Napoleon (2002) – Christian Clavier als französischer Kaiser
Napoleon ist eine vierteilige internationale Historien-Miniserie aus dem Jahr 2002. In der aufwendig produzierten Fernsehproduktion verkörpert der französische Schauspieler Christian Clavier den französischen Kaiser Napoleon Bonaparte. An seiner Seite spielen Isabella Rossellini als Joséphine und Gérard Depardieu als Polizeiminister Joseph Fouché. Regie führte Yves Simoneau.
Die insgesamt rund 360 Minuten lange Miniserie erzählt Napoleons Aufstieg vom General der Revolutionsarmee zum mächtigsten Herrscher Europas. Sie schildert seine militärischen Erfolge, seine politischen Intrigen, seine wechselvollen Beziehungen und schließlich seinen dramatischen Niedergang. Der Rahmen der Geschichte ist Napoleons Verbannung auf die Insel St. Helena, wo er 1816 auf sein bewegtes Leben zurückblickt.

🎬 Steckbrief: Napoleon (2002)
📖 Handlung von Napoleon (2002)
Prolog: Verbannung auf St. Helena
Die Geschichte beginnt im Jahr 1816 auf der abgelegenen Atlantikinsel St. Helena. Napoleon Bonaparte (Christian Clavier) befindet sich nach seiner endgültigen Niederlage und der Verbannung unter britischer Bewachung. Seine einstige Macht ist Vergangenheit. Der Mann, der große Teile Europas beherrschte, lebt nun fernab seiner Heimat.
Regelmäßig erhält Napoleon Besuch von Betsy Balcombe, der jungen Tochter eines britischen Proviantlieferanten der Ostindien-Kompanie. Ihr erzählt er von seinem außergewöhnlichen Lebensweg: vom jungen Offizier während der Französischen Revolution über seine militärischen Erfolge und die Kaiserkrönung bis hin zu den verhängnisvollen Entscheidungen, die schließlich zu seinem Sturz führten.
Teil 1: Vom General zum ersten Konsul
Frankreich befindet sich 1795 noch immer in den politischen und gesellschaftlichen Folgen der Revolution. Napoleon ist inzwischen General der französischen Armee. Er lernt Joséphine de Beauharnais (Isabella Rossellini) kennen, eine einige Jahre ältere Witwe, deren erster Ehemann während der Französischen Revolution hingerichtet wurde. Die beiden heiraten kurze Zeit später.
Napoleon erhält den Auftrag, einen Aufstand gegen die Republik niederzuschlagen. Sein militärisches Geschick macht ihn in den politischen Kreisen Frankreichs bekannt. Schließlich wird ihm das Kommando über die französischen Truppen in Italien übertragen. Obwohl seine Armee zunächst mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und bei Arcole eine Niederlage hinnehmen muss, gelingt es ihm, durch strategisches Können wichtige Erfolge zu erzielen.
Sein Ansehen bei der Bevölkerung und beim Militär wächst. Der Außenminister Talleyrand erkennt die politischen Möglichkeiten, die sich aus Napoleons Popularität ergeben könnten. Er versucht, ihn für einen Staatsstreich zu gewinnen. Napoleon lehnt zunächst ab und beginnt stattdessen seinen Feldzug nach Ägypten.
Während seiner Abwesenheit erfährt er, dass Joséphine Beziehungen zu anderen einflussreichen Männern unterhält. Die private Enttäuschung belastet die Ehe. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wächst zugleich der politische Druck. Gemeinsam mit seiner Familie und mehreren Generälen wird ein Umsturz vorbereitet.
Mit Unterstützung des Polizeiministers Fouché und Talleyrands gelingt es Napoleon, die Regierung zu stürzen. Er wird erster Konsul der Republik und übernimmt damit die entscheidende politische Macht. Er stabilisiert die wirtschaftliche und politische Lage Frankreichs. Ein royalistisches Attentat zu Weihnachten 1800 überlebt er. Die Hinrichtung des Herzogs von Enghien zeigt jedoch, dass Napoleon zunehmend bereit ist, seine Macht auch mit äußerster Härte zu sichern.
Teil 2: Die Kaiserkrönung und die Siege in Europa
Nach der politischen Konsolidierung wird Napoleon vom französischen Volk die Kaiserkrone angeboten. Am 2. Dezember 1804 findet in Anwesenheit von Papst Pius VII. die Krönung statt. Napoleon setzt sich die Krone selbst auf und macht damit deutlich, dass seine Macht nicht von einer anderen weltlichen Instanz abhängig sein soll.
Während Napoleon einen Feldzug gegen Großbritannien vorbereitet, verbünden sich seine europäischen Gegner. Preußen, Österreich und Russland stellen eine neue Bedrohung dar. Napoleon richtet seine militärischen Pläne deshalb nach Osten und erringt bei Austerlitz und Jena bedeutende Siege. Österreich und Preußen müssen kapitulieren.
Auch sein Privatleben bleibt von politischen Interessen geprägt. Joséphine kann ihm aufgrund ihres Alters offenbar keinen Thronfolger mehr schenken. Die Nachricht von der Geburt eines Sohnes aus einer Verbindung mit Éléonore Denuelle verschärft die Spannungen innerhalb der Familie und am Kaiserhof.
Auf dem weiteren Feldzug begegnet Napoleon in Polen der Gräfin Maria Walewska. Die Beziehung zu ihr ist nicht nur privater Natur: Teile der polnischen Elite verbinden mit Napoleon die Hoffnung auf eine Wiederherstellung der polnischen Unabhängigkeit. Bei Eylau kann Napoleon zwar einen Erfolg gegen Russland verbuchen, muss jedoch hohe Verluste hinnehmen.
Teil 3: Spanien, Österreich und der Bruch mit Joséphine
Napoleon und Zar Alexander I. treffen sich an der Memel und schließen Frieden. Alexander sagt Unterstützung gegen Großbritannien zu, verweigert jedoch die Unabhängigkeit Polens. Während Napoleon nach Frankreich zurückkehrt, verschlechtert sich die politische Lage in Europa erneut.
Auf der Iberischen Halbinsel kommt es zu Aufständen gegen die französische Herrschaft. Napoleon muss Truppen nach Spanien verlegen und gerät dadurch in eine schwierige militärische Lage. Gleichzeitig versucht er, die Unterstützung des russischen Zaren zu sichern. Die Verhandlungen und Feierlichkeiten in Erfurt bringen jedoch nicht das gewünschte Ergebnis.
Auch innerhalb seiner Familie nehmen die Konflikte zu. Die Verteilung der von Napoleon beherrschten Königreiche sorgt für Streit. Seine Schwester und ihr Mann, der ehemalige Marschall Murat, verfolgen eigene politische Interessen. Gemeinsam mit Fouché und Talleyrand entstehen Pläne für eine mögliche Nachfolge, falls Napoleon länger abwesend bleiben sollte.
Währenddessen muss Napoleon erneut gegen Österreich antreten. Bei Wagram gelingt ihm zwar ein knapper Sieg, doch die Verluste sind beträchtlich. Der Tod seines treuen Marschalls Mannes trifft ihn persönlich schwer.
Um seine politische Stellung zu sichern, entscheidet Napoleon sich für eine Ehe mit Marie-Louise von Österreich. Er trennt sich von Joséphine und heiratet die österreichische Erzherzogin. Die Verbindung soll die Beziehungen zu Österreich festigen und einen legitimen Thronfolger ermöglichen. Kurz darauf wird ein Sohn geboren.
Die militärischen und politischen Spannungen nehmen weiter zu. Als Napoleon schließlich den Feldzug gegen Russland beginnt, unterschätzt er die Schwierigkeiten des riesigen Landes. In Moskau angekommen, findet er eine weitgehend verlassene Stadt vor. In der Nacht brechen zahlreiche Brände aus. Die Situation wird zunehmend bedrohlich.
Teil 4: Der Untergang und die Schlacht bei Waterloo
Der Rückzug aus Russland entwickelt sich zu einer Katastrophe. Kälte, Hunger und die Angriffe der gegnerischen Truppen kosten einen großen Teil der französischen Armee das Leben. Napoleon versucht, Europa den Frieden anzubieten, doch die verbündeten Mächte sehen nun ihre Chance, seine Herrschaft endgültig zu beenden.
Bei der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 erleidet Napoleon eine schwere Niederlage. Österreich, Preußen, Russland und Schweden kämpfen gemeinsam gegen Frankreich. Auch innerhalb seiner militärischen Führung verliert Napoleon zunehmend Rückhalt. Seine Generäle zweifeln an seiner Strategie und verweigern ihm schließlich die Gefolgschaft.
Die alliierten Truppen marschieren nach Frankreich ein. Napoleon muss abdanken und wird auf die Mittelmeerinsel Elba verbannt. Dort erhält er einen kleinen Hofstaat, kann sich jedoch mit seiner neuen Rolle nicht abfinden. Er hängt weiterhin an seiner Macht, an Frankreich und an den Erfolgen seiner früheren Herrschaft.
Nach dem Tod Joséphines und angesichts der Unzufriedenheit in Frankreich beschließt Napoleon die Rückkehr. Er entkommt von Elba und landet 1815 an der französischen Küste. Die Bevölkerung nimmt ihn vielerorts begeistert auf. Auch die Soldaten, die ihn aufhalten sollen, schließen sich ihm an. König Ludwig XVIII. muss fliehen. Napoleon übernimmt erneut die Herrschaft.
Diese sogenannte Herrschaft der Hundert Tage endet jedoch mit der entscheidenden Niederlage bei Waterloo am 18. Juni 1815. Die alliierten Truppen unter dem Herzog von Wellington und dem preußischen Feldmarschall Blücher schlagen die französische Armee vernichtend.
Napoleon muss erneut abdanken. Sein Versuch, nach Amerika zu entkommen, scheitert. Die Briten bringen ihn nach St. Helena, wo er unter Bewachung bis zu seinem Tod im Jahr 1821 bleibt. Damit endet der Lebensweg eines Mannes, der die europäische Geschichte über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat.
🎭 Besetzung: Die Darsteller von Napoleon (2002)
| Christian Clavier | Napoleon Bonaparte |
|---|---|
| Isabella Rossellini | Joséphine de Beauharnais |
| Gérard Depardieu | Joseph Fouché |
| John Malkovich | Charles-Maurice de Talleyrand |
| Anouk Aimée | Letizia Bonaparte |
| Julian Sands | Horatio Nelson |
| Heino Ferch | Weitere Rolle im internationalen Ensemble |
Die Miniserie setzt auf eine internationale Besetzung. Neben den drei zentralen Hauptdarstellern sind zahlreiche weitere Schauspieler in den historischen Figuren und politischen Weggefährten Napoleons zu sehen.
📜 Hintergrund zur Historien-Miniserie Napoleon (2002)
Die Miniserie basiert auf der umfangreichen Napoleon-Biografie des französischen Schriftstellers und Historikers Max Gallo. Das Drehbuch verfasste Didier Decoin. Regie führte der kanadische Filmemacher Yves Simoneau.
Mit einer Gesamtlaufzeit von rund sechs Stunden gehört Napoleon (2002) zu den aufwendig angelegten europäischen Fernsehproduktionen ihrer Zeit. Die Geschichte umfasst mehrere Jahrzehnte und verbindet militärische Ereignisse mit politischen Intrigen und privaten Konflikten.
Eine internationale Produktion
Die Produktion entstand als internationale Zusammenarbeit zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Das geschätzte Budget lag bei rund 41 Millionen Euro. Die Dreharbeiten fanden von Mai bis Oktober 2001 in verschiedenen Ländern statt.
Napoleon zwischen Mythos und Wirklichkeit
Die Miniserie versucht, Napoleon nicht ausschließlich als erfolgreichen Feldherrn und großen Staatsmann darzustellen. Neben seinen militärischen Leistungen werden auch seine Machtpolitik, seine persönlichen Schwächen und seine schwierigen Beziehungen zu seiner Familie thematisiert.
Besonders die Beziehung zu Joséphine nimmt einen wichtigen Platz ein. Die private Seite des Kaisers wird mit den politischen Entscheidungen verbunden, die seinen Aufstieg und seinen späteren Niedergang beeinflussen.
Historische Ungenauigkeiten
Wie bei vielen historischen Fernsehproduktionen gibt es auch bei Napoleon Abweichungen von den tatsächlichen Ereignissen. In der deutschsprachigen Fassung werden beispielsweise einzelne historische Daten falsch eingeblendet. Auch die zeitliche Einordnung bestimmter musikalischer Werke und Ereignisse stimmt nicht immer mit der historischen Überlieferung überein.
Die Miniserie sollte daher nicht als vollständig dokumentarische Darstellung verstanden werden. Sie verbindet historische Ereignisse mit dramaturgischen Verdichtungen und persönlichen Erzählsträngen.
⚔️ Zentrale Themen in Napoleon (2002)
Macht und politischer Aufstieg
Napoleons Weg vom General zum Kaiser zeigt, wie militärische Erfolge, politisches Geschick und die Unterstützung der Bevölkerung den Aufstieg eines einzelnen Mannes ermöglichen können.
Krieg und europäische Machtpolitik
Die zahlreichen Feldzüge verdeutlichen, wie sehr Napoleons Herrschaft von militärischen Erfolgen abhängig ist. Die europäischen Mächte versuchen immer wieder, das französische Kaiserreich zurückzudrängen.
Liebe und persönliche Konflikte
Die Beziehungen zu Joséphine und Maria Walewska zeigen die private Seite des Kaisers. Seine persönlichen Entscheidungen stehen dabei häufig im Spannungsfeld zwischen Gefühlen, dynastischen Interessen und politischer Notwendigkeit.
Größenwahn und Selbstüberschätzung
Napoleons militärische Erfolge stärken sein Selbstvertrauen. Doch gerade die Feldzüge in Spanien und Russland zeigen, wie gefährlich es werden kann, die eigenen Möglichkeiten und die Widerstandskraft der Gegner zu unterschätzen.
Aufstieg und Fall
Die Miniserie spannt einen großen historischen Bogen: von den Hoffnungen der Französischen Revolution über die Kaiserzeit bis zur endgültigen Verbannung auf St. Helena. Der persönliche Aufstieg wird zugleich zur Geschichte eines dramatischen politischen Absturzes.
🎥 Produktion und Besonderheiten von Napoleon (2002)
Regie führte Yves Simoneau. Das Drehbuch stammt von Didier Decoin und beruht auf der Napoleon-Biografie von Max Gallo. Die Musik komponierten Michel Cusson und Richard Grégoire. Für die Kameraarbeit war Guy Dufaux verantwortlich, den Schnitt übernahmen Yves Langlois und Isabelle Malenfant.
Christian Clavier als Napoleon
Christian Clavier übernimmt die anspruchsvolle Hauptrolle. Er verkörpert Napoleon über verschiedene Lebensphasen hinweg: vom ehrgeizigen General über den selbstbewussten Kaiser bis zum gealterten und verbitterten Gefangenen auf St. Helena.
Isabella Rossellini als Joséphine
Isabella Rossellini spielt Joséphine de Beauharnais. Ihre Figur ist nicht nur Napoleons Ehefrau, sondern auch eine wichtige emotionale Bezugsperson. Die Beziehung der beiden ist von Leidenschaft, Eifersucht, politischen Erwartungen und persönlichen Enttäuschungen geprägt.
Gérard Depardieu als Fouché
Gérard Depardieu verkörpert Joseph Fouché, Napoleons Polizeiminister. Fouché ist eine der politisch einflussreichen Figuren der Geschichte. Er steht für Machtkalkül, Überwachung und die oft undurchsichtigen politischen Intrigen jener Zeit.
Aufwendige Ausstattung und historische Schauwerte
Uniformen, Kostüme, historische Schauplätze und große militärische Szenen prägen die visuelle Gestaltung. Die Produktion versucht, die politischen und militärischen Umwälzungen der napoleonischen Zeit in einem breit angelegten Fernsehformat erlebbar zu machen.
Rezeption und Kritik zu Napoleon (2002)
Die vierteilige Miniserie „Napoleon“ (2002) wurde insgesamt positiv bis gemischt aufgenommen. Besonders die aufwendige Ausstattung, die internationalen Drehorte und die prominente Besetzung fanden Anerkennung. Kritische Stimmen bemängelten dagegen, dass die historische Darstellung hinter dem visuellen Aufwand und der Konzentration auf Napoleons Privatleben teilweise zurückbleibe.
1. Opulente Ausstattung und aufwendige Inszenierung
Die Redaktion von TV Today bewertete die Produktion mit drei von drei Punkten und bezeichnete sie als „Ein Fest fürs Auge“. Auch die aufwendigen Kostüme, die historischen Schauplätze und die groß angelegten Szenen tragen zum monumentalen Charakter der Miniserie bei.
Die internationale Produktion wurde mit erheblichem Aufwand realisiert. Das geschätzte Budget lag bei rund 41 Millionen Euro. Gedreht wurde von Mai bis Oktober 2001 in verschiedenen Ländern. Die Ausstattung und das Kostümdesign gehören zu den auffälligsten Stärken des Vierteilers.
2. Eine prominente Besetzung mit Christian Clavier
Das internationale Ensemble zählt zu den großen Pluspunkten der Produktion. Christian Clavier verkörpert Napoleon Bonaparte, Isabella Rossellini spielt Joséphine und Gérard Depardieu übernimmt die Rolle des Polizeiministers Fouché. Auch John Malkovich gehört als Talleyrand zur Besetzung.
Besonders Christian Claviers Darstellung ist bemerkenswert. Der zuvor vor allem durch Komödien wie Asterix & Obelix bekannte Schauspieler zeigt Napoleon nicht nur als ehrgeizigen Feldherrn und machtbewussten Herrscher, sondern auch als verletzlichen, von persönlichen Konflikten geprägten Menschen. Rainer Tittelbach hebt in seiner Besprechung die Besetzung und Claviers Leistung ausdrücklich hervor.
3. Kritik: Das Privatleben steht zu stark im Mittelpunkt
Der Filmdienst beurteilt die Miniserie differenzierter. Zwar entwerfe der Vierteiler ein facettenreiches Bild des französischen Kaisers, doch die starke Konzentration auf dessen Privatleben und seine Rolle als Familienmensch führe paradoxerweise erneut zur Legendenbildung. Die aufwendigen Schauwerte und die Ausstattung drängten die historischen Fakten teilweise in den Hintergrund.
Auch Cinema sieht eine Schwäche in der Darstellung Napoleons: Seine kaltblütige und machtgierige Seite werde zwar nicht verschwiegen, komme insgesamt aber etwas zu kurz. Damit wird ein zentraler Kritikpunkt deutlich: Die Serie zeigt den Menschen Napoleon ausführlich, setzt sich mit seiner politischen Verantwortung und den Folgen seiner Machtpolitik aber nicht immer mit derselben Konsequenz auseinander.
4. Historische Verdichtung und erzählerische Verkürzungen
Ein ganzes Leben in vier rund 90-minütigen Teilen zu erzählen, bringt zwangsläufig dramaturgische Einschränkungen mit sich. Politische Entwicklungen, diplomatische Verhandlungen und militärische Zusammenhänge können nicht immer ausführlich behandelt werden. Manche Ereignisse werden stark verdichtet, während andere Episoden mehr Raum erhalten.
Auch Zuschauerbesprechungen weisen darauf hin, dass einzelne Feldzüge und Schlachten zu knapp dargestellt werden. Wer eine umfassende militärhistorische Darstellung erwartet, sollte deshalb keine vollständige Chronik der napoleonischen Kriege voraussetzen. Die Miniserie konzentriert sich stärker auf die Verbindung von Machtpolitik, militärischen Ereignissen und Napoleons persönlichen Beziehungen.
Hinzu kommen einzelne historische Ungenauigkeiten. So wird die Schlacht bei Waterloo in der deutschsprachigen Fassung an einer Stelle fälschlich auf den 18. April 1815 datiert. Tatsächlich fand sie am 18. Juni 1815 statt. Auch weitere zeitliche Details, etwa zur Entstehung von Paganinis Caprice Nr. 24 und zum Tod Joséphines, sind nicht korrekt wiedergegeben.
5. Zuschauerwertung und heutige Einschätzung
Auf IMDb erreicht „Napoleon“ eine Nutzerwertung von rund 7,3 von 10 Sternen. Das spricht für eine insgesamt positive Zuschauerresonanz, ist allerdings von der professionellen Filmkritik zu unterscheiden.
Auch in heutigen Film- und Geschichtsforen wird der Vierteiler vielfach positiv beurteilt. Einige Zuschauer schätzen insbesondere Christian Claviers Darstellung und die Verbindung von politischen Ereignissen, Schlachten und Napoleons Privatleben. Vereinzelt wird die Miniserie dabei auch gegenüber Ridley Scotts Kinofilm Napoleon aus dem Jahr 2023 bevorzugt. Von einem einheitlichen Fankonsens kann jedoch nicht gesprochen werden.
6. Auszeichnungen
Die Produktion wurde auch bei Preisverleihungen berücksichtigt:
- 2003: 7 d’Or für Yves Simoneau in der Kategorie Beste Regie.
- 2003: Bayerischer Fernsehpreis für Produzent Jan Mojto.
- 2003: Emmy-Auszeichnung für Pierre-Jean Larroque für das Kostümdesign von Teil II.
- 2003: Emmy-Nominierung für John Malkovich in der Kategorie Bester Nebendarsteller in einer Miniserie oder einem Fernsehfilm.
Fazit zu Napoleon (2002) – Christian Clavier als Kaiser
Napoleon (2002) ist eine umfangreiche und aufwendig inszenierte Miniserie über einen der bekanntesten und umstrittensten Herrscher der europäischen Geschichte. Die vier Teile führen vom Aufstieg des jungen Generals während der Französischen Revolution bis zur endgültigen Verbannung auf St. Helena.
Christian Clavier trägt die Produktion als Napoleon. Isabella Rossellini als Joséphine und Gérard Depardieu als Fouché ergänzen die prominente Besetzung. Die Mischung aus politischen Intrigen, privaten Konflikten und großen Schlachtszenen macht die Miniserie zu einem umfangreichen Fernsehporträt.
Wer eine streng dokumentarische Geschichtsdarstellung erwartet, sollte die dramaturgischen Freiheiten und historischen Ungenauigkeiten berücksichtigen. Als großes, international besetztes Historienepos bietet Napoleon jedoch einen spannenden Überblick über Aufstieg und Fall des französischen Kaisers.
Ein opulentes TV-Epos mit prominenter Besetzung, aufwendiger Ausstattung und einer bewegten Lebensgeschichte. Besonders sehenswert für Freunde historischer Mehrteiler und der napoleonischen Epoche.
🎬 Film-Tipp: Waterloo (1970) – Napoleons Kampf um Europa
Wer nach Napoleon (2002) tiefer in die letzten Jahre der napoleonischen Herrschaft eintauchen möchte, sollte sich auch den monumentalen Historienfilm Waterloo (1970) ansehen. Das Werk des sowjetischen Regisseurs Sergei Bondartschuk konzentriert sich auf Napoleons Rückkehr aus dem Exil und die entscheidende Schlacht vom 18. Juni 1815.
Nach seiner Verbannung auf die Insel Elba kehrt Napoleon (Rod Steiger) nach Frankreich zurück und gewinnt innerhalb kurzer Zeit die Unterstützung großer Teile der Bevölkerung und der Armee. König Ludwig XVIII. muss fliehen. Doch die europäischen Mächte stellen sich erneut gegen den französischen Kaiser.
Im Mittelpunkt steht das militärische Duell zwischen Napoleon und dem britischen Herzog von Wellington (Christopher Plummer). Die entscheidende Schlacht wird schließlich bei Waterloo in Belgien ausgetragen. Auch die preußischen Truppen unter Feldmarschall Blücher spielen für den Ausgang des Kampfes eine entscheidende Rolle.
Mit gewaltigen Truppenformationen, Tausenden Statisten und aufwendigen Schlachtszenen gehört Waterloo zu den großen historischen Schlachtengemälden des Kinos. Neben Rod Steiger und Christopher Plummer ist auch Orson Welles als König Ludwig XVIII. zu sehen.
👉 Hier geht’s zum Film:
📺 Napoleon (2001-2002) | Alle 4 Teile
Napoleon - An der Spitze des Staates (2001) | Teil 1
🔗 Weiterführende Quellen zu Napoleon (2002)
Weitere Informationen zur Handlung, zur Besetzung, zur Produktion und zur historischen Einordnung der Miniserie finden sich in den folgenden Film- und Informationsangeboten:
- Filmdienst – Napoleon (2002) – Filmkritik, Produktionsdaten, Laufzeit und Besetzung.
- IMDb – Napoleon (2002) – Internationale Filmdatenbank mit Angaben zur Miniserie und den Darstellern.
- IMDb – Napoleon: vollständige Besetzung und Stab – Cast & Crew.
- Wikipedia – Napoleon (2002) – Übersicht zur Handlung, Produktion und Auszeichnungen.
- IMDb – Waterloo (1970) – Informationen zum Film-Tipp mit Rod Steiger und Christopher Plummer.
- FILMSTARTS – Waterloo – Inhaltsangabe, Besetzung und Filmdaten.
Redaktioneller Hinweis
Die Angaben zu Handlung, Besetzung, Produktion und Laufzeit von Napoleon (2002) wurden anhand der aufgeführten Filmdatenbanken und der verfügbaren Produktionsinformationen zusammengestellt. Die Zusammenfassung der Rezeption berücksichtigt die Einordnungen des Filmdienstes, von Cinema und TV Spielfilm.
Die Handlung wird in vier Teilen wiedergegeben. Historische Ereignisse und dramaturgische Elemente der Miniserie sind dabei voneinander zu unterscheiden. Die Produktion nimmt sich erzählerische Freiheiten und enthält einzelne historische Ungenauigkeiten.
Der Filmtipp Waterloo (1970) ist ein eigenständiger Historienfilm über Napoleons letzte Herrschaftsphase und die Schlacht vom 18. Juni 1815.