Die goldene Gans (1964)
Regie: Siegfried Hartmann
Produktion: DEFA-Studios, DDR
Laufzeit: ca. 63–67 Minuten
Vorlage: Grimm’sches Märchen „Die goldene Gans“
IMDb-Bewertung: 6,4/10
Ein DEFA-Märchenfilm von 1664
Siegfried Hartmann inszenierte 1964 den DEFA-Märchenfilm „Die goldene Gans“. Die in der DDR produzierte Verfilmung basiert auf der gleichnamigen Erzählung der Brüder Grimm.
Handlung
Der Schusterjunge Klaus lebt mit seinen Brüdern Kunz und Franz in einer kleinen Schusterwerkstatt, die sie vom verstorbenen Vater geerbt haben. Während die faulen Brüder sich vor der Arbeit drücken, muss Klaus – von ihnen spöttisch „Dummling“ genannt – die ganze Arbeit allein verrichten.
Wie seine Brüder geht auch Klaus eines Tages in den Wald, um Holz zu fällen. Dort begegnet er einem alten Mütterchen, das ihn um etwas zu essen und zu trinken bittet. Im Gegensatz zu seinen Brüdern teilt Klaus bereitwillig seinen Kuchen und sein Getränk. Als Dank erhält er eine Gans, die ganz aus Gold ist – und eine besondere Eigenschaft besitzt: Jeder, der sie berührt, bleibt an ihr kleben.
Zuerst bleiben die Schwestern Lies und Gret an der Gans hängen, dann nach und nach weitere neugierige und gierige Menschen, sodass sich eine ganze Kette von Figuren bildet. Mit dieser „Menschen-Schlange“ macht sich Klaus auf zum Schloss, denn der König hat verkündet: Wer die Prinzessin, die ihr Lachen verloren hat, zum Lachen bringt, soll sie zur Frau bekommen.
Als Klaus mit der goldenen Gans und der an ihr klebenden Gesellschaft am Schloss erscheint, bricht die Prinzessin in herzliches Lachen aus. Doch der König will sein Versprechen nicht einlösen und stellt Klaus weitere Aufgaben. Mit Geschick und Mut meistert Klaus auch diese Prüfungen, bringt eine Truhe mit sieben Schlössern in den Thronsaal und vertreibt Prinz Störenfried und seine Spießgesellen. Schließlich erkennt der König Klaus’ Wert und stimmt der Hochzeit zu.
Produktionshintergrund
Die goldene Gans ist eine reine Studioinszenierung der DEFA in Babelsberg. Für Karin Ugowski, die hier die Prinzessin spielt, war es nach Frau Holle ihre zweite Filmrolle. Der Film kam 1964 in die Kinos der DDR und gehört zu den klassischen DEFA-Märchenfilmen, die mit viel Liebe zum Detail, sorgfältiger Ausstattung und professionellen Theaterschauspielerinnen und -schauspielern umgesetzt wurden.
Später erschien der Film auf DVD, und die Lieder wurden gemeinsam mit anderen DEFA-Märchenfilmmusiken unter dem Titel Märchenland – Musik aus den DEFA-Märchenfilmen veröffentlicht.
Kritik
Das Lexikon des internationalen Films beschreibt Die goldene Gans als „Märchenfilm, der das Grimmsche Märchen mitunter ins derb Situationskomische steigert“. Besonders hervorgehoben werden die einprägsamen, kindgemäßen Lieder und das muntere Spiel der Hauptdarsteller, die ein „weitgehend ungetrübtes Vergnügen“ garantieren.
Aus heutiger Sicht wirkt der Film für manche Sehgewohnheiten vielleicht etwas betulich und langsam, bleibt aber als liebevolle, farbenfrohe und handwerklich solide Grimm-Adaption ein Stück Filmgeschichte der DDR und ein typischer Vertreter der DEFA-Märchenfilme.
Persönliches Fazit
Für mich ist Die goldene Gans mehr als nur ein Märchenfilm – er ist ein Stück Kindheit. Die DEFA-Märchenfilme waren oft aufwendig produziert, mit sorgfältig gebauten Kulissen, liebevollen Kostümen und hervorragend ausgebildeten Theaterschauspielerinnen und -schauspielern. Auch bekannte Gesichter wie Manfred Krug tauchen in solchen Produktionen immer wieder auf und verstärken das Gefühl, in eine vertraute Filmwelt zurückzukehren.
Als Kind habe ich viele dieser Verfilmungen gesehen, und sie haben meine Vorstellung von Märchen nachhaltig geprägt: etwas langsamer erzählt, aber mit Herz, Moral und einem warmen, handgemachten Charme. Die goldene Gans steht für mich genau dafür – ein schöner Märchenfilm für Kinder, der zeigt, dass Güte, Hilfsbereitschaft und ein gutes Herz am Ende mehr zählen als Reichtum und Stand. Wer sich auf das gemächliche Tempo und die klassische Inszenierung einlässt, bekommt nicht nur ein Märchen, sondern auch ein kleines Zeitdokument der DEFA und ein Stück nostalgische Geborgenheit zurück.