Brooklyn (2015): Ein sensibles Drama über Migration, Liebe und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen
Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten ist ein britisch-irisch-kanadisches Filmdrama von John Crowley aus dem Jahr 2015. Das Drehbuch von Nick Hornby basiert auf dem gleichnamigen Roman des irischen Schriftstellers Colm Tóibín. Im Mittelpunkt steht die junge Irin Eilis Lacey, die Anfang der 1950er-Jahre ihre Heimat verlässt, um in New York ein neues Leben aufzubauen. Zwischen Heimweh, erster Liebe und der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben muss sie schließlich entscheiden, wo sie wirklich hingehört.
Originaltitel: Brooklyn
Deutscher Titel: Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten
Produktionsländer: Vereinigtes Königreich, Irland, Kanada
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 112 Minuten
Genre: Drama, Liebesfilm, Historienfilm
Regie: John Crowley
Drehbuch: Nick Hornby
FSK: 0
Stab
- Regie: John Crowley
- Drehbuch: Nick Hornby
- Produktion: Finola Dwyer, Amanda Posey
- Musik: Michael Brook
- Kamera: Yves Bélanger
- Schnitt: Jake Roberts
Besetzung
- Saoirse Ronan als Eilis Lacey
- Emory Cohen als Antonio „Tony“ Fiorello
- Domhnall Gleeson als Jim Farrell
- Jim Broadbent als Father Flood
- Julie Walters als Madge Kehoe
- Bríd Brennan als Miss Kelly
- Jane Brennan als Mrs. Lacey
- Fiona Glascott als Rose Lacey
- Jessica Paré als Miss Fortini

Saoirse Ronan als Eilis Lacey – eine eindrucksvolle und feinfühlige Darstellung.
Handlung
Eilis Lacey wächst gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Rose in der irischen Kleinstadt Enniscorthy auf. Für die junge Frau gibt es dort nur wenige berufliche Perspektiven. Mithilfe ihrer Schwester und der Unterstützung von Father Flood erhält sie schließlich die Möglichkeit, nach Brooklyn auszuwandern.
Die Überfahrt nach Amerika ist für Eilis alles andere als leicht. Sie leidet unter starkem Heimweh und fühlt sich in der fremden Umgebung zunächst verloren. In Brooklyn lebt sie in einem Boardinghouse für junge Frauen und beginnt in einem Kaufhaus zu arbeiten. Obwohl sie regelmäßig Briefe nach Irland schreibt, fällt es ihr schwer, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen.
Mit der Zeit findet Eilis immer besser ihren Platz. Father Flood unterstützt sie nicht nur emotional, sondern ermöglicht ihr auch eine Weiterbildung im Bereich Buchhaltung. Auf einem irischen Tanzabend begegnet sie dem lebensfrohen Tony Fiorello, einem jungen Mann aus einer italienisch-amerikanischen Familie. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, die Eilis zunehmend das Gefühl gibt, in Brooklyn angekommen zu sein.
Doch dann erreicht sie die Nachricht vom Tod ihrer Schwester Rose. Eilis kehrt nach Irland zurück und wird dort erneut mit ihrer alten Heimat konfrontiert. Während sie zunächst nur vorübergehend bleiben möchte, stellt sie überrascht fest, wie vertraut und angenehm ihr das Leben in Enniscorthy wieder erscheint.
Zudem lernt sie Jim Farrell kennen, einen sympathischen jungen Mann, der ihr eine Zukunft in Irland ermöglichen könnte. Eilis gerät dadurch immer stärker zwischen zwei Lebensentwürfe: das vertraute Irland ihrer Vergangenheit und das neue Leben, das sie sich in Brooklyn aufgebaut hat.
Als Miss Kelly schließlich andeutet, von Eilis‘ heimlicher Hochzeit mit Tony zu wissen, wird ihr bewusst, dass sie ihrer Vergangenheit nicht länger ausweichen kann. Sie muss sich entscheiden – zwischen zwei Ländern, zwei Lebensentwürfen und letztlich zwischen zwei Vorstellungen davon, wer sie selbst sein möchte.
Eilis entscheidet sich für Tony und kehrt nach Brooklyn zurück. Ihre Rückkehr ist dabei weit mehr als eine Entscheidung für einen Mann: Sie ist das klare Bekenntnis zu ihrem selbst gewählten Leben.
Eine Geschichte über Heimat und Identität
Die große Stärke von Brooklyn liegt darin, dass der Film seine Migrationsgeschichte nicht auf große dramatische Gesten reduziert. Stattdessen erzählt John Crowley sehr ruhig und aufmerksam von den kleinen Veränderungen, die das Leben eines Menschen grundlegend verändern können.
Eilis‘ Heimweh, ihre Einsamkeit und ihre Unsicherheit werden ebenso ernst genommen wie ihre wachsende Unabhängigkeit. Brooklyn ist für sie zunächst ein fremder Ort, doch nach und nach wird aus der unbekannten Stadt ein Zuhause. Gleichzeitig verliert Irland seine frühere Selbstverständlichkeit.
Dadurch entsteht ein interessantes Spannungsfeld: Eilis muss nicht nur entscheiden, wo sie leben möchte, sondern auch, wer sie sein will. Ihre Entwicklung vom schüchternen Mädchen zur selbstbewussten jungen Frau bildet das emotionale Zentrum des Films.
Saoirse Ronan in ihrer Paraderolle
Saoirse Ronan trägt den Film nahezu vollständig. Ihre Darstellung von Eilis ist bemerkenswert zurückhaltend und gerade deshalb so wirkungsvoll. Viele Gefühle werden nicht ausgesprochen, sondern zeigen sich in Blicken, kleinen Gesten und Veränderungen ihrer Körpersprache.
Besonders überzeugend ist Ronan in den Momenten, in denen Eilis zwischen Freude und Trauer, zwischen Zugehörigkeit und Entfremdung schwankt. Ihre Figur wirkt niemals wie eine klassische Heldin, sondern wie ein glaubwürdiger junger Mensch, der lernen muss, eigene Entscheidungen zu treffen.
Auch das Ensemble überzeugt. Emory Cohen verleiht Tony eine charmante und warmherzige Präsenz, während Domhnall Gleeson als Jim eine bewusst andere Facette von Eilis‘ möglicher Zukunft verkörpert. Julie Walters sorgt als Madge Kehoe immer wieder für humorvolle Momente.
Atmosphäre und Inszenierung
John Crowley erzählt Brooklyn mit großer Ruhe und viel Gespür für Atmosphäre. Die Bildgestaltung unterstützt dabei die emotionale Entwicklung der Hauptfigur: Das Irland der frühen 1950er-Jahre wirkt zunächst vertraut und behaglich, während Brooklyn größer, moderner und zugleich überwältigend erscheint.
Mit zunehmender Eingewöhnung verändert sich auch Eilis‘ Wahrnehmung. Farben, Kostüme und Ausstattung vermitteln eindrucksvoll das Lebensgefühl der Zeit und machen den Film zu einem atmosphärischen Porträt der 1950er-Jahre.
Auch die Musik von Michael Brook trägt wesentlich zur Stimmung bei. Traditionelle irische Klänge verbinden die beiden Welten miteinander und unterstreichen die emotionale Verbindung zwischen Eilis‘ Vergangenheit und ihrer Zukunft.
Kritiken
Brooklyn wurde von Kritikern international positiv aufgenommen. Besonders gelobt wurden die feinfühlige Inszenierung, die historische Atmosphäre und die schauspielerische Leistung von Saoirse Ronan.
- Filmstarts: „herzerwärmendes wie intelligentes Gefühlskino“
- epd Film: „unsentimental und herzzerreißend“
- critic.de: „ungemein genau, bescheiden, altmodisch – ohne das Drama zu leugnen“
- BBC: Aufnahme in die Liste der bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts
Ein feinfühliges Drama über Heimat, Identität und den Mut, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben.
– persönliche Einschätzung
Hintergrund
Brooklyn basiert auf dem 2009 veröffentlichten Roman des irischen Schriftstellers Colm Tóibín. Drehbuchautor Nick Hornby überträgt die Geschichte mit großer Sensibilität auf die Leinwand und konzentriert sich dabei besonders auf Eilis‘ innere Entwicklung.
Regisseur John Crowley verzichtet weitgehend auf übertriebene Dramatik. Stattdessen lässt er die Figuren und ihre Beziehungen für sich sprechen. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Film seine emotionale Stärke.
Auch musikalisch bleibt die Verbindung zu Irland präsent. Traditionelle irische Musik spielt eine wichtige Rolle, unter anderem durch Mitglieder der Irish-Folk-Formation The Gloaming.
Auszeichnungen und Nominierungen
- Oscar-Nominierungen: Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Saoirse Ronan), Bestes adaptiertes Drehbuch
- BAFTA: Gewinner – Bester britischer Film
- Weitere BAFTA-Nominierungen: Hauptdarstellerin, Nebendarstellerin, adaptiertes Drehbuch, Kostümdesign sowie Make-up & Hairstyling
- Publikumspreise: unter anderem in Denver, Mill Valley, Vancouver und Virginia
- Hollywood Film Awards: New Hollywood Award für Saoirse Ronan
Mein Urteil
Brooklyn ist ein ruhiges, warmherziges und ausgesprochen feinfühliges Drama. Der Film erzählt von Migration, Verlust, Liebe und Neubeginn, ohne dabei in Kitsch abzurutschen. Statt großer Effekte setzt John Crowley auf glaubwürdige Figuren und emotionale Zwischentöne.
Besonders stark ist Saoirse Ronans Darstellung. Sie macht Eilis‘ Unsicherheit, ihre Einsamkeit und schließlich ihre wachsende Selbstständigkeit jederzeit nachvollziehbar. Dadurch wird ihre Entscheidung am Ende nicht nur zu einer romantischen, sondern vor allem zu einer persönlichen und selbstbestimmten Entscheidung.
Mein Urteil: Ein wunderschön inszeniertes und berührendes Drama über Heimat, Liebe und Selbstbestimmung. Brooklyn ist besonders empfehlenswert für alle, die emotionale Historienfilme, Coming-of-Age-Geschichten und starke Frauenfiguren mögen.
🎬 Film-Tipp: An Education (2009)
Wer Brooklyn wegen seiner starken weiblichen Hauptfigur, der historischen Atmosphäre und der Coming-of-Age-Thematik mag, sollte sich auch An Education ansehen. Der Film erzählt von einer jungen Frau, die zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, persönlicher Freiheit und der Suche nach ihrem eigenen Weg steht.
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Fazit
Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten ist mehr als eine klassische Liebesgeschichte. Der Film erzählt vom Erwachsenwerden, von Migration und von der schwierigen Frage, was Heimat eigentlich bedeutet. Eilis muss lernen, dass Heimat nicht zwangsläufig der Ort ist, an dem man geboren wurde, sondern auch der Ort sein kann, an dem man sich bewusst für sein eigenes Leben entscheidet.
Mit seiner warmen Bildsprache, der hervorragenden Besetzung und der starken Hauptdarstellerin Saoirse Ronan gelingt John Crowley ein zeitloses Drama, das auch Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner emotionalen Wirkung verloren hat.