Die erste Fahrt zum Mond (1964): H. G. Wells, Ray Harryhausen und die Seleniten
Die erste Fahrt zum Mond (Originaltitel: First Men in the Moon) ist eine britische Science-Fiction-Verfilmung nach H. G. Wells aus dem Jahr 1964. Regie führte Nathan Juran, während der legendäre Tricktechniker Ray Harryhausen mit seinen Stop-Motion-Effekten für die außergewöhnlichen Seleniten und die fantasievolle Mondwelt sorgte.

Die erste Fahrt zum Mond (1964): Steckbrief
Besetzung von Die erste Fahrt zum Mond
Im Mittelpunkt stehen drei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Edward Judd spielt Arnold Bedford, Martha Hyer verkörpert Kate und Lionel Jeffries ist als exzentrischer Professor Joseph Cavor zu sehen.
- Edward Judd – Arnold Bedford
- Martha Hyer – Kate
- Lionel Jeffries – Professor Joseph Cavor
- Miles Malleson – Dymschurch
- Norman Bird – Stuart
Worum geht es in Die erste Fahrt zum Mond?
Drei Astronauten – ein Amerikaner, ein Russe und ein Brite – landen als erste Menschen auf dem Mond. Doch statt einer völlig unberührten Mondoberfläche entdecken sie eine britische Flagge und ein Dokument aus dem Jahr 1899. Die UNO versucht daraufhin herauszufinden, wer hinter dieser unglaublichen Geschichte steckt.
Die Spur führt zu Arnold Bedford, der inzwischen in einem Altersheim in England lebt. Weil er seit Jahrzehnten von einer Reise zum Mond erzählt, halten ihn viele Menschen für verrückt. Nun berichtet Bedford den offiziellen Vertretern, was sich tatsächlich ereignet hat.
Viele Jahre zuvor zieht Bedford gemeinsam mit seiner Verlobten Kate in das Haus einer Verwandten. Dort lernen die beiden den exzentrischen Wissenschaftler Professor Joseph Cavor kennen. Cavor hat eine sensationelle Entdeckung gemacht: Ein neuartiges Material kann die Schwerkraft aufheben.
Mit diesem Stoff, der im Film als Cavorite bezeichnet wird, entwickelt Cavor eine Kapsel, mit der eine Reise zum Mond möglich werden soll. Der verschuldete Bedford schließt sich dem Professor an. Kurz vor dem Start gerät auch Kate in die Kapsel und wird unfreiwillig Teil der außergewöhnlichen Expedition.
Die Reise zum Mond gelingt. Auf der Oberfläche entdecken die drei Reisenden jedoch eine Welt, die weit über ihre Erwartungen hinausgeht. Unter der Mondoberfläche leben die Seleniten, eine hochentwickelte insektenähnliche Spezies.
Während Professor Cavor von den wissenschaftlichen Möglichkeiten fasziniert ist, fühlt sich Bedford zunehmend bedroht. Zwischen Neugier, Angst und Überlebenswillen entwickelt sich ein ungewöhnliches Abenteuer, bei dem nicht alle Reisenden dieselben Ziele verfolgen.
Bedford und Kate schaffen schließlich die Rückkehr zur Erde. Professor Cavor entscheidet sich dagegen, den Mond zu verlassen, und bleibt freiwillig zurück.
Jahre später erleben die Astronauten eine weitere Überraschung: Die unterirdischen Anlagen der Seleniten sind zerstört. Die Ursache steht in direktem Zusammenhang mit dem Professor, der bei seiner Reise einen menschlichen Krankheitserreger auf den Mond gebracht hatte.
Die Seleniten: Ray Harryhausens große Attraktion
Zu den bekanntesten Elementen von Die erste Fahrt zum Mond gehören die Seleniten. Die insektenähnlichen Mondbewohner verleihen dem Film seinen besonderen visuellen Reiz und gehören zu den klassischen Kreaturen des Science-Fiction-Kinos der 1960er-Jahre.
Für ihre Darstellung war Ray Harryhausen verantwortlich. Seine Stop-Motion-Technik lässt die Modelle regelrecht zum Leben erwachen. Aus heutiger Sicht wirken die Bewegungen natürlich deutlich handgemachter als moderne digitale Effekte – genau das macht für viele Fans den besonderen Charme des Films aus.
Harryhausens Effekte wurden damals unter dem Begriff Dynamation beworben. Der Film ist außerdem sein einziger Einsatz im Panavision-Breitwandformat.
Die wichtigsten Themen in Die erste Fahrt zum Mond
Viktorianische Science-Fiction
Die Geschichte verbindet eine Reise zum Mond mit dem Erfindergeist des späten 19. Jahrhunderts. Technik, Wissenschaft und die Neugier auf das Unbekannte stehen dabei im Mittelpunkt.
Wissenschaft und Verantwortung
Professor Cavor verkörpert den Wissenschaftler, der von seiner Entdeckung vollkommen fasziniert ist. Gleichzeitig zeigt der Film, dass wissenschaftlicher Fortschritt auch unerwartete Folgen haben kann.
Humor und Satire
Die erste Fahrt zum Mond nimmt seine Geschichte nicht immer bierernst. Viele Situationen sind bewusst überzeichnet und verleihen dem Abenteuer einen typisch britischen, manchmal fast satirischen Humor.
Abenteuer und Entdeckergeist
Der Film erzählt letztlich von der menschlichen Neugier. Was befindet sich auf der anderen Seite des Unbekannten? Und wie weit darf man gehen, um eine wissenschaftliche Sensation zu erleben?
Inszenierung und Bildsprache
Die Mondlandschaft von Die erste Fahrt zum Mond ist bewusst fantasievoll und stilisiert. Studioaufnahmen, Miniaturen, Kulissen und -top-motion-effekte ergeben gemeinsam eine märchenhafte Science-Fiction-Welt.
Gerade im Vergleich zu heutigen Science-Fiction-Produktionen wird deutlich, wie stark der Film auf handgemachte Effekte setzt. Raumschiff, Mondlandschaft und Seleniten besitzen dadurch einen ganz eigenen visuellen Charakter.
Auch die Figuren sind vergleichsweise archetypisch angelegt: der neugierige Wissenschaftler, der skeptische Abenteurer und die Frau, die plötzlich Teil einer unglaublichen Reise wird. Das verleiht dem Film den Charme eines viktorianischen Abenteuerromans.
Hintergrund zu Die erste Fahrt zum Mond
Die erste Fahrt zum Mond basiert auf dem Roman The First Men in the Moon von H. G. Wells. Regie führte Nathan Juran, das Drehbuch stammt von Nigel Kneale und Jan Read.
Ray Harryhausen fügte die aufwendigen Stop-Motion-Sequenzen nach den eigentlichen Dreharbeiten in den Film ein. Seine Arbeit an den Seleniten und den fantastischen Mondbewohnern ist bis heute einer der wichtigsten Gründe, warum der Film unter Fans des klassischen Fantasy- und Science-Fiction-Kinos einen besonderen Stellenwert besitzt.
Eine kuriose Randnotiz betrifft Peter Finch, der einen nicht im Abspann genannten Gastauftritt hatte. Er befand sich während eines Besuchs am Drehort und sprang kurzfristig für einen verhinderten Schauspieler ein.
Die britische Uraufführung fand im Juli 1964 statt. In Deutschland startete der Film am 11. Dezember 1964 in den Kinos.
Interessant ist auch die Zusammenarbeit zwischen Columbia Pictures und Ray Harryhausen: Nach den vier gemeinsamen Produktionen ab 1960 endete die Zusammenarbeit. Trotz der aufwendigen Spezialeffekte blieben diese Filme kommerziell hinter den Erwartungen zurück.
Kritiken zu Die erste Fahrt zum Mond
Die zeitgenössischen Kritiken fielen nicht ausschließlich positiv aus. Das Lexikon des internationalen Films beschrieb den Film als fantastische Geschichte eines Mondflugs im Jahr 1899, die nach H. G. Wells mit humoristischen Elementen umgesetzt wurde, und kam insgesamt zu dem Urteil „passable Unterhaltung“.
Auch der Evangelische Filmbeobachter sah positive Seiten und bezeichnete den Film als „nett, humorvoll, gepflegt“. Gleichzeitig wurde kritisiert, dass die ethische Problematik zwischen Erd- und Mondbewohnern nicht überzeugend ausgearbeitet werde.
Interessant ist, dass genau diese Mischung heute für manche Zuschauer den Reiz des Films ausmacht: Die Geschichte ist ungewöhnlich, die Effekte sind handgemacht und der Humor unterscheidet den Film von vielen ernsteren Science-Fiction-Produktionen seiner Zeit.
Wie wirkt Die erste Fahrt zum Mond heute?
Wer moderne Science-Fiction mit fotorealistischen Spezialeffekten und hohem Tempo erwartet, dürfte zunächst überrascht sein. Die erste Fahrt zum Mond stammt aus einer Zeit, in der Miniaturen, Masken und Stop-Motion zum festen Bestandteil des fantastischen Kinos gehörten.
Gerade deshalb sollte man den Film nicht ausschließlich nach heutigen Maßstäben beurteilen. Die handgemachten Effekte sind ein wesentlicher Teil seiner Identität. Dazu kommen der britische Humor, die ungewöhnliche Wells-Geschichte und die fantasievoll gestalteten Seleniten.
Für Fans klassischer Science-Fiction, von H. G. Wells und insbesondere von Ray Harryhausen ist der Film deshalb deutlich interessanter als seine teilweise zurückhaltende zeitgenössische Kritik vermuten lässt.
Lohnt sich Die erste Fahrt zum Mond (1964) heute noch?
Ja – vor allem für Fans klassischer Science-Fiction und handgemachter Spezialeffekte. Der Film ist kein realistischer Raumfahrtfilm und sollte auch nicht als solcher betrachtet werden. Vielmehr ist er ein fantasievolles Abenteuer mit britischem Humor, viktorianischem Flair und den außergewöhnlichen Kreaturen von Ray Harryhausen.
Wer sich auf das Tempo und die Inszenierung des Kinos der 1960er-Jahre einlässt, bekommt eine charmante Alternative zu moderner Science-Fiction. Besonders sehenswert sind die Seleniten, die Mondkulissen und die Stop-Motion-Sequenzen.
Mein Fazit zu Die erste Fahrt zum Mond
Man sollte diesen Film nicht allzu ernst nehmen. Genau darin liegt ein Teil seines Reizes. Die Geschichte grenzt stellenweise fast an Satire, der Humor kommt nicht zu kurz und auch einige harmlose erotische Momente gehören zum nostalgischen Charme der Inszenierung.
Besonders gelungen ist die Kombination aus H. G. Wells, viktorianischer Science-Fiction, britischem Humor und Ray Harryhausens Stop-Motion-Effekten. Die Seleniten und die fantastische Mondwelt machen den Film auch heute noch zu einem interessanten Vertreter des klassischen Science-Fiction-Kinos.
Natürlich sieht man dem Film sein Alter an. Doch wer sich darauf einlässt, bekommt kein langweiliges Museumsstück, sondern ein ungewöhnliches und teilweise erstaunlich fantasievolles Abenteuer.
Mein Urteil: Ein skurriler, humorvoller und liebevoll altmodischer Science-Fiction-Film, der vor allem durch seine Stop-Motion-Magie, seine Seleniten und seinen britischen Charme überzeugt.
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Häufige Fragen zu Die erste Fahrt zum Mond
Wie heißt Die erste Fahrt zum Mond im Original?
Der Originaltitel lautet First Men in the Moon.
Wann erschien Die erste Fahrt zum Mond?
Der britische Science-Fiction-Film erschien 1964. In Deutschland kam er am 11. Dezember 1964 in die Kinos.
Wer führte bei Die erste Fahrt zum Mond Regie?
Regie führte Nathan Juran.
Wer schuf die Spezialeffekte von Die erste Fahrt zum Mond?
Für die aufwendigen -top-motion-effekte war der legendäre Tricktechniker Ray Harryhausen verantwortlich.
Worum geht es in First Men in the Moon?
Der Film erzählt von einer Expedition zum Mond, die bereits im Jahr 1899 stattfindet. Professor Cavor entwickelt ein Verfahren zur Aufhebung der Schwerkraft und reist gemeinsam mit Arnold Bedford und Kate zum Mond. Dort treffen sie auf die geheimnisvollen Seleniten.
Ist Die erste Fahrt zum Mond sehenswert?
Für Fans klassischer Science-Fiction, H. G. Wells und Ray Harryhausen ist der Film durchaus sehenswert. Wer moderne Spezialeffekte und ein hohes Erzähltempo erwartet, sollte sich auf den Stil des Kinos der 1960er-Jahre einstellen.