Originaltitel: The Way We Were
Deutscher Erstaufführungstitel: Cherie Bitter
DDR-Titel: Jene Jahre in Hollywood
Regie: Sydney Pollack
Drehbuch: Arthur Laurents
Produzent: Ray Stark
Musik: Marvin Hamlisch
Hauptdarsteller: Barbra Streisand, Robert Redford, Bradford Dillman
Genre: Liebesfilm / Melodram / Politisches Drama
Jahr: 1973
Laufzeit: ca. 118 Minuten
Einordnung: Liebesfilm-Klassiker · Hollywood-Kino der 1970er · Musikfilm mit ikonischem Filmsong
So wie wir waren (1973) – Barbra Streisand und Robert Redford.
Ein Film über Liebe, Politik und verpasste Chancen
So wie wir waren (The Way We Were) gehört zu den großen romantischen Hollywoodfilmen der 1970er Jahre. Sydney Pollacks Film erzählt die leidenschaftliche, aber letztlich zum Scheitern verurteilte Beziehung zwischen der politisch engagierten Katie Morosky und dem Schriftsteller Hubbell Gardiner.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur eine Liebesgeschichte. Der Film verbindet die private Beziehung der beiden mit den politischen und gesellschaftlichen Spannungen der amerikanischen Geschichte: der Weltwirtschaftskrise und den politischen Auseinandersetzungen der 1930er Jahre, dem Zweiten Weltkrieg, dem Hollywood der Nachkriegszeit und schließlich der McCarthy-Ära mit ihren antikommunistischen Kampagnen und der schwarzen Liste.
Gerade dieser Gegensatz macht die Beziehung von Katie und Hubbell so tragisch: Sie lieben einander, teilen eine Leidenschaft für das Schreiben und fühlen sich stark zueinander hingezogen – gleichzeitig unterscheiden sie sich grundlegend darin, wie sie mit gesellschaftlichen Konflikten, politischem Druck und persönlichen Kompromissen umgehen.
Handlung
Katie Morosky und Hubbell Gardiner lernen sich Mitte der 1930er Jahre während ihrer Studienzeit kennen. Katie ist eine jüdische, politisch engagierte Studentin und überzeugte Marxistin, die sich für Frieden und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Hubbell stammt dagegen aus wohlhabenden Verhältnissen und gehört zu einer gesellschaftlich privilegierten Schicht. Während Katie ihre politische Überzeugung offen vertritt, begegnet Hubbell den großen gesellschaftlichen Fragen deutlich zurückhaltender.
Trotz ihrer Gegensätze verbindet die beiden eine gemeinsame Leidenschaft: das Schreiben. Katie erkennt früh Hubbells außergewöhnliches literarisches Talent und ist überzeugt, dass ihm eine große Zukunft bevorsteht. Hubbell wiederum fühlt sich von Katies leidenschaftlicher Persönlichkeit angezogen, auch wenn er ihre politischen Überzeugungen nicht teilt.
Während des Zweiten Weltkriegs begegnen sie sich in New York wieder. Katie arbeitet inzwischen beim Radio, während Hubbell als Marineoffizier nach seinem Einsatz zurückgekehrt ist. Aus der früheren Bekanntschaft entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Für einen Moment scheinen die Unterschiede zwischen ihnen keine Rolle mehr zu spielen.
Nach dem Krieg ziehen Katie und Hubbell nach Hollywood. Hubbell erhält die Chance, als Drehbuchautor zu arbeiten, und genießt bald das glamouröse Leben der Filmindustrie. Katie empfindet Hollywood dagegen zunehmend als eine Welt, in der Hubbells literarisches Talent kommerziellen Interessen geopfert wird.
Mit dem Beginn der McCarthy-Ära verschärfen sich die Konflikte. Katies politische Vergangenheit und ihre kompromisslose Haltung bringen sie und Hubbell zunehmend in Schwierigkeiten. Während Katie nicht bereit ist, ihre Überzeugungen zu verleugnen, versucht Hubbell, sich den gesellschaftlichen und beruflichen Umständen anzupassen.
Die politischen Gegensätze wirken schließlich auch auf die Ehe zurück. Katie wird schwanger, doch Hubbell beginnt während der Schwangerschaft eine Affäre mit seiner früheren Bekannten Carol Ann. Die Beziehung zerbricht endgültig. Ihre gemeinsame Tochter Rachel bleibt als dauerhafte Verbindung zwischen den beiden zurück.
Viele Jahre später treffen Katie und Hubbell sich zufällig vor dem Plaza Hotel in New York wieder. Beide haben inzwischen ein neues Leben begonnen. Hubbell arbeitet weiterhin als Drehbuchautor, während Katie politisch aktiv geblieben ist und sich weiterhin für ihre Überzeugungen einsetzt.
Für einen kurzen Augenblick scheint die alte Vertrautheit wieder da zu sein. Doch beide wissen, dass die Vergangenheit nicht zurückgeholt werden kann. Sie verabschieden sich und gehen wieder getrennte Wege – eine der bittersüßesten Schlussszenen des klassischen Hollywoodkinos.
Die Figuren
Katie Morosky
Katie ist eine der ungewöhnlichsten romantischen Heldinnen des damaligen Hollywoodkinos. Sie ist intelligent, politisch leidenschaftlich und kompromisslos. Ihre jüdische Herkunft und ihre politische Überzeugung prägen ihr Selbstverständnis ebenso wie ihr starkes Bedürfnis nach gesellschaftlicher Gerechtigkeit.
Barbra Streisand spielt Katie nicht als klassische, glamouröse Hollywoodheldin, sondern als widersprüchliche und emotional sehr direkte Frau. Ihre politische Überzeugung ist für sie kein Nebenaspekt ihres Lebens, sondern Teil ihrer Identität.
Hubbell Gardiner
Hubbell ist Katies Gegenpol. Er ist charmant, attraktiv und literarisch begabt, stammt aber aus einer privilegierten Familie und versucht Konflikten möglichst aus dem Weg zu gehen. Seine größte Schwäche ist zugleich seine Stärke: Er kann sich an unterschiedliche gesellschaftliche Situationen anpassen.
Robert Redford verkörpert Hubbell als zurückhaltenden, charismatischen Mann, dessen Unfähigkeit zu klaren Entscheidungen letztlich einen wesentlichen Anteil am Scheitern der Beziehung hat.
Hintergrund und Entstehung
Das Drehbuch stammt von Arthur Laurents. Der Autor verarbeitete darin eigene Erfahrungen aus seiner Studienzeit, aus seiner Arbeit in Hollywood und aus der politischen Atmosphäre der McCarthy-Ära. Laurents kannte die Auseinandersetzungen um den Einfluss des Antikommunismus in Hollywood aus eigener Erfahrung.
Barbra Streisands Produzent Ray Stark brachte das Projekt auf den Weg und wollte einen dramatischen Film entwickeln, der Streisand eine starke Hauptrolle bieten sollte. Laurents schrieb die Geschichte zunächst für Streisand und entwickelte daraus sowohl das Drehbuch als auch einen Roman.
Bei der Besetzung der männlichen Hauptrolle war zunächst Ryan O’Neal im Gespräch. Letztlich fiel die Entscheidung jedoch auf Robert Redford. Redford war anfangs nicht ohne Vorbehalte gegenüber der Rolle, wurde aber schließlich von Sydney Pollack für das Projekt gewonnen.
Pollack und Redford waren an mehreren Überarbeitungen des Drehbuchs beteiligt. Im Verlauf der Produktion wurden zahlreiche weitere Autoren hinzugezogen, darunter Dalton Trumbo und Francis Ford Coppola. Da die vielen Umarbeitungen zu Problemen mit der Handlung und den Figuren führten, wurde Arthur Laurents schließlich wieder hinzugeholt, um das Drehbuch zu überarbeiten und die entstandenen Brüche zu reparieren.
Die McCarthy-Ära als Hintergrund
Die politischen Ereignisse sind für das Verständnis des Films besonders wichtig. Hollywood befand sich in den späten 1940er und 1950er Jahren unter starkem antikommunistischem Druck. Menschen aus der Filmindustrie konnten aufgrund früherer politischer Aktivitäten, Kontakte oder Verdächtigungen beruflich ins Abseits geraten.
Der Film macht daraus keinen klassischen Politthriller. Vielmehr zeigt er, wie politische Überzeugungen in eine private Beziehung hineinwirken. Katie weigert sich, ihre Haltung zu verleugnen, während Hubbell erkennt, dass offene politische Konfrontation seine berufliche Zukunft gefährden könnte.
Damit wird die McCarthy-Ära zum entscheidenden Prüfstein für ihre Beziehung: Katie fragt, wofür Hubbell bereit ist einzustehen, während Hubbell sich fragt, welchen Preis er für Katies kompromisslose Haltung bezahlen muss.
Geschnittene Szenen
Während der Postproduktion wurden mehrere Szenen entfernt oder gekürzt, insbesondere solche, die die politische Dimension des Films stärker hervorhoben. Sydney Pollack berichtete später, dass bei Testvorführungen mehrere politische Passagen gestrichen wurden, nachdem eine Vorführung beim Publikum nicht die gewünschte Wirkung erzielt hatte.
Arthur Laurents und Barbra Streisand waren mit einigen dieser Kürzungen ausgesprochen unzufrieden. Laurents sah insbesondere zwei entfernte Szenen als entscheidend für Katies Entwicklung und die Motivation für die spätere Trennung des Paares an.
Durch die Kürzungen wurde der Film stärker als persönliche Liebesgeschichte wahrgenommen, während ein Teil des politischen Hintergrunds in den fertigen Film nur noch angedeutet wird. Gerade deshalb sind die erhaltenen Informationen über die geschnittenen Szenen für die Interpretation des Films interessant.
Filmmusik
Die Musik stammt von Marvin Hamlisch und ist ein wesentlicher Bestandteil des Films. Besonders berühmt wurde das Titellied The Way We Were, komponiert von Marvin Hamlisch mit einem Text von Alan und Marilyn Bergman und gesungen von Barbra Streisand.
Der Song wurde zu einem der bekanntesten Filmsongs der amerikanischen Kinogeschichte. Das American Film Institute setzte The Way We Were 2004 auf Platz 8 seiner Liste AFI’s 100 Years…100 Songs.
Das Lied ist dabei weit mehr als ein klassischer Liebessong. Sein melancholischer Blick auf eine vergangene Beziehung greift das zentrale Thema des Films auf: die Erinnerung an eine große Liebe, die trotz aller Gefühle nicht wiederhergestellt werden kann.
Auch die instrumentale Filmmusik von Marvin Hamlisch wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Damit ist So wie wir waren zugleich ein herausragendes Beispiel für einen Liebesfilm, dessen musikalische Identität weit über den eigentlichen Film hinaus Bestand hatte.
Musical oder Musikfilm?
So wie wir waren ist kein Musical. Es handelt sich um ein Liebesdrama mit herausragender Filmmusik und einem ikonischen Titelsong. Für eine Rubrik wie „Musikfilme und Musicals – Klassiker, Kult und moderne“ eignet sich der Film daher vor allem als Musikfilm-Klassiker, nicht als klassisches Musical.
Auszeichnungen
- Oscar 1974 – Beste Filmmusik: Marvin Hamlisch – gewonnen
- Oscar 1974 – Bester Song: „The Way We Were“ – Marvin Hamlisch, Alan Bergman und Marilyn Bergman – gewonnen
- Oscar-Nominierung – Beste Hauptdarstellerin: Barbra Streisand
- Oscar-Nominierung – Beste Kamera: Harry Stradling Jr.
- Oscar-Nominierung – Bestes Szenenbild: Stephen Grimes und William Kiernan
- Oscar-Nominierung – Bestes Kostümdesign: Dorothy Jeakins und Moss Mabry
- Golden Globe – Bester Filmsong: „The Way We Were“ – gewonnen
- Golden Globe – Beste Hauptdarstellerin: Barbra Streisand – nominiert
- Grammy – Song of the Year: „The Way We Were“ – gewonnen
- Grammy – Best Score Soundtrack for Visual Media: The Way We Were – gewonnen
Warum der Film bis heute funktioniert
Die besondere Stärke von So wie wir waren liegt darin, dass der Film keine einfache Liebesgeschichte erzählt. Katie und Hubbell lieben einander, aber Liebe allein reicht nicht aus, um ihre unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben zu überwinden.
Katie möchte, dass Hubbell seine Möglichkeiten nutzt und für seine Überzeugungen einsteht. Hubbell möchte dagegen ein möglichst unbeschwertes Leben führen und Konflikten ausweichen. Beide haben dadurch jeweils eine verständliche Perspektive – und genau das macht ihre Trennung so schmerzhaft.
Hinzu kommt die Chemie zwischen Barbra Streisand und Robert Redford. Ihre Figuren könnten kaum unterschiedlicher sein, und gerade deshalb entsteht zwischen ihnen eine besondere Spannung.
Der Film lebt außerdem von seiner Atmosphäre: New York, das Hollywood der Nachkriegszeit, elegante Wohnungen, Restaurants, Bars und die politische Unruhe der McCarthy-Ära bilden den zeitgeschichtlichen Hintergrund für eine sehr persönliche Geschichte.
Film-Tipp
🎬 Tipp für Musikfilm-Fans: Wenn dir So wie wir waren gefällt und du weitere Filme suchst, in denen Musik, Romantik und große Gefühle eine wichtige Rolle spielen, lohnt sich auch ein Blick auf Die fabelhaften Baker Boys (1989).
Der atmosphärische Musikfilm mit Michelle Pfeiffer, Jeff Bridges und Beau Bridges erzählt von einem Klavierduo, dessen Leben durch die charismatische Sängerin Susie Diamond gründlich verändert wird. Jazz, romantische Spannungen und die schwierige Beziehung zwischen den beiden Brüdern machen den Film zu einem besonderen Klassiker des Musikkinos.
Während So wie wir waren vor allem von der großen, aber verlorenen Liebe zwischen Katie und Hubbell lebt, stehen bei Die fabelhaften Baker Boys Musik, Bühnenleben und die Suche nach einem neuen Lebensweg stärker im Mittelpunkt.
Kritiken und Rezeption
So wie wir waren wurde vor allem für die Chemie zwischen Barbra Streisand und Robert Redford, die emotionale Wirkung und die elegante Inszenierung gelobt. Der Film verbindet klassische Hollywood-Romantik mit einem historischen und politischen Hintergrund und entwickelte sich langfristig zu einem Klassiker des romantischen Kinos.
Auch das Bild der beiden Hauptfiguren blieb besonders nachhaltig: Katie steht für politische Überzeugung und kompromisslose Haltung, Hubbell für Anpassungsfähigkeit und den Wunsch nach einem komfortablen Leben. Ihre Beziehung wird dadurch zu einem Konflikt zwischen Liebe und Lebensentwurf.
Mein Fazit
So wie wir waren ist ein bittersüßer Hollywood-Klassiker über eine Liebe, die an unterschiedlichen Wertvorstellungen und Lebensentwürfen zerbricht. Barbra Streisand und Robert Redford verleihen ihren Figuren eine außergewöhnliche Präsenz und machen die Beziehung gleichzeitig romantisch, glaubwürdig und schmerzhaft.
Besonders sehenswert ist der Film für alle, die große Hollywood-Liebesgeschichten mit historischem Hintergrund mögen. Die politische Dimension der McCarthy-Ära gibt der Handlung zusätzliche Tiefe, während Marvin Hamlischs Musik und der Oscar-prämierte Titelsong dem Film seine unverwechselbare emotionale Signatur verleihen.
Fazit: Ein großer Liebesfilm, ein Stück klassisches Hollywood und zugleich ein bemerkenswertes Zeitbild. Wer Filme über verlorene Liebe, unterschiedliche Lebensentwürfe und die Macht der Erinnerung mag, sollte So wie wir waren unbedingt kennen.
Weiterführende Quellen