Dornröschen (1971): DEFA-Märchenfilm nach den Brüdern Grimm
Dornröschen ist ein DEFA-Märchenfilm aus dem Jahr 1971 mit Juliane Korén in der Titelrolle. Regie führte Walter Beck. Der in den DEFA-Studios der DDR entstandene Film basiert auf dem bekannten Märchen Dornröschen der Brüder Grimm.
Im Mittelpunkt steht die Königstochter Rosalinda, die durch einen Fluch der dreizehnten Fee in einen hundertjährigen Schlaf fällt. Erst ein Prinz, der sie wirklich liebt, kann sie wiedererwecken.

Dornröschen (1971): Steckbrief
Handlung von Dornröschen
Anlässlich der Geburt der Königstochter Rosalinda geben der König und die Königin ein großes Fest. Obwohl der König eigentlich einen Sohn erwartet hatte, überträgt er seiner Tochter das Erbe des Reiches. Da jedoch ein Tischgedeck fehlt, beschließt der König, nicht alle dreizehn großen Feen einzuladen. Ausgerechnet die Fee des Fleißes wird nicht berücksichtigt, da der König ihre Gabe gering schätzt.
Am Tag des Festes erscheint die Fee dennoch. Sie ist wütend über die Ausladung und unterbricht die anderen Feen, die gerade ihre Wünsche und Gaben für Rosalinda aussprechen. Gleichzeitig macht sie dem König schwere Vorwürfe wegen seiner Art, das Reich zu führen. Der König reagiert respektlos und verweist sie des Schlosses.
In ihrer Wut spricht die dreizehnte Fee einen Fluch aus. Rosalinda soll sich an ihrem fünfzehnten Geburtstag an einer Spindel stechen und sterben. Die Fee verlässt scheinbar das Schloss, zieht sich jedoch in einen Turm zurück, der auf Befehl des Königs verschlossen wird. Der König verbannt sie und entlässt sogar den Wächter, der sie ins Schloss gelassen hatte.
Die anderen Feen sind sich zwar einig, dass die dreizehnte Fee mit ihrer Kritik am König recht hat. Sie wollen jedoch nicht, dass Rosalinda für den Hochmut ihres Vaters bezahlen muss. Die zwölfte Fee spricht deshalb ihren noch nicht ausgesprochenen Wunsch aus und mildert den Fluch ab: Rosalinda soll nicht sterben, sondern hundert Jahre schlafen. Mit ihr soll der gesamte Hofstaat in einen tiefen Schlaf fallen.
Die Feen verlassen das Schloss und kehren nicht mehr zum König zurück. Der König lässt daraufhin sämtliche Spindeln im Reich unter Androhung schwerer Strafen einsammeln und verbrennen. Dabei nimmt er keine Rücksicht darauf, dass zahlreiche Frauen im Volk mit dem Spinnen ihren Lebensunterhalt verdienen. Die dadurch in Armut geratenen Menschen wenden sich gegen den selbstsüchtigen König.
Rosalinda und die dreizehnte Fee
Fünfzehn Jahre vergehen. Rosalinda entwickelt sich zu einer scheinbar vollkommenen Prinzessin, bei der sich die Wünsche der Feen erfüllt haben. An ihrem fünfzehnten Geburtstag befinden sich ihre Eltern und der Adel des Landes auf der Jagd.
Rosalinda erkundet allein das Schloss und entdeckt den Turm, vor dem ein hoher Zaun errichtet wurde. Aus Neugier betritt sie den Turm und findet dort die dreizehnte Fee beim Spinnen. Da Rosalinda aufgrund des Verbotes noch nie eine Spindel gesehen hat, lässt sie sich von der Fee zeigen, wie man damit arbeitet.
Währenddessen sind die Mitglieder des Hofstaates zurückgekehrt, feiern jedoch ausgelassen und bemerken nicht, dass die Prinzessin fehlt. Beim Auswechseln der Spindel sticht sich Rosalinda in den Finger und fällt in einen tiefen Schlaf.
Die dreizehnte Fee ist nicht zornig auf Rosalinda. Sie erkennt, dass die Prinzessin auch ohne ihre Gabe zu einem gutherzigen Mädchen geworden ist. Mit Rosalinda schläft der gesamte Hofstaat ein. Die Fee nimmt ihre Spindel und verlässt das Schloss. Um das Schloss wächst eine gewaltige Dornenhecke.
Die Fee erklärt, dass Rosalinda erst wieder erwachen wird, wenn ein Prinz kommt, der sie wirklich liebt und sie wachküsst.
Hundert Jahre später
Hundert Jahre später erzählt man sich in dem lange Zeit königslosen Land von der Prinzessin, die inzwischen nur noch „Dornröschen“ genannt wird. Sie soll in einem verwunschenen Schloss hinter einer undurchdringlichen Dornenhecke schlafen.
Zahlreiche wagemutige Prinzen und Adlige versuchen, das Schloss zu erreichen. Sie scheitern jedoch an der Dornenhecke. Einer der gescheiterten Männer wird schließlich in einem Gasthaus wütend auf einen Spielmann, der die Geschichte von Dornröschen erzählt.
Ein anderer Prinz geht dazwischen. Dabei fällt ihm eine Münze auf, auf der das Porträt Rosalindas zu sehen ist. Fasziniert von ihrer Schönheit kauft er dem jungen Mann die Münze ab. Der Spielmann erklärt ihm, dass es sich bei dem Mädchen um die sagenumwobene Prinzessin Dornröschen handelt. Sein Großvater, der einstige Hofgärtner, habe sie noch persönlich gekannt.
Der Prinz und die dreizehnte Fee
Der Prinz macht sich auf den Weg zur Dornenhecke. Unterwegs begegnet er einem weiteren gescheiterten Abenteurer, der ihn vor den Gefahren warnt. Doch der Prinz lässt sich nicht aufhalten.
In der Nähe des Schlosses trifft er eine scheinbar gewöhnliche Frau. Tatsächlich handelt es sich um die dreizehnte Fee. Sie bittet den Prinzen um Hilfe, da ein Adler ihre Spindel gestohlen und in sein Nest gebracht hat.
Der Prinz erklärt sich bereit zu helfen. Er klettert eine steile Felswand hinauf und holt die Spindel zurück. Die Fee verspricht ihm eine reiche Belohnung und führt ihn in eine Höhle.
Dort versucht sie ihn dreimal in Versuchung zu führen. Sie bietet ihm Reichtum, Ruhm und Ehre sowie schließlich eine schöne und gebildete Königstochter an. Der Prinz lehnt alle Angebote ab. Er möchte nur wissen, wie er zum Schloss von Dornröschen gelangt.
Die Fee zeigt ihm schließlich den Weg und verschwindet.
Der Kuss und das Erwachen
Als der Prinz die Dornenhecke erreicht, versucht er zunächst, sie mit seinem Schwert zu durchdringen. Doch plötzlich wird die Hecke von Rosen überwuchert und teilt sich. Der Prinz kann ungehindert passieren.
Im Schloss findet er den gesamten Hofstaat im tiefen Schlaf. Schließlich erreicht er den Turm und entdeckt dort Dornröschen. Er gibt ihr einen Kuss und die Prinzessin erwacht.
Mit ihrem Erwachen kehrt auch der gesamte Hofstaat ins Leben zurück. Rosalinda verliebt sich in den Prinzen und beide verlassen gemeinsam den Turm.
Der Prinz bittet den König um die Hand seiner Tochter. Doch der König stellt erneut seinen eigenen Hochmut über das Glück seiner Tochter. Der Prinz sei nur dann würdig, Rosalinda zu heiraten, wenn er reich, mächtig und Besitzer eines großen Reiches sei.
In diesem Moment greifen die dreizehn Feen ein. Die dreizehnte Fee weist den König zurecht und erklärt, dass sein Wort im Königreich längst keinen Wert mehr habe.
Rosalinda und der Prinz sollen fortan selbst regieren, da sie im Gegensatz zum König einen Sinn für Gerechtigkeit besitzen. Die Angestellten des Schlosses feiern Dornröschens Hochzeit und vertreiben dabei den hochnäsigen Adel.
Zum Schluss macht die dreizehnte Fee Rosalinda nach all den Jahren doch noch ein Geschenk: ihre Spindel. Da das Volk wieder spinnen lernen möchte, bittet sie Dornröschen, es vorzumachen.
Hintergrund zum Film
Dornröschen entstand in den DEFA-Studios in Babelsberg. Der Film wurde als aufwendige Märchenproduktion realisiert und verbindet Studioaufnahmen mit Außenaufnahmen.
Für die Außenaufnahmen wurde unter anderem Schloss Hartenfels im sächsischen Torgau als Königsschloss genutzt.
Premiere und Kinoauswertung
Der Märchenfilm kam am 26. März 1971 in die Kinos der DDR.
Mit insgesamt 4.584.967 Zuschauern erreichte der Film Platz 23 der erfolgreichsten DDR-Filme.
Wichtige Themen im Film
Hochmut und Verantwortung
Der König trägt durch seine Entscheidung, die Fee des Fleißes nicht einzuladen, maßgeblich zur Entstehung des Fluches bei. Sein Verhalten gegenüber der Fee und später gegenüber seinem eigenen Volk wird im Verlauf der Geschichte zunehmend problematisch.
Fleiß und Arbeit
Die Gabe der dreizehnten Fee steht für den Wert des Fleißes. Besonders deutlich wird dies daran, dass der König nach dem Fluch alle Spindeln verbrennen lässt und damit vielen Frauen im Land die wirtschaftliche Grundlage entzieht.
Gerechtigkeit
Am Ende übernehmen Rosalinda und der Prinz die Herrschaft. Die dreizehnte Fee stellt dabei ausdrücklich den Sinn für Gerechtigkeit der beiden über Reichtum und Macht.
Liebe und Mut
Der Prinz lässt sich weder durch Reichtum noch durch Ruhm oder eine andere Königstochter von seinem Ziel abbringen. Er möchte ausschließlich Dornröschen erreichen und beweist damit seine Aufrichtigkeit.
Die dreizehn Feen
Die Feen bestimmen entscheidend das Schicksal Rosalindas. Während die dreizehnte Fee den Fluch ausspricht, mildert die zwölfte Fee dessen Wirkung und sorgt dafür, dass Rosalinda nicht sterben muss.
Produktion und Besonderheiten
Dornröschen ist ein DEFA-Märchenfilm aus dem Jahr 1971. Regie führte Walter Beck. Die Hauptrolle der Rosalinda beziehungsweise Dornröschen übernahm Juliane Korén.
Der Film entstand in den DEFA-Studios in Babelsberg. Neben den Studioaufnahmen wurden Außenaufnahmen unter anderem auf Schloss Hartenfels in Torgau realisiert.
Die Verfilmung erweitert die bekannte Grimm’sche Märchengeschichte um zusätzliche Handlungselemente und stellt neben der Liebesgeschichte auch Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung, Arbeit und Herrschaft in den Mittelpunkt.
Rezeption und Kritik
Für das Lexikon des internationalen Films war Dornröschen eine „kindgerechte Verfilmung des bekannten Märchens der Gebrüder Grimm“.
Die Brandenburgischen Neuesten Nachrichten lobten insbesondere die Erweiterung und Modernisierung des Märchenstoffes. Die Drehbuchautoren Margot Beichler und Gudrun Deubener entwickelten gemeinsam mit Regisseur Walter Beck eine eigenständige Interpretation, die den bekannten Märchenstoff um weitere Erkenntnisbereiche ergänze.
Besonders hervorgehoben wurde dabei die farbenfrohe Gestaltung des DEFA-Films sowie die Möglichkeit, auch jüngeren Zuschauern eine Bewertung von Gut und Böse zu ermöglichen, ohne den märchenhaften Charakter der Geschichte zu verlieren.
Fazit zu Dornröschen
Dornröschen erzählt die Geschichte der Königstochter Rosalinda, die durch einen Fluch der dreizehnten Fee in einen hundertjährigen Schlaf fällt. Erst ein Prinz, der sich weder von Reichtum noch von Ruhm verführen lässt, findet den Weg durch die Dornenhecke und erweckt sie mit einem Kuss.
Die DEFA-Verfilmung verbindet die bekannte Märchenhandlung der Brüder Grimm mit einer erweiterten Geschichte über Hochmut, Fleiß, soziale Verantwortung, Gerechtigkeit und wahre Liebe.
Auch hier kann ich nur sagen: Hut ab vor der Leistung der DEFA. Die klassische Vorlage der Brüder Grimm wurde kindgerecht umgesetzt und zugleich um zusätzliche Themen erweitert. Laut Filmdienst handelt es sich um eine „kindgerechte Verfilmung des bekannten Märchens der Gebrüder Grimm“.
🎬 Film-Tipp: Weitere DEFA-Märchenfilme
Wenn dir Dornröschen gefallen hat, lohnt sich auch ein Blick auf weitere klassische DEFA-Märchenverfilmungen.
König Drosselbart (1965): DEFA-Märchenfilm mit Manfred Krug
König Drosselbart ist ein DEFA-Märchenfilm aus dem Jahr 1965 mit Karin Ugowski als hochmütiger Prinzessin Roswitha und Manfred Krug in der Titelrolle. Regie führte Walter Beck. Der in den DEFA-Studios der DDR entstandene Film ist eine Adaption des Grimm’schen Märchens König Drosselbart.
Kurz gesagt: Ein klassischer DEFA-Märchenfilm über die hochmütige Prinzessin Roswitha, die nach ihrer Hochzeit mit einem als Spielmann verkleideten Fremden das Leben fern vom königlichen Hof kennenlernen muss. Dabei verändert sich ihr Blick auf Arbeit, Bescheidenheit und das eigene Leben.
Hier geht’s zum Film: König Drosselbart (1965)
🔗 Weiterführende Links zu Dornröschen
Weitere Informationen zu Dornröschen (1971), zur Handlung, Produktion und Geschichte des DEFA-Märchenfilms finden Sie bei den folgenden Film- und Informationsangeboten:
- DEFA-Stiftung – Dornröschen – Informationen zum DEFA-Film
- filmportal.de – Dornröschen – Informationen zur Filmproduktion
- IMDb – Dornröschen – internationale Filmdatenbank
- OFDb – Dornröschen – Filmdatenbank
- Cinema.de – Dornröschen – Informationen zum Film
- Wikipedia – Dornröschen (1971) – Hintergrundinformationen und Handlung
- Schnittberichte – Dornröschen – Informationen zur Filmfassung
- InsideKino – DDR-Filme – Informationen zur Kinoauswertung
Hinweis: Verfügbarkeit, Streamingangebote und externe Webseiten können sich ändern. Die Links dienen der weiterführenden Information.
▶️ Dornröschen (1971)
Dornröschen (1970) - DEFA-Märchen (ganzer Film auf Deutsch) - HD
Redaktioneller Hinweis
Alle Angaben zu Handlung, Produktion, Kinostart, Zuschauerzahlen und Kritik basieren auf den bereitgestellten Quellen.