgen für eine klassische Tausendundeine-Nacht-Atmosphäre.
Unser Filmtipp: Wer den Gauner von Bagdad aus den 1960er-Jahren mag, sollte unbedingt auch die legendäre Verfilmung von 1940 kennenlernen. Sie ist aufwendiger, fantasievoller und filmhistorisch bedeutend – ein echtes Meisterwerk des klassischen Fantasykinos.
👉 Mehr zum Film: Der Dieb von Bagdad (1940)
Wo kann man „Der Gauner von Bagdad“ sehen?
Die Verfügbarkeit kann sich ändern. Die von Filmdienst und fernsehserien.de erfassten Angebote zeigen beziehungsweise verweisen auf verschiedene Möglichkeiten zum Streaming, Leihen oder Kaufen. Auch DVD- und Blu-ray-Ausgaben sind beziehungsweise waren erhältlich.
Vor dem Kauf oder Leihen sollte deshalb geprüft werden, welche Fassung, Laufzeit und Sprachversion tatsächlich angeboten wird.