McLintock – Ein liebenswertes Raubein (1963): Humor, Chaos und John Wayne in Bestform
McLintock! gehört zu den ungewöhnlichsten Filmen in John Waynes Karriere. Statt eines ernsten Westernhelden zeigt die Westernkomödie von Andrew V. McLaglen einen großmäuligen, trinkfesten und gutmütigen Viehbaron, der sich vor allem mit seiner eigenen Familie herumschlagen muss.
Zwischen Raufereien, Eifersucht, Siedlerkonflikten, Comanchen und einer gehörigen Portion Slapstick entwickelt sich eine turbulente Komödie, die heute vor allem von der Chemie zwischen John Wayne und Maureen O’Hara lebt.
Die wichtigsten Fakten
- Originaltitel: McLintock!
- Deutscher Titel: McLintock – Ein liebenswertes Raubein
- Produktionsland: USA
- Erscheinungsjahr: 1963
- Deutscher Kinostart: 6. März 1964
- Genre: Westernkomödie / Slapstick
- Regie: Andrew V. McLaglen
- Drehbuch: James Edward Grant
- Produktion: Michael Wayne
- Produktionsfirma: Batjac Productions
- Laufzeit: ca. 126–127 Minuten
- Bildformat: Technicolor / Panavision
- IMDb: aktuell 7,1/10
Der Film feierte seine US-Premiere am 13. November 1963. Gedreht wurde unter anderem in Old Tucson, Arizona.
Handlung
George Washington McLintock ist Viehbaron, Landbesitzer und der wohlhabendste Mann der Gegend. Er besitzt großen Einfluss und genießt bei vielen Bewohnern Respekt. Sein Leben könnte eigentlich recht entspannt verlaufen – wären da nicht seine entfremdete Ehefrau Katherine und seine Tochter Becky.
Katherine hat ihren Mann vor zwei Jahren verlassen und kehrt nun aus dem Osten zurück. Sie möchte die Scheidung und außerdem das Sorgerecht für Becky, die nach ihrem Studium nach Hause kommt.
Damit ist es mit Georges ruhigem Junggesellenleben endgültig vorbei.
Becky bringt zudem ihren Freund Matt Douglas Jr. mit. Der junge Mann ist zwar gebildet und musikalisch begabt, entspricht aber ganz und gar nicht Georges Vorstellungen von einem geeigneten Schwiegersohn. Gleichzeitig verliebt sich der junge Devlin Warren in Becky, wodurch sich eine weitere Konfliktlinie entwickelt.
Doch auch außerhalb der Familie gibt es Ärger. Neue Siedler drängen in das Gebiet, während politische Interessen und die Behandlung der Comanchen für zusätzliche Spannungen sorgen. George versucht, zwischen Ranchern, Siedlern, Behörden und Indianern seinen Einfluss zu nutzen – und verliert dabei immer wieder die Kontrolle über das Chaos.
Die Geschichte steuert schließlich auf einen furiosen Showdown zu, bei dem Katherine und George ihre privaten Differenzen auf denkbar öffentliche Weise austragen.
John Wayne einmal anders
John Wayne war wie kaum ein anderer Schauspieler mit dem klassischen amerikanischen Western verbunden. In McLintock! nimmt er dieses Image jedoch mit sichtlichem Vergnügen auf die Schippe.
Sein George McLintock ist kein stoischer Held, sondern ein lauter, trinkfreudiger und manchmal ziemlich grober Patriarch. Wayne darf grinsen, poltern, nuscheln, sich prügeln und vor allem komödiantisches Timing beweisen.
Gerade darin liegt der besondere Reiz des Films: Wayne bleibt unverkennbar der Westernstar, den das Publikum kennt – aber er nimmt seine eigene Leinwandpersona deutlich weniger ernst.
John Wayne und Maureen O’Hara: ein unschlagbares Duo
Das Herzstück des Films ist die Beziehung zwischen George und Katherine McLintock.
Maureen O’Hara spielt Katherine als temperamentvolle, selbstbewusste und ausgesprochen streitlustige Gegenspielerin. Wo George mit Lautstärke und körperlicher Präsenz arbeitet, kontert Katherine mit Eifersucht, scharfen Worten und ebenso viel Temperament.
Die beiden geraten ständig aneinander. Aus dem Ehekonflikt entwickelt sich dadurch eine Art Western-Slapstick für Erwachsene.
Wayne und O’Hara hatten bereits zuvor gemeinsam vor der Kamera gestanden. In McLintock! funktioniert ihre Chemie besonders gut: Beide wissen genau, wann eine Szene ernst wirken soll und wann sie endgültig ins Komödiantische kippt.
John Wayne und Maureen O’Hara in der turbulenten Westernkomödie „McLintock!“ – mit Liebe, Raufereien und jeder Menge Humor.
Eine Westernkomödie mit ungewöhnlich viel Chaos
Der Film bietet praktisch alles, was man sich von einer klassischen Westernkomödie der 1960er-Jahre wünschen kann:
- Raufereien
- Pferde und Cowboys
- Rodeo-Atmosphäre
- Siedler und Rancher
- Comanchen
- politische Intrigen
- Familienkonflikte
- Eifersucht
- Slapstick
- und natürlich jede Menge John Wayne
Besonders berühmt ist die große Schlammschlacht, bei der sich zahlreiche Figuren buchstäblich im Dreck wiederfinden. Die Szene bringt die Grundidee des Films perfekt auf den Punkt: Niemand nimmt sich selbst besonders ernst – und aus jedem Konflikt kann innerhalb weniger Sekunden eine gigantische Prügelei werden.
Hinter den Kulissen: ein echtes Wayne-Familienprojekt
Auch hinter der Kamera war McLintock! eng mit John Wayne verbunden.
Waynes Produktionsfirma Batjac Productions stand hinter dem Film. Als Produzent fungierte sein Sohn Michael Wayne, während sein anderer Sohn Patrick Wayne als Devlin Warren zum Ensemble gehört. Regie führte Andrew V. McLaglen, der zuvor als Assistent und Darsteller im Umfeld von John Ford und John Wayne gearbeitet hatte.
Auch zahlreiche vertraute Gesichter aus Waynes Westernumfeld sind dabei. Der Film wirkt deshalb stellenweise wie ein großes Wiedersehen mit einer eingeschworenen Western-Stammtruppe.
Cast & Crew
Hauptdarsteller
- John Wayne – George Washington „G.W.“ McLintock
- Maureen O’Hara – Katherine Gilhooley McLintock
- Patrick Wayne – Devlin Warren
- Stefanie Powers – Rebecca „Becky“ McLintock
- Yvonne De Carlo – Louise Warren
- Jerry Van Dyke – Matt Douglas Jr.
- Jack Kruschen – Jake Birnbaum
- Chill Wills – Drago
- Bruce Cabot – Ben Sage
- Edgar Buchanan – Bunny Dull
Die Besetzung vereint zahlreiche bekannte Western- und Charakterdarsteller jener Zeit.
Zwischen Westernromantik und problematischem Frauenbild
Aus heutiger Sicht lässt sich McLintock! allerdings nicht einfach als harmlose Familienkomödie betrachten.
Der zentrale Ehekonflikt basiert auf einem Rollenbild, das deutlich aus seiner Entstehungszeit stammt. Katherine wird zwar als temperamentvolle und selbstbewusste Frau präsentiert, gleichzeitig wird ihre Beziehung zu George immer wieder über Eifersucht, Dominanz und körperliche Überlegenheit definiert.
Besonders die berühmte Szene, in der George Katherine über das Knie legt und ihr den Hintern versohlt, wirkt aus heutiger Perspektive erheblich problematischer als zur Zeit der Entstehung des Films.
Das sollte man beim heutigen Blick auf McLintock! nicht ausblenden. Die Szene ist historisch als Teil der damaligen Komödienlogik einzuordnen – sie muss deshalb aber nicht automatisch als zeitgemäß oder unproblematisch empfunden werden.
Eine lose Verbindung zu Shakespeare
Die Geschichte erinnert deutlich an William Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. Wie dort steht ein streitendes Paar im Mittelpunkt, dessen Beziehung von Machtkämpfen, Sturheit und gegenseitiger Provokation geprägt ist.
McLintock! überträgt dieses Grundmotiv allerdings in den amerikanischen Westen und macht daraus eine breit angelegte Westernkomödie.
Inszenierung und Technicolor-Look
Visuell profitiert der Film enorm von seiner farbenprächtigen Technicolor-Fotografie und dem Panavision-Breitbildformat.
Die Landschaften Arizonas, die Westernstadt, die Kostüme und die großen Massenszenen geben dem Film einen klassischen Studio-Western-Look. Gleichzeitig nutzt McLaglen diese Kulisse immer wieder als Spielplatz für seine Komödie.
Das Ergebnis ist weniger ein realistischer Western als eine bewusst überzeichnete Welt, in der die Figuren jederzeit vom nächsten Tumult überrascht werden können.
Mein Fazit
McLintock – Ein liebenswertes Raubein ist vor allem eines: ein großer, lauter und ausgesprochen unterhaltsamer John-Wayne-Spaß.
Wer von Wayne ausschließlich ernste Western wie Rio Bravo, Der schwarze Falke oder Red River erwartet, bekommt hier eine ganz andere Seite des Stars zu sehen. Wayne spielt mit seinem eigenen Image und zeigt, dass er auch als Komödiant erstaunlich gut funktioniert.
Dabei ist McLintock! sicherlich nicht in jeder Hinsicht gut gealtert. Besonders der Umgang mit Katherine und das damalige Rollenverständnis sorgen aus heutiger Sicht für Diskussionsstoff.
Trotzdem besitzt der Film einen unverwechselbaren Charme. Die Chemie zwischen Wayne und O’Hara, die bunte Inszenierung, die zahlreichen bekannten Charakterdarsteller und die völlig eskalierenden Raufereien machen ihn zu einem besonderen Klassiker der Westernkomödie.
Mein Urteil: Ein unterhaltsamer Westernklassiker mit einem glänzend aufgelegten John Wayne – laut, chaotisch, manchmal herrlich albern und heute zugleich interessant als Zeitdokument.
Bewertung: 8/10
🎬 Filmtipp
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Weiterführende Informationen
John Wayne | Classic Western | One Rancher Takes On an Entire Town | Full Movie
Directed by Andrew V. McLaglen, this colorful classic combines romance, family rivalry, fistfights, and unforgettable slapstick chaos. With Patrick Wayne, Stefanie Powers, and Yvonne De Carlo completing the cast, it is a spirited choice for fans of humorous John Wayne Westerns.
Name: McLintock! (1963)
Director: Andrew V. McLaglen
Cast: John Wayne, Maureen O’Hara, Patrick Wayne, Stefanie Powers, Jack Kruschen, Chill Wills, Yvonne De Carlo
Genres: Western Comedy, Classic Western
Production Company: Batjac Productions
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