Die Macht und ihr Preis (1976) – Francesco Rosis beklemmender Politthriller
Die Macht und ihr Preis (Alternativtitel: Die Macht hat ihren Preis; Originaltitel: Cadaveri eccellenti) ist ein italienisch-französischer Thriller aus dem Jahr 1976. Regie führte Francesco Rosi, der das Drehbuch gemeinsam mit Tonino Guerra und Lino Iannuzzi nach dem Roman Il contesto (deutsch: Tote Richter reden nicht) von Leonardo Sciascia schrieb.
Der Film beginnt als Kriminalgeschichte: Inspektor Amerigo Rogas untersucht eine Serie von Morden an hohen Justizbeamten. Doch bald führen die Spuren in die höchsten politischen Kreise. Aus der Suche nach einem Täter wird eine düstere Untersuchung darüber, wie Macht, Justiz und staatliche Interessen ineinandergreifen.

🎬 Steckbrief: Die Macht und ihr Preis
| Deutscher Titel | Die Macht und ihr Preis |
|---|---|
| Alternativtitel | Die Macht hat ihren Preis |
| Originaltitel | Cadaveri eccellenti |
| Erscheinungsjahr | 1976 |
| Produktionsländer | Italien, Frankreich |
| Genre | Politthriller, Kriminalfilm |
| Regie | Francesco Rosi |
| Drehbuch | Francesco Rosi, Tonino Guerra und Lino Iannuzzi |
| Literarische Vorlage | Il contesto (Tote Richter reden nicht) von Leonardo Sciascia (1971) |
| Kamera | Pasqualino De Santis |
| Musik | Piero Piccioni |
| Hauptdarsteller | Lino Ventura, Tino Carraro, Marcel Bozzuffi, Alain Cuny, Max von Sydow, Charles Vanel |
| Uraufführung | 13. Februar 1976 in Rom |
📖 Die Macht und ihr Preis (1976): Handlung
Die ersten Spuren
In einer italienischen Stadt wird ein Staatsanwalt ermordet. Inspektor Amerigo Rogas übernimmt die Ermittlungen. Bald geschehen weitere Morde an hohen Justizbeamten in anderen Städten. Rogas findet heraus, dass die Opfer einst an der Verurteilung eines Apothekers beteiligt waren. Dieser war wegen eines angeblichen Giftmordversuchs an seiner Frau zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Nach seiner Entlassung scheint er sich an den Richtern zu rächen.
Rogas vermutet, dass auch die beiden Beisitzer des damaligen Gerichts auf der Liste des Mörders stehen. Während seiner Ermittlungen kommen ihm jedoch Zweifel: Der Apotheker könnte zwar die ersten Taten begangen haben, doch anschließend scheint eine unbekannte Gruppe die Mordserie als Deckmantel für weitere Anschläge auf unliebsame Richter zu nutzen.
Eine Verschwörung im Staatsapparat
Rogas’ Nachforschungen führen ihn auf die Spur eines geplanten Staatsstreichs. Er verabredet sich heimlich mit dem Ersten Sekretär der kommunistischen Partei, um ihn zu warnen. Als Rogas erkennt, dass ihn Profis beschatten, trägt er stets seine Pistole bei sich.
Das geheime Treffen endet tödlich: Rogas und der Parteisekretär kommen ums Leben. Im Fernsehen wird anschließend auf Anordnung des Innenministers eine offizielle Version verbreitet. Demnach habe Rogas zuerst den Sekretär erschossen und danach Selbstmord begangen. Die staatliche Erklärung schließt den Fall scheinbar ab und lässt die Wahrheit im Dunkeln.
🕵️ Die Macht und ihr Preis: Vom Kriminalfall zur politischen Parabel
Die Macht und ihr Preis nutzt die vertraute Ausgangslage eines Krimis, um nach und nach eine viel größere Frage zu stellen: Was geschieht, wenn die Institutionen, die für Recht und Aufklärung sorgen sollen, selbst Teil des Problems sind? Rogas verfolgt zunächst konkrete Spuren. Je näher er der Wahrheit kommt, desto weniger kann er sich auf die offiziellen Stellen verlassen.
Der Film erklärt seine Verschwörung nicht vollständig und bietet keine einfache Lösung. Diese Ungewissheit erzeugt eine beklemmende Wirkung: Hinter jeder Information könnte eine weitere Ebene verborgen sein. Der Zuschauer erlebt Rogas’ wachsende Isolation und teilt seine Zweifel daran, ob sich die Wahrheit gegen die Interessen der Mächtigen behaupten kann.
Der Originaltitel Cadaveri eccellenti verweist auf die prominenten Opfer der Mordserie. Zugleich lenkt er den Blick auf die politische Bedeutung der Toten und auf die Frage, wer von den Verbrechen profitiert.
🎥 Die Macht und ihr Preis: Inszenierung und Bildsprache
Francesco Rosi inszeniert den Film zurückhaltend. Statt auf schnelle Schnitte und spektakuläre Action setzt er auf lange Beobachtungen, präzise Schauplätze und eine Spannung, die sich langsam verdichtet. Bereits der Auftakt nimmt sich Zeit: Ein älterer Mann bewegt sich durch ein Totengewölbe und anschließend durch die Stadt, bevor ein Schuss die Szene beendet.
Auch die Tonspur trägt zur Atmosphäre bei. Straßenlärm überlagert stellenweise Gespräche; Musik kommt sparsam zum Einsatz. Wenn plötzlich ein Tango aus einer Schallplatte erklingt, fällt der Moment gerade deshalb auf. Die Stadt wirkt nicht wie eine neutrale Kulisse, sondern wie ein Ort, an dem Informationen verschwinden und Beobachtung allgegenwärtig ist.
Rosis präzise, beinahe dokumentarische Arbeitsweise brachte ihm den Ruf eines „Journalisten mit der Kamera“ ein. Für sein Lebenswerk wurde er 2008 bei der Berlinale mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet.
🎭 Die Macht und ihr Preis: Besetzung und Darsteller
| Lino Ventura | Inspektor Amerigo Rogas |
|---|---|
| Tino Carraro | Der Erste Sekretär |
| Marcel Bozzuffi | Mitglied der politischen und juristischen Machtkreise |
| Alain Cuny | Vertreter der Justiz |
| Max von Sydow | Präsident des Obersten Gerichtshofs |
| Charles Vanel | Der alte Mönch |
Lino Ventura trägt den Film als Inspektor Rogas. Seine zurückgenommene Darstellung macht den Ermittler glaubwürdig: Rogas ist kein unverwundbarer Actionheld, sondern ein pflichtbewusster Polizist, der trotz wachsender Angst nicht aufgibt.
🎬 Film-Credits
- Regie: Francesco Rosi
- Drehbuch: Francesco Rosi, Tonino Guerra und Lino Iannuzzi
- Vorlage: Leonardo Sciascia, Il contesto (1971)
- Produktion: Alberto Grimaldi
- Kamera: Pasqualino De Santis
- Musik: Piero Piccioni
- Jahr: 1976
🏆 Die Macht und ihr Preis: Auszeichnungen und Nominierungen
Die Macht und ihr Preis erhielt fünf Filmpreise und wurde für sechs weitere nominiert. Bei den David di Donatello 1976 wurden der Film als Bester Film und Francesco Rosi ausgezeichnet.
Der Film wurde außerdem bei internationalen Filmfestivals gezeigt, darunter 1976 beim New York Film Festival und beim Toronto International Film Festival.
📚 Die Macht und ihr Preis: Romanvorlage und Hintergrund
Der Film basiert auf Leonardo Sciascias Roman Il contesto aus dem Jahr 1971, der auf Deutsch unter dem Titel Tote Richter reden nicht erschien. Francesco Rosi entwickelte die Kinofassung gemeinsam mit Tonino Guerra und Lino Iannuzzi. Die Adaption überträgt Sciascias politische Parabel in einen Thriller, der seine Fragen nach Macht und Wahrheit bewusst offenhält.
Gedreht wurde in Rom, Neapel und auf Sizilien sowie in den Cinecittà-Studios in Rom. Für Rosi war es die sechste Zusammenarbeit mit Kameramann Pasqualino De Santis seit 1965. 2021 erschien bei CG/Grimaldi eine restaurierte Fassung des Films in italienischer Sprache.
Veröffentlichung
Die Premiere fand am 13. Februar 1976 in Rom statt; ab dem 20. Februar lief der Film in italienischen Kinos. In Westdeutschland startete er am 28. Mai 1976, in der DDR am 17. Februar 1978.
📝 Die Macht und ihr Preis: Filmkritik und Bedeutung
Der österreichische Kurier schrieb, der Film beginne als Krimi und verdichte sich zunehmend zur beklemmenden Beschreibung eines politischen Zustands, ohne an Spannung zu verlieren. Besonders hervorgehoben wurde Lino Ventura als einfacher Polizeiinspektor, der trotz wachsender Angst den Spuren einer Verschwörung folgt.
Die Zeitschrift prisma bezeichnete den Film als packenden, hintergründigen Politthriller und lobte Venturas differenzierte Darstellerleistung. Auch in späteren Rückblicken werden Rosis ruhige Inszenierung, die dichte Atmosphäre und die kompromisslose Gesellschaftskritik betont.
Der Film verlangt Aufmerksamkeit und Geduld. Seine politischen Zusammenhänge werden nicht als übersichtliches Rätsel aufgelöst, und manche Gespräche gehen im Straßenlärm unter. Gerade diese formalen Entscheidungen vermitteln jedoch die Unsicherheit eines Ermittlers, der sich durch ein undurchsichtiges Machtgefüge bewegt. Wer einen geradlinigen Actionkrimi erwartet, könnte den Film als spröde empfinden; wer politisches Kino schätzt, findet darin einen eindringlichen Klassiker.
⭐ Mein Fazit zu Die Macht und ihr Preis (1976)
Die Macht und ihr Preis ist ein gut gemachter und intelligenter Politthriller, der Korruption und die Verflechtung von Justiz und Politik anprangert. Francesco Rosi erzählt mit großer Ruhe und lässt die Bedrohung gerade dadurch immer stärker spürbar werden. Lino Ventura überzeugt als unbeirrbarer Inspektor, dessen Entschlossenheit nicht in Pathos, sondern in seiner stillen Beharrlichkeit liegt.
Besonders stark finde ich den Übergang vom scheinbar klassischen Kriminalfall zur düsteren politischen Parabel. Der Film gibt keine bequemen Antworten und bleibt auch nach dem Ende verstörend aktuell. Er ist kein Film für nebenbei, aber eine Empfehlung für alle, die spannendes und gesellschaftskritisches Kino mögen.
Ein atmosphärisch dichter Politthriller und eine eindringliche Abrechnung mit politischer Korruption. Die ruhige Inszenierung, Lino Venturas zurückhaltendes Spiel und das beklemmende Ende machen Die Macht und ihr Preis zu einem sehenswerten Klassiker des europäischen Kinos der 1970er-Jahre.
🎬 Filmtipp:
Das Komplott – Verrat auf höchster Ebene: La Cordillera
Wenn euch Die Macht und ihr Preis gefallen hat, könnte euch auch Das Komplott – Verrat auf höchster Ebene interessieren. Der Film ist unter seinem Originaltitel La cordillera und international als The Summit bekannt.
La cordillera ist ein Politthriller aus dem Jahr 2017. Regie führte Santiago Mitre, der das Drehbuch gemeinsam mit Mariano Llinás schrieb. Im Mittelpunkt steht Hernán Blanco, der neu gewählte Präsident Argentiniens. Während eines Gipfeltreffens lateinamerikanischer Staatschefs in einem chilenischen Skigebiet muss er sich mit strategischen Fragen der Energiepolitik und einer persönlichen Krise auseinandersetzen, die seine Familie und seinen politischen Ruf bedroht.
Wie Rosis Film verknüpft La cordillera persönliche Konflikte mit politischen Interessen. Der abgeschiedene Gipfelort wird zum Schauplatz von Verhandlungen, Misstrauen und Machtkämpfen. Die Filme unterscheiden sich in ihrer Erzählweise, teilen aber den Blick auf die menschlichen und politischen Abgründe hinter den Kulissen der Macht.
👉 Hier geht’s zum Film:
🔗 Weiterführende Links und Quellen
Die folgenden Seiten bieten ergänzende Informationen zu Handlung, Besetzung, Filmkritiken, Produktion und Rezeption. Angaben zu einzelnen Fassungen und Nutzerbewertungen können je nach Quelle variieren.
- FilmBooster – Die Macht und ihr Preis
- Wikipedia – Die Macht und ihr Preis (1976)
- IMDb – Cadaveri eccellenti
- Filmstarts – Die Macht und ihr Preis
- Italo-Cinema – Die Macht und ihr Preis
- Film-Rezensionen.de – Die Macht und ihr Preis
- Cinema – Die Macht und ihr Preis
- TV Spielfilm – Die Macht und ihr Preis
- Moviepilot – Die Macht und ihr Preis
- Filmdienst – Die Macht und ihr Preis
- Christoph Hartung – Besprechung des Films
- OFDb – Rezension zu Die Macht und ihr Preis
- ARTE – Die Macht und ihr Preis
ℹ️ Redaktioneller Hinweis
Die Handlung und die Kritiken sind redaktionell zusammengefasst. Vor der Veröffentlichung sollten die Angaben zu Besetzung, Auszeichnungen und Produktionsdaten anhand der verlinkten Quellen geprüft werden. Bitte stelle außerdem sicher, dass für das Titelbild die erforderlichen Nutzungsrechte vorliegen.