Last Night (2010) – Vertrauen, Versuchung und die Grauzonen der Treue
Originaltitel: Last Night • Land: USA / Frankreich • Genre: Drama / Romanze • Regie: Massy Tadjedin • Erscheinungsjahr: 2010 • Produktion: Gaumont, Nick Wechsler Productions, Star Entertainment
Last Night ist ein feinfühliges französisch-US-amerikanisches Filmdrama von Massy Tadjedin aus dem Jahr 2010. Der Film wirft einen intimen und unaufgeregten Blick auf die Themen Eifersucht, Treue und die emotionalen Grauzonen einer langjährigen Beziehung. Ein ruhig erzähltes Drama, das vor allem durch seine namhafte Besetzung und psychologische Tiefe überzeugt.
Die Handlung

Joanna und Michael Reed sind seit drei Jahren glücklich verheiratet und führen ein stilvolles Leben in New York. Auf einer geschäftlichen Party wird Joanna jedoch erstmals von Eifersucht erfasst, als sie Michaels attraktive neue Kollegin Laura kennenlernt. Obwohl Michael die Sorgen seiner Frau zurückweist und beteuert, dass zwischen ihnen rein gar nichts sei, bleibt ein unwohles Gefühl zurück.
Am nächsten Tag verreist Michael gemeinsam mit Laura und seinem Kollegen Andy zu einem wichtigen Geschäftstermin nach Philadelphia. Während er unterwegs ist, begegnet Joanna in New York zufällig Alex, ihrem französischen Ex-Freund. Die beiden waren vor Jahren kurzzeitig liiert – genau in einer Phase, in der Joanna und Michael getrennt lebten. Michael weiß bis heute nichts von dieser früheren Beziehung.
Die alten Gefühle zwischen Joanna und Alex flammen sofort wieder auf. Trotz der intensiven emotionalen und körperlichen Anziehung widersteht Joanna der Versuchung, und die beiden verbringen die Nacht nicht miteinander. Am nächsten Morgen verlässt Alex die Stadt wieder.
Michael hingegen erliegt in Philadelphia der Faszination von Laura. Obwohl er seine Frau liebt, gibt er dem Moment nach. Geplagt von massiven Schuldgefühlen bricht er die Geschäftsreise am nächsten Morgen abrupt ab und kehrt vorzeitig nach Hause zurück.
In der gemeinsamen Wohnung findet er Joanna völlig aufgelöst vor. Ihre Schuhe liegen verstreut im Flur und sie trägt noch Reizwäsche – alles deutet darauf hin, dass auch sie am Vorabend aus war. Michael steht fassungslos vor ihr, während Joanna tief Luft holt, um ihm etwas zu sagen. In diesem spannungsgeladenen Moment endet der Film und überlässt das Schicksal der Ehe den Gedanken des Zuschauers.
Kritiken & Einordnung
Der Film wurde von der Kritik vor allem für seine unaufgeregte Inszenierung und das starke Ensemble gelobt. Andreas Scheiner von zeit-online.de betont: „‚Last Night‘ ist kein Revolutionary Road, keine Beziehungsauslotung mit sozialkritischem Überbau. Tadjedin stellt den Lifestyle ihres Musterehepaars nie zur Disposition; sie hat aus der einfachen Ausgangslage ein stimmiges romantisches Drama entwickelt, an das man sich auch am Morgen danach gerne erinnert.“
Das Magazin Critic.de lobt das Setting und die Darsteller, merkt jedoch auch die universelle Distanz an: „Zunächst aber bemüht sich Regiedebütantin Massy Tadjedin, mit Szenen der Alltäglichkeit die Protagonisten in ihr Milieu einzuschreiben. […] Die zweite Garde, Eva Mendes und Guillaume Canet, sind wohl die charismatischeren Darsteller […]. Sie sollen verführen, auch uns, über die eigenen Werte- und Liebesvorstellungen nachzudenken.“
Rainer Gansera von der Süddeutschen Zeitung hebt besonders das Gespür der Regisseurin für die weiblichen Hauptrollen hervor: „Die Männer sind charmant und liebenswert gezeichnet, meisterlich aber setzt Massy Tadjedin die Frauen in Szenes: Keira Knightleys romantische Fragilität, Eva Mendes’ fulminante Sinnlichkeit. Selten gelingt es, weibliche Attraktion derart funkenstiebend aufglühen zu lassen.“
Auch offiziell fand das Werk Anerkennung: Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) in Wiesbaden verlieh dem Beziehungsdrama das **Prädikat wertvoll**.
Besetzung
- Keira Knightley: Joanna Reed
- Sam Worthington: Michael Reed
- Eva Mendes: Laura
- Guillaume Canet: Alex
- Anson Mount: Andy
- Griffin Dunne: Truman
- Stephanie Romanov: Sandra
Mein Fazit
Last Night ist ein psychologisch feinfühliges und elegant inszeniertes Drama, das von der FBW völlig zurecht das Prädikat wertvoll erhalten hat. Statt auf laute Ehestreitigkeiten setzt der Film auf leise Zwischentöne, intensive Blicke und die unbequeme Frage, wo Untreue eigentlich beginnt – im Kopf oder im Bett? Getragen von einem hervorragenden Cast ist dieser Film ein echter Geheimtipp für Fans anspruchsvoller Beziehungsdramen.
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