KAULE (1967) – Eine Dorfkindheit in den 60er-Jahren in der DDR
Land: DDR • Jahr: 1967 • Produktion: DEFA
Thema: Aufwachsen auf dem Land, erste Verliebtheit und die kleinen Katastrophen des Alltags – erzählt aus der Sicht eines Jungen.
Eine Dorfkindheit in den 60er-Jahren
KAULE gehört zu den Kinderfilmen der DEFA, die mit ruhigem Blick und viel Sympathie für ihre jungen Figuren vom Alltag in der DDR erzählen. Kein Abenteuer im großen Sinne, sondern die kleinen, aber für Kinder riesengroßen Ereignisse: Freundschaft, erste Liebe, Missverständnisse mit Erwachsenen – und das Gefühl, irgendwie immer ein bisschen anzuecken.
Der Film fängt die Atmosphäre eines Dorfes in den 60er-Jahren ein: Feldwege, Ställe, Nachbarschaftstratsch, Arbeit und Freizeit fließen ineinander. Für Kinder wie Kaule ist das Dorf die ganze Welt – überschaubar, aber emotional riesig.
Handlung in Kürze

Im kleinen Dorf Hinrichsfelde lebt der elfjährige Kaule, ein aufgeweckter Junge mit großem Unternehmungsgeist. Doch irgendwie schafft er es immer, dass seine gut gemeinten Aktionen den anderen nicht zur Freude geraten. Was als harmloser Einfall beginnt, endet oft in Ärger, Kopfschütteln oder Strafen – typisch Kind, typisch Kaule.
Die Komplikationen mehren sich, als der neue Zootechniker Hollnagel mit seiner Tochter Karola ins Dorf kommt. Karola ist das schönste Mädchen, das Kaule je gesehen hat, und sie ist so alt wie er. Natürlich möchte er ihr gefallen – und macht wieder alles falsch.
In seiner Verzweiflung erweist sich ausgerechnet ihr Vater als verständnisvoller Zuhörer. Kaule kann ihm sein Herz ausschütten, was seinen Kummer lindert und ihm zeigt, dass Erwachsene nicht nur strafen, sondern auch verstehen können.
DEFA-Kinderfilm mit pädagogischem Kern
Viele Kinderfilme der DEFA waren mehr als bloße Unterhaltung: Sie wollten Kinder ernst nehmen, ihnen Figuren geben, in denen sie sich wiederfinden, und gleichzeitig Werte vermitteln – ohne erhobenen Zeigefinger, eher durch Situationen und Beziehungen.
KAULE ist ein gutes Beispiel dafür: Der Film zeigt einen Jungen, der nicht böse, sondern impulsiv und voller Ideen ist. Seine Fehler entstehen aus Übermut, Unsicherheit und dem Wunsch, gemocht zu werden. Pädagogisch interessant ist, dass der Film nicht nur Kaule „zurechtbiegt“, sondern auch die Erwachsenen in die Verantwortung nimmt: Verständnis, Zuhören und ehrliche Gespräche sind hier der Schlüssel.
So entsteht ein Kinderfilm, der weder verklärt noch moralinsauer wirkt, sondern lebensnah: Kinder dürfen scheitern, sich schämen, wieder aufstehen – und erleben, dass sie ernst genommen werden.
Fazit eines Filmfans
Aus heutiger Sicht ist KAULE auch ein kleines Zeitdokument: eine DDR-Dorfwelt, in der vieles einfacher wirkt, aber emotional genauso kompliziert ist wie jede Kindheit. Wer mit DEFA-Filmen aufgewachsen ist oder sich für Kinderfilme jenseits des Mainstreams interessiert, findet hier ein stilles, ehrliches Stück Kino.
Für mich funktioniert der Film vor allem dann, wenn man ihn als das sieht, was er ist: eine sensible Momentaufnahme aus der Perspektive eines Jungen, der seinen Platz sucht. Kein lauter, bunter Kinderfilm, sondern ein leiser, nachwirkender – mit einem klaren pädagogischen Kern, wie ihn viele DEFA-Produktionen hatten.
KAULE zeigt, dass Kinderfilme nicht nur „lieb“ sein müssen, sondern auch von Unsicherheit, Scham, Verliebtheit und innerem Chaos erzählen dürfen. Genau das macht ihn als Beispiel für DEFA-Kinderfilme so sehenswert.
Film ansehen
Kaule - Familienfilm - DEFA (ganzer Film auf Deutsch)
Unsere Filme gefallen euch? Dann werdet gerne kostenfrei Abonnent und verpasst keinen neuen Film mehr: https://www.youtube.com/channel/UCSKbHQcEk-42lL--03lbbIw?sub_confirmation=1
Mit freundlicher Unterstützung der DEFA-Stiftung
#DDRFilm #DDRKinofilm #DEFA #DEFAFilmweltMehr anzeigen