Leben und Sterben in L.A. (1985): William Friedkins kompromissloser Actionthriller mit Willem Dafoe
Leben und Sterben in L.A. (Originaltitel: To Live and Die in L.A.) ist ein US-amerikanischer Actionthriller von Regisseur William Friedkin aus dem Jahr 1985. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Roman von Gerald Petievich, der auch am Skript mitarbeitete.
Im Mittelpunkt steht der Secret-Service-Agent Richard Chance (William Petersen), dessen Partner und Mentor Jimmy Hart (Michael Greene) vom skrupellosen Geldfälscher Rick Masters (Willem Dafoe) ermordet wird. Besessen von Rache setzt Chance alles daran, den Täter zur Strecke zu bringen. Dabei überschreitet er zunehmend die Grenzen des Gesetzes.
Gemeinsam mit seinem neuen Partner John Vukovich (John Pankow) gerät Chance in einen gefährlichen Strudel aus Korruption, Gewalt und illegalen Polizeimethoden. Eine spektakuläre Verfolgungsjagd durch Los Angeles und ein ungewöhnlich kompromissloses Finale machen den Film zu einem der markantesten Thriller der 1980er-Jahre.

Leben und Sterben in L.A. (1985): Steckbrief
Besetzung von Leben und Sterben in L.A. (1985)
Der Film überzeugt durch eine starke Besetzung. William Petersen spielt den besessenen Secret-Service-Agenten Richard Chance, während Willem Dafoe als skrupelloser Geldfälscher Rick Masters eine besonders eindrucksvolle Gegenspielerrolle übernimmt.
- William Petersen – Richard Chance
- Willem Dafoe – Rick Masters
- John Pankow – John Vukovich
- Debra Feuer – Bianca Torres
- John Turturro – Carl Cody
- Dean Stockwell – Bob Grimes
- Michael Greene – Jimmy Hart
- Darlanne Fluegel – Ruth Lanier
- Robert Downey Sr. – Thomas Bateman
Handlung von Leben und Sterben in L.A. (1985)
Achtung: Der folgende Abschnitt enthält Spoiler zur Handlung und zum Filmende.
Ein tödlicher Zwischenfall
Die beiden Secret-Service-Agenten Richard Chance und Jimmy Hart arbeiten zunächst gemeinsam in einer Abteilung, die sich mit dem Schutz des US-Präsidenten beschäftigt. Nachdem sie ein Attentat auf Ronald Reagan verhindert haben, wechseln sie in die Geldfälschungsabteilung des Secret Service in Los Angeles.
Chance ist ein draufgängerischer und selbstbewusster Ermittler, während sein älterer Partner Hart deutlich besonnener auftritt. Die beiden sind auch privat befreundet. Kurz vor seiner Pensionierung verfolgt Hart jedoch eigenständig eine Spur, die ihn zum gefährlichen Geldfälscher Rick Masters führt.
Bei dessen Versteck wird Hart von Masters und einem seiner Handlanger überrascht und erschossen. Für Chance bricht eine Welt zusammen. Er schwört Rache und will den Mörder seines Partners unbedingt zur Strecke bringen.
Die Jagd auf Rick Masters
Chance bekommt mit John Vukovich einen neuen Partner zugeteilt. Dieser ist wesentlich vorsichtiger und hält sich grundsätzlich an die Vorschriften. Chance dagegen lässt sich zunehmend von seiner Rachsucht treiben und ist bereit, auch illegale Methoden einzusetzen.
Gemeinsam gelingt es den beiden zunächst, Masters‘ Kurier Carl Cody am Flughafen festzunehmen. Doch dieser weigert sich, gegen seinen Auftraggeber auszusagen. Als Masters versucht, Cody ermorden zu lassen, scheitert der Anschlag. Chance nutzt die Gelegenheit, um den Kurier unter Überwachung aus dem Gefängnis zu entlassen. Durch eine Unachtsamkeit gelingt Cody jedoch schon bald die Flucht.
Ein gefährlicher Plan
Über Masters‘ Anwalt Bob Grimes arrangieren Chance und Vukovich schließlich ein Treffen mit dem Geldfälscher. Sie geben sich als vermögende Offshore-Banker aus Palm Springs aus und behaupten, an seinen Fähigkeiten interessiert zu sein.
Masters durchschaut jedoch die Situation und verlangt einen Vorschuss von 30.000 Dollar. Da ihre Vorgesetzten eine solche Summe nicht genehmigen, beschließt Chance, das Geld auf eigene Faust zu beschaffen.
Über die Informantin Ruth erfährt er von einem chinesischen Geschäftsmann, der 50.000 Dollar mit sich führt, um gestohlene Diamanten zu kaufen. Chance überzeugt seinen widerstrebenden Partner Vukovich davon, den Mann zu überfallen.
Der Überfall und die spektakuläre Verfolgungsjagd
Am Bahnhof Union Station entführen die beiden Agenten den Geschäftsmann und bringen ihn zu einer abgelegenen Eisenbahnunterführung. Dort nehmen sie ihm das Geld ab. Allerdings werden sie bereits von mehreren Komplizen verfolgt.
An der Unterführung kommt es zu einem heftigen Feuergefecht. Dabei wird der Chinese versehentlich von seinen eigenen Männern erschossen. Vukovich glaubt zunächst, selbst den tödlichen Schuss abgegeben zu haben.
Es folgt eine der berühmtesten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte. Chance und Vukovich fliehen in ihrem Wagen quer durch Los Angeles. Ihre Verfolger lassen nicht locker, sodass Chance zu immer riskanteren Fahrmanövern gezwungen wird. Schließlich rast er als Geisterfahrer entgegen der Fahrtrichtung über den stark befahrenen Freeway.
Die Sequenz gehört zu den großen Höhepunkten des Films und zeigt William Friedkins außergewöhnliches Gespür für Spannung und kompromisslose Action.
Die Wahrheit kommt ans Licht
Am folgenden Tag erfahren Chance und Vukovich, dass der angeblich chinesische Geschäftsmann in Wirklichkeit ein verdeckter FBI-Agent war. Vukovich ist entsetzt über die Folgen ihrer Aktion und möchte die Zusammenarbeit mit Chance beenden.
Chance dagegen hält weiterhin an seinem Vorhaben fest, Rick Masters zu überführen. Vukovich trifft sich unterdessen mit dessen Anwalt Grimes, der ihm anbietet, gegen seinen Partner auszusagen und dadurch eine mildere Strafe zu erhalten.
Ein kompromissloses Finale
Schließlich kommt es zur vereinbarten Geldübergabe mit Masters. Doch der Zugriff läuft völlig anders als geplant. Ein Handlanger des Geldfälschers erschießt Richard Chance überraschend. Der Agent stirbt ohne einen heroischen Abschied oder einen großen Showdown.
Vukovich kann den Schützen töten, während Masters zunächst entkommt. Später stellt er ihn in seiner Geldfälscherwerkstatt, die der Verbrecher bereits in Brand gesetzt hat, um sämtliche Spuren zu vernichten.
Masters offenbart Vukovich, dass er die beiden Agenten von Anfang an durchschaut hatte und mit seinem Anwalt unter einer Decke steckte. Es kommt zum letzten Kampf in der brennenden Werkstatt. Vukovich kann mehrere Schüsse auf Masters abgeben. Der Geldfälscher geht schließlich in den Flammen zugrunde.
Doch damit endet die Geschichte nicht. In der letzten Szene sucht Vukovich die Informantin Ruth auf. Anstatt die Arbeit seines verstorbenen Partners zu beenden, übernimmt er dessen Rolle und macht Ruth klar, dass sie künftig für ihn arbeiten wird.
Hintergrund zum Film Leben und Sterben in L.A. (1985)
Leben und Sterben in L.A. basiert auf dem gleichnamigen Roman von Gerald Petievich, einem ehemaligen Secret-Service-Agenten. Petievich brachte seine Erfahrungen aus dem Umfeld der Strafverfolgung in die Geschichte ein und schrieb gemeinsam mit William Friedkin das Drehbuch.
Regisseur William Friedkin war bereits durch Filme wie Brennpunkt Brooklyn (The French Connection, 1971) und Der Exorzist (1973) bekannt geworden. Mit diesem Thriller kehrte er zu einem kompromisslosen, realistisch wirkenden Polizeifilm zurück.
Gedreht wurde überwiegend in Los Angeles. Die Stadt wird dabei nicht als glamouröse Filmmetropole präsentiert, sondern als eine raue, industrielle und teilweise heruntergekommene Großstadt.
Besonders auffällig ist die Kameraarbeit von Robby Müller. Seine Bilder verleihen dem Film eine eigenständige Atmosphäre zwischen grellem Sonnenlicht, dunklen Straßenzügen und urbaner Trostlosigkeit.
Das alternative Ende von Leben und Sterben in L.A.
Das kompromisslose Finale war für ein Hollywood-Studio ungewöhnlich. Richard Chance, der vermeintliche Held der Geschichte, stirbt überraschend kurz vor dem Ende. Damit bricht Friedkin bewusst mit den Erwartungen des klassischen Actionkinos.
Das Filmstudio MGM war mit diesem pessimistischen Ausgang allerdings nicht glücklich. Deshalb wurde zusätzlich ein alternatives Ende gedreht, in dem Chance den Schusswechsel überlebt.
Das Happy End in Alaska
In der alternativen Fassung überleben Chance und Vukovich den Einsatz. Nach ihrem erfolgreichen Zugriff werden sie nach Anchorage in Alaska versetzt. Dort stehen sie in dicken Winterjacken im Schnee und besprechen gut gelaunt ihren nächsten Fall.
William Friedkin hielt wenig von dieser deutlich versöhnlicheren Variante. Er drehte sie zwar, wollte aber an seiner ursprünglichen, düsteren Vision festhalten. Das alternative Ende ist heute als Bonusmaterial auf verschiedenen Heimkinoveröffentlichungen zu finden.
Die wichtigsten Themen in Leben und Sterben in L.A. (1985)
Rache und Besessenheit
Richard Chance verliert nach dem Tod seines Partners zunehmend die Kontrolle. Seine Jagd auf Masters wird zur persönlichen Besessenheit, bei der er moralische und gesetzliche Grenzen ignoriert.
Korruption und Machtmissbrauch
Der Film zeigt Polizisten, die selbst zu Gesetzesbrechern werden. Chance rechtfertigt seine Methoden mit dem Ziel, einen gefährlichen Verbrecher zu fassen.
Gut und Böse
Die Grenzen zwischen Ermittlern und Kriminellen verschwimmen immer stärker. Der vermeintliche Held wird selbst zu einer fragwürdigen Figur, während der Gegenspieler mit Intelligenz und künstlerischem Talent auftritt.
Identität und Austauschbarkeit
Das Ende verdeutlicht, dass sich die Rollen der handelnden Personen jederzeit verändern können. Vukovich übernimmt die Methoden seines verstorbenen Partners und setzt damit den Kreislauf fort.
Produktion und Besonderheiten von Leben und Sterben in L.A.
William Friedkin setzte bei seinem Film auf eine möglichst unmittelbare und authentische Inszenierung. Besonders die Verfolgungsjagd auf dem Freeway wurde ohne computergenerierte Effekte realisiert.
Die Dreharbeiten fanden unter anderem auf dem Terminal Island Freeway in Los Angeles statt. Die aufwendigen Stunts wurden sorgfältig vorbereitet und von professionellen Stuntfahrern durchgeführt.
Die legendäre Freeway-Verfolgungsjagd
Die rund zehnminütige Verfolgungssequenz zählt zu den berühmtesten Actionszenen der 1980er-Jahre. Friedkin wollte mit dieser Szene sogar seine eigene Verfolgungsjagd aus Brennpunkt Brooklyn übertreffen.
Die besondere Wirkung entsteht vor allem dadurch, dass die Flüchtenden entgegen der Fahrtrichtung über den Highway rasen. Die entgegenkommenden Fahrzeuge erzeugen eine enorme Spannung und vermitteln dem Zuschauer ein Gefühl unmittelbarer Gefahr.
Der Kameramann Robby Müller verstärkte diesen Eindruck durch ungewöhnliche Perspektiven und lange Teleobjektive. Dadurch wirken die entgegenkommenden Fahrzeuge besonders nah und bedrohlich.
Der Soundtrack von Wang Chung
Die britische Band Wang Chung steuerte den kompletten Soundtrack bei. Die Musik verbindet elektronische Klänge mit dem typischen New-Wave-Sound der 1980er-Jahre und passt hervorragend zur düsteren Atmosphäre des Films.
Der Titelsong To Live and Die in L.A. wurde im Dezember 1985 veröffentlicht und erreichte Platz 41 der US-Single-Charts.
Rezeption und Filmkritik
Leben und Sterben in L.A. wurde im Laufe der Jahre zu einem viel geschätzten Klassiker des amerikanischen Action- und Polizeifilms. Besonders die kompromisslose Inszenierung, die ungewöhnliche Charakterzeichnung und die spektakuläre Verfolgungsjagd werden immer wieder hervorgehoben.
Bei Rotten Tomatoes erreicht der Film eine positive Kritikerwertung von 89 Prozent. Auf Metacritic liegt der Metascore bei 81 von 100 Punkten.
Das Lexikon des internationalen Films beschreibt das Werk als „furios inszenierten, überaus harten Polizeifilm“ und kritisiert zugleich die zynische Darstellung orientierungslos gewordener Menschen.
Auch international wird der Film für seine kompromisslose Action und seine besondere Atmosphäre geschätzt. Die Kombination aus der Kameraarbeit von Robby Müller und dem Soundtrack von Wang Chung gilt als eines seiner herausragenden Merkmale.
Besonders die Freeway-Verfolgungsjagd wird häufig zu den besten Actionszenen der Filmgeschichte gezählt. Auch das überraschende Ende trägt dazu bei, dass der Film bis heute im Gedächtnis bleibt.
Auszeichnungen für Leben und Sterben in L.A.
- Cognac Festival du Film Policier (1986): Publikumspreis für William Friedkin.
- Stuntman Awards (1986): Auszeichnungen für die spektakulären Fahrzeugstunts und die aufwendige Actionsequenz.
- Filmbewertungsstelle Wiesbaden: Der Film erhielt ein positives Gutachten.
Mein Fazit zu Leben und Sterben in L.A. (1985)
Leben und Sterben in L.A. ist ein außergewöhnlicher Actionthriller, der sich deutlich von vielen vergleichbaren Filmen seiner Zeit unterscheidet. William Friedkin erzählt eine düstere Geschichte über Rache, Korruption und moralischen Verfall, ohne seinem Publikum einen klassischen Helden anzubieten.
William Petersen überzeugt als zunehmend besessener Ermittler Richard Chance. Willem Dafoe ist als Geldfälscher Rick Masters eine hervorragende Besetzung und verleiht dem Film einen ebenso intelligenten wie gefährlichen Gegenspieler.
Besonders beeindruckend ist die legendäre Freeway-Verfolgungsjagd, die auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Spannung verloren hat. Dazu kommen die markante Kameraarbeit von Robby Müller und der unverwechselbare Soundtrack von Wang Chung.
Das kompromisslose Ende ist ebenfalls bemerkenswert. Statt eines klassischen Happy Ends hinterlässt Friedkin einen bitteren Eindruck und zeigt, wie schnell sich die Grenzen zwischen Gesetzeshütern und Verbrechern auflösen können.
🎬 Film-Tipp:
Verfluchtes Amsterdam (1988) – Ein Serienkiller versetzt Amsterdam in Angst
Wer an Leben und Sterben in L.A. vor allem die packende Action, die kompromisslose Inszenierung und die spannende Jagd auf einen gefährlichen Verbrecher schätzt, sollte sich auch diesen niederländischen Thriller nicht entgehen lassen.
Verfluchtes Amsterdam (Originaltitel: Amsterdamned) ist ein niederländischer Actionthriller mit Horrorelementen aus dem Jahr 1988. Regie und Drehbuch stammen von Dick Maas, der bereits mit Fahrstuhl des Grauens für Aufsehen gesorgt hatte.
In den Grachten von Amsterdam treibt ein brutaler Serienmörder sein Unwesen. Immer wieder werden grausam zugerichtete Leichen entdeckt, doch die Polizei tappt zunächst völlig im Dunkeln. Inspektor Eric Visser übernimmt den schwierigen Fall und vermutet bald, dass der Täter aus Taucherkreisen stammen könnte.
Während Visser fieberhaft nach dem Mörder sucht, lernt er die geheimnisvolle Laura kennen. Doch die Ermittlungen werden immer gefährlicher. Ein besonderes Highlight ist die spektakuläre Motorboot-Verfolgungsjagd durch die engen Grachten Amsterdams, die zu den eindrucksvollsten Actionszenen des europäischen Kinos der 1980er-Jahre zählt.
👉 Hier geht’s zum Film:
🔗 Weiterführende Links zu Leben und Sterben in L.A. (1985)
Weitere Informationen zu Film, Besetzung, Hintergrund und Kritiken findest du bei diesen Film- und Kulturportalen:
- Wikipedia – Leben und Sterben in L.A. – Hintergrundinformationen und Handlung
- IMDb – To Live and Die in L.A. – Filmdaten und Besetzung
- Filmdienst – Leben und Sterben in L.A. – Filmkritik
- FBW – Leben und Sterben in L.A. – Filmbewertung
- Men’s Journal – Hintergrund zum Thriller
- Cinema Forever – Filmkritik
- Metacritic – To Live and Die in L.A. – Kritikerbewertungen
- Schnittberichte – Informationen zu Filmfassungen
Hinweis: Verfügbarkeit, Streamingangebote und externe Webseiten können sich ändern. Die Links dienen der weiterführenden Information.
Redaktioneller Hinweis
Die Angaben zu Handlung, Besetzung, Produktion, Hintergrund und Rezeption orientieren sich an den bereitgestellten Filminformationen und den genannten Quellen. Die Handlung wird einschließlich des Filmendes wiedergegeben.