Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe (1969): Humor, Goldrausch und ein Sheriff wider Willen
Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe (Support Your Local Sheriff!) gehört zu den charmantesten Westernkomödien der 1960er-Jahre. James Garner spielt den cleveren Abenteurer Jason McCullough, der eigentlich nur auf der Durchreise ist und plötzlich als Sheriff in einer von einem skrupellosen Clan beherrschten Goldgräberstadt landet. Mit trockenem Humor, absurden Situationen und einer gehörigen Portion Western-Action nimmt Regisseur Burt Kennedy die klassischen Genremuster augenzwinkernd aufs Korn.
Originaltitel: Support Your Local Sheriff!
Deutscher Titel: Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe
Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1969
Genre: Westernkomödie
Regie: Burt Kennedy
Drehbuch: William Bowers
IMDb: 7,4/10
James Garner als cleverer Sheriff Jason McCullough in der Westernkomödie „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“.
Handlung
Jason McCullough ist eigentlich nur auf der Durchreise. Sein Ziel heißt Australien, doch als er von einem lukrativen Goldfund in der kleinen Goldgräberstadt Calendar erfährt, beschließt er, seinen Aufenthalt kurzfristig zu verlängern. Schließlich lässt sich mit Gold die Weiterreise nach Australien finanzieren.
Kaum in Calendar angekommen, wird Jason Zeuge eines Duells, bei dem nicht gerade nach den Regeln gespielt wird. Der Gewinner ist Joe Danby, ein Mitglied des gefürchteten Danby-Clans. Die Familie kassiert Schutzgelder von den Minenbesitzern und hat die Stadt fest im Griff. Jason kommentiert den Vorfall trocken und macht Joe sogar darauf aufmerksam, dass er gerade einen Mord begangen hat.
Doch Jason hat bald ein eigenes Problem: Das Geld geht ihm aus. Da die Preise in Calendar offenbar schneller steigen als sein Reisebudget, sucht er nach einer Möglichkeit, etwas zu verdienen. Am Aushang entdeckt er die freie Stelle des Sheriffs und bewirbt sich kurzerhand bei Bürgermeister Olly Perkins.
Jason überzeugt den Bürgermeister mit seiner außergewöhnlichen Schießkunst und erhält den Posten. Neben einem stattlichen Monatsgehalt gehören sogar Kost und Logis zum Angebot. Seine wichtigste Bedingung: Er möchte neben seiner Arbeit als Sheriff weiterhin nach Gold suchen dürfen.
Seine erste Amtshandlung lässt nicht lange auf sich warten. Jason schlichtet eine Schlägerei und findet dabei in dem etwas einfältigen Jake einen ungewöhnlichen Helfer. Er macht ihn kurzerhand zu seinem Hilfssheriff.
Gemeinsam nehmen die beiden Joe Danby fest. Das Problem: Das Gefängnis von Calendar besitzt noch nicht einmal richtige Gitter. Doch Jason weiß sich zu helfen und verhindert mit einem raffinierten Trick, dass sein Gefangener einfach davonspaziert.
Für den Danby-Clan ist damit eine rote Linie überschritten. Familienoberhaupt Papi Danby setzt alles daran, seinen Sohn zu befreien. Killer werden angeheuert, Fluchtversuche organisiert und schließlich die gesamte Familie mobilisiert. Doch Jason lässt sich weder einschüchtern noch aus der Ruhe bringen.
Während der neue Sheriff für Ordnung sorgt, weiterhin nach Gold gräbt und die Danbys zunehmend zur Verzweiflung bringt, entwickelt sich zwischen ihm und Prudence „Prudy“ Perkins, der Tochter des Bürgermeisters, eine zarte Liebesgeschichte.
Am Ende muss Jason nicht nur beweisen, dass er mit einer ganzen Verbrecherfamilie fertigwerden kann. Er entdeckt auch, dass es durchaus Gründe geben könnte, seine geplante Reise nach Australien noch ein wenig aufzuschieben.
Ein Sheriff mit ungewöhnlichen Methoden
Jason McCullough ist kein typischer Westernheld. Er sucht keinen Ärger, hat keine Lust auf große Heldentaten und möchte eigentlich nur genug Geld verdienen, um seine Reise fortsetzen zu können. Gerade diese Haltung macht ihn so sympathisch.
Statt jede Auseinandersetzung sofort mit dem Revolver zu lösen, setzt Jason auf Köpfchen, Tricks und eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Selbst das fehlende Gitter im Gefängnis wird für ihn nicht zum Problem. Er findet eine Lösung, die perfekt zu seinem pragmatischen Charakter passt.
James Garner spielt diese Mischung aus Coolness, trockenem Humor und leichter Überheblichkeit mit sichtlichem Vergnügen. Jason wirkt dabei nie wie ein unbesiegbarer Superheld, sondern wie ein Mann, der einfach immer einen Schritt weiterdenkt als seine Gegner.
James Garner und Jack Elam: Ein ungewöhnliches Sheriff-Team
Eine der größten Stärken des Films ist das Zusammenspiel von James Garner und Jack Elam. Während Garner den souveränen und cleveren Jason McCullough verkörpert, sorgt Elam als Hilfssheriff Jake für den notwendigen Kontrast.
Jake ist nicht gerade der intelligenteste Bewohner von Calendar, entwickelt sich aber zu einem loyalen und überraschend nützlichen Partner. Ausgerechnet dieses ungleiche Duo stellt sich schließlich dem mächtigen Danby-Clan entgegen.
Die Komik entsteht dabei weniger durch übertriebene Slapstick-Einlagen als durch trockene Dialoge, absurde Situationen und die Reaktionen der Figuren auf das Chaos um sie herum.
Der Danby-Clan sorgt für Ärger
Als Gegenspieler dient die Familie Danby. Angeführt von Walter Brennan als Papi Danby, versucht der Clan mit Gewalt und Einschüchterung seine Macht über Calendar zu bewahren.
Dabei nimmt der Film die typische Western-Dramaturgie bewusst nicht ganz ernst. Die Danbys wirken zwar gefährlich, gleichzeitig sind ihre Aktionen immer wieder so überzogen, dass aus der Bedrohung eine komische Situation entsteht.
Genau darin liegt der besondere Reiz des Films: Die klassischen Rollen des Westerns bleiben erhalten, werden aber ständig mit trockenem Humor gebrochen.
Romantik und Goldrausch
Neben Sheriff und Danby-Clan spielt auch die Liebesgeschichte zwischen Jason und Prudy Perkins eine wichtige Rolle. Prudy ist die Tochter des Bürgermeisters und bringt eine romantische Komponente in die ansonsten von Schießereien, Goldsuche und Familienkonflikten bestimmte Handlung.
Jason wollte eigentlich nur schnell zu Geld kommen und anschließend nach Australien weiterreisen. Doch Prudy und das Leben in Calendar sorgen dafür, dass seine Reisepläne zunehmend ins Wanken geraten.
Die Romanze bleibt dabei angenehm leicht und fügt sich gut in den humorvollen Grundton des Films ein.
Hintergrund und interessante Details
Regisseur Burt Kennedy war bereits zuvor eng mit dem Western-Genre verbunden und verstand es, klassische Westernmotive mit Humor zu verbinden. Bei Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe wird aus der vertrauten Geschichte vom einsamen Gesetzeshüter eine pointierte Komödie über einen Mann, der eigentlich gar kein Interesse daran hat, zum Helden zu werden.
Besonders schön ist, wie der Film immer wieder mit den Erwartungen des Publikums spielt. Ein Gefängnis ohne Gitter? Für Jason kein Problem. Ein gefährlicher Verbrecherclan? Ebenfalls kein Grund zur Panik. Und eine ganze Stadt voller Ganoven? Auch dafür findet der neue Sheriff eine Lösung.
Zu den charmanten Details gehört außerdem der Hinweis auf ein Harmonium, das Bürgermeister Olly Perkins stolz als Produkt aus Düsseldorf präsentiert. Solche kleinen Einfälle tragen wesentlich zum augenzwinkernden Charakter des Films bei.
Cast & Crew
- James Garner als Jason McCullough
- Joan Hackett als Prudy Perkins
- Walter Brennan als Papi Danby
- Jack Elam als Jake
- Bruce Dern als Joe Danby
- Harry Morgan als Bürgermeister Olly Perkins
- Henry Jones als Henry
- William B. Davidson als Stadtrat
Inszenierung und Stil
Burt Kennedy inszeniert den Film bewusst leichtfüßig. Die Kulissen, Kostüme und Schauplätze entsprechen dem klassischen Western, doch die Figuren und Dialoge unterlaufen ständig die Erwartungen.
Statt düsterer Dramatik dominieren trockener Wortwitz, Situationskomik und ein sympathischer Blick auf die typischen Westernklischees. Besonders die Auseinandersetzungen zwischen Jason und dem Danby-Clan zeigen, wie geschickt der Film Spannung und Humor miteinander verbindet.
So entsteht keine reine Westernparodie, sondern eine liebevolle Komödie, die das Genre kennt und seine Regeln bewusst für komische Situationen nutzt.
Kritik
Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe lebt von seiner Leichtigkeit. Der Film versucht nicht, den Western neu zu erfinden, sondern nimmt bekannte Motive und erzählt sie mit einem Augenzwinkern.
James Garner ist dabei die ideale Besetzung. Er besitzt genau jene lässige Ausstrahlung, die Jason McCullough benötigt. Walter Brennan, Jack Elam und die übrigen Darsteller sorgen gleichzeitig dafür, dass auch die Nebenfiguren einen eigenen komödiantischen Charakter bekommen.
Die Mischung aus Westernkulisse, Goldrausch, Familienfehde, Schießereien und Liebesgeschichte funktioniert auch heute noch erstaunlich gut.
„Heiter, witzig, kurzweilig.“ – Lexikon des internationalen Films
„Der witzige, flott gespielte und bis in die Nebenrollen typensicher besetzte Western nimmt das Genre frech aufs Korn.“ – Heinzlmeier & Schulz
„Parodiert das Western-Genre auf sehr vergnügliche Weise.“ – Münchner Merkur
Mein Fazit
Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe ist ein wunderbar entspannter Westernspaß, der seine Figuren und das Genre mit viel Sympathie auf die Schippe nimmt.
James Garner spielt Jason McCullough mit genau der richtigen Mischung aus Coolness, Humor und Selbstironie. Besonders das Zusammenspiel mit Jack Elams trotteligem, aber loyalem Hilfssheriff Jake gehört zu den Höhepunkten des Films.
Dazu kommen eine charmante Liebesgeschichte, der durchgeknallte Danby-Clan und zahlreiche herrlich trockene Dialoge. Wer klassische Western mag, aber auch gerne über deren Klischees lacht, liegt mit diesem Film genau richtig.
Mein Urteil: Eine charmante und äußerst unterhaltsame Westernkomödie mit einem großartigen James Garner – trocken, clever, kurzweilig und bis heute sehenswert.
🎬 Film-Tipp: McLintock! (1963)
Wenn dir Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe gefällt, solltest du dir auch McLintock! ansehen. Die Westernkomödie von Andrew V. McLaglen gehört zu den humorvollsten Filmen aus der Karriere von John Wayne. Statt des unnahbaren Westernhelden zeigt Wayne hier einen trinkfesten, temperamentvollen und gutmütigen Viehbaron, der vor allem mit seiner eigenen Familie zu kämpfen hat.
George Washington McLintock ist Viehbaron, Großgrundbesitzer und der wohlhabendste Mann der Gegend. Eigentlich könnte er sein Leben als Junggeselle genießen – doch die Rückkehr seiner entfremdeten Ehefrau Katherine macht damit Schluss.
Katherine hat George vor zwei Jahren verlassen und kehrt nun aus dem Osten zurück. Sie will die Scheidung und das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Becky, die nach ihrem Studium ebenfalls auf die Ranch zurückkehrt.
Damit beginnt ein turbulenter Ehekrieg voller Eifersucht, Wortgefechte und wilder Raufereien. Nebenbei bekommt es McLintock mit Siedlern, Ranchern und weiteren Problemen zu tun. Die Mischung aus Western, Familienkomödie und Slapstick macht den Film zu einem perfekten Tipp für alle, die klassische Western gerne mit einer ordentlichen Portion Humor sehen.
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Weiterführende Informationen
👉 IMDb – Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe