Pelle, der Eroberer (1987) – Bille Augusts bewegendes Auswandererdrama
Pelle, der Eroberer (Originaltitel: Pelle Erobreren) ist ein dänisch-schwedisches Filmdrama von Bille August, das auf dem gleichnamigen Romanzyklus des dänischen Schriftstellers Martin Andersen Nexø basiert. Der Film erzählt die Geschichte des schwedischen Einwanderers Lasse und seines Sohnes Pelle, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Dänemark kommen und dort auf einem Gutshof mit Armut, Ausbeutung und sozialer Ausgrenzung konfrontiert werden.
Der 1987 entstandene Film zählt zu den herausragenden europäischen Produktionen seiner Zeit. Mit seiner eindringlichen Mischung aus historischem Realismus, Sozialdrama und persönlicher Vater-Sohn-Geschichte fand er weltweit Anerkennung. Zu den wichtigsten Auszeichnungen gehören die Goldene Palme in Cannes und der Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Pelle, der Eroberer – auf einen Blick
Handlung
Der schwedische Arbeiter Lasse (Max von Sydow) macht sich gemeinsam mit seinem Sohn Pelle auf den Weg nach Dänemark. Beide hoffen auf ein besseres Leben und darauf, der Armut ihrer Heimat zu entkommen.
Doch die erhoffte Zukunft bleibt zunächst aus. Auf einem großen Gutshof finden Vater und Sohn Arbeit, müssen dort aber die harte Realität der Landarbeiter erleben. Besonders die ausländischen Arbeiter stehen am unteren Ende der sozialen Hierarchie und sind Willkür, Ausbeutung und Demütigungen ausgesetzt.
Während Lasse versucht, sich mit seiner Situation zu arrangieren und seinem Sohn trotz aller Schwierigkeiten ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen, beginnt Pelle, die Ungerechtigkeit seiner Umgebung immer bewusster wahrzunehmen.
Aus dem zunächst verängstigten Jungen entwickelt sich ein selbstbewusster junger Mensch. Pelle träumt von Freiheit, Bildung und einem Leben, in dem er nicht länger von den Entscheidungen anderer abhängig ist. Sein Wunsch, die Welt hinter sich zu lassen und eine eigene Zukunft aufzubauen, wird zum zentralen Antrieb der Geschichte.
Entstehungsgeschichte
Bille August verfilmte den ersten Teil von Martin Andersen Nexøs umfangreichem Romanzyklus Pelle Erobreren. Die literarische Vorlage entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und schildert das Leben der dänischen Arbeiterklasse sowie die sozialen und politischen Veränderungen dieser Zeit.
Für August war es wichtig, die Geschichte möglichst realistisch und ohne romantisierende Verklärung zu erzählen. Entsprechend prägen karge Landschaften, einfache Lebensbedingungen und eine zurückhaltende Inszenierung den Film.
Eine besondere Stärke der Produktion ist die Besetzung. Max von Sydow verkörpert Lasse als liebevollen, aber vom Leben gezeichneten Vater, während der damals noch junge Pelle Hvenegaard in seiner ersten großen Filmrolle die Entwicklung des Titelhelden glaubwürdig trägt.
Themen und Motive
Im Mittelpunkt von Pelle, der Eroberer stehen Migration, Armut und soziale Ungleichheit. Der Film zeigt, wie Menschen aus wirtschaftlicher Not ihre Heimat verlassen und feststellen müssen, dass ein Ortswechsel nicht automatisch ein besseres Leben bedeutet.
Dabei bleibt die Geschichte nicht bei einer sozialen Anklage stehen. Durch Pelles Perspektive wird sie zugleich zu einer Erzählung über Hoffnung, Selbstbestimmung und den Wunsch nach einem Leben in Freiheit.
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- Migration und Fremdsein – Die Suche nach einem besseren Leben in einem fremden Land.
- Armut und Ausbeutung – Die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Landarbeiter.
- Kinderperspektive – Pelles Blick macht die Härte der Erwachsenenwelt besonders unmittelbar erfahrbar.
- Hoffnung und Selbstbestimmung – Pelle entwickelt den Willen, sein eigenes Schicksal zu bestimmen.
- Vater-Sohn-Beziehung – Die enge, aber nicht immer einfache Beziehung zwischen Lasse und Pelle bildet das emotionale Zentrum des Films.
- Klassenunterschiede – Der Film zeigt die deutlichen sozialen Grenzen zwischen Gutsherren, Aufsehern und Arbeitern.
🎬 Film-Tipp: Brooklyn (2015)
Ein ähnliches Thema, allerdings aus einer ganz anderen Perspektive, erzählt Brooklyn (2015). Auch hier steht eine junge Auswanderin vor der Frage, wie aus einem fremden Ort eine neue Heimat werden kann. Während Pelle, der Eroberer vor allem Armut, Ausbeutung und soziale Ungleichheit thematisiert, stehen in Brooklyn Heimweh, Identität, Liebe und persönliche Selbstbestimmung im Mittelpunkt.
👉 Passender Film-Tipp: Brooklyn (2015) – Handlung, Kritik und Besetzung
Kritik und Wirkung
International wurde der Film vor allem für seine eindringliche Atmosphäre, die realistische Darstellung sozialer Not und die herausragenden Schauspielerleistungen gelobt.
Max von Sydow verleiht Lasse eine große menschliche Tiefe. Seine Figur ist weder ein idealisierter Vater noch ein einfacher Verlierer, sondern ein Mann, der zwischen Resignation, Liebe zu seinem Sohn und dem Wunsch nach einem besseren Leben gefangen ist.
Auch die Darstellung des jungen Pelle ist entscheidend für die Wirkung des Films. Die Geschichte wird weitgehend aus seiner Perspektive erlebt. Dadurch erscheinen Brutalität, Armut und soziale Ungerechtigkeit nicht nur als historische Fakten, sondern als unmittelbare Erfahrungen eines Kindes.
Die ruhige und teilweise bewusst zurückgenommene Erzählweise gibt dem Film einen beinahe dokumentarischen Charakter. Gerade dadurch entwickelt Pelle, der Eroberer eine nachhaltige emotionale Wirkung, ohne auf übermäßige Dramatisierung angewiesen zu sein.
Auszeichnungen
- Goldene Palme – Cannes Film Festival 1988
- Oscar – Bester fremdsprachiger Film, 1989
- Europäische und internationale Filmpreise – weitere Auszeichnungen und Nominierungen
Der Gewinn der Goldenen Palme und des Oscars machte Pelle, der Eroberer international bekannt und etablierte Bille August als einen der bedeutenden europäischen Regisseure seiner Generation.
Gibt es eine Fortsetzung?
Die literarische Vorlage von Martin Andersen Nexø umfasst mehrere Bände und begleitet Pelle auch in späteren Lebensabschnitten. Die Verfilmung von Bille August konzentriert sich jedoch auf den ersten Teil der Geschichte.
Eine direkte filmische Fortsetzung von Pelle, der Eroberer wurde nicht produziert. Wer Pelles weiteren Lebensweg kennenlernen möchte, findet ihn daher vor allem in Nexøs Romanzyklus.
Weitere Quellen & Filminformationen
Mein Fazit
Pelle, der Eroberer ist weit mehr als eine klassische Literaturverfilmung. Bille August erzählt eine bewegende Geschichte über Migration, soziale Ungleichheit und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.
Besonders stark ist der Film dort, wo er große gesellschaftliche Themen mit der persönlichen Geschichte von Lasse und Pelle verbindet. Max von Sydows zurückhaltende Darstellung und Pelle Hvenegaards eindringliches Spiel geben der Geschichte eine außergewöhnliche emotionale Tiefe.
Die langsame Erzählweise und die karge Bildsprache verlangen zwar etwas Geduld, belohnen den Zuschauer aber mit einem atmosphärisch dichten und nachhaltig wirkenden Drama.
Urteil: Ein kraftvolles, humanistisches Meisterwerk über Armut, Migration und Hoffnung – hart, poetisch und bis heute sehenswert.