Der Teufel kommt um vier (1961): Glaube, Schuld und ein Vulkan
Der Teufel kommt um vier ist ein US-amerikanischer Katastrophenfilm von Mervyn LeRoy aus dem Jahr 1961. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Max Catto und verbindet Abenteuer, Naturkatastrophe und religiöses Drama. Im Mittelpunkt stehen ein gebrochener Priester und drei Sträflinge, die auf einer abgelegenen Vulkaninsel im Südpazifik vor einer tödlichen Katastrophe stehen.
Spencer Tracy spielt den Priester Matthew Doonan, der nach Jahren auf der Insel seinen Glauben verloren hat. Frank Sinatra verkörpert den Sträfling Harry, dessen Haltung sich im Verlauf der dramatischen Ereignisse grundlegend verändert. Barbara Luna ist als blinde Camille zu sehen, die in einer Leprastation arbeitet und für Harry zu einer wichtigen Bezugsperson wird.

Der Teufel kommt um vier (1961): Steckbrief
Handlung von Der Teufel kommt um vier
Der Film beginnt mit einem Satz, der bereits die düstere Stimmung der Geschichte vorgibt:
„It is hard for a man to be brave when he knows he is going to meet the devil at 4 o’clock.“
Die Handlung spielt in Französisch-Polynesien Anfang der 1960er-Jahre. Drei Schwerverbrecher – Harry, Marcel und Charlie – sollen eigentlich nach Tahiti gebracht werden. Stattdessen landen sie auf der benachbarten Vulkaninsel Kalua. Der örtliche Gouverneur nutzt die Männer als billige Arbeitskräfte und behandelt sie entsprechend rücksichtslos.
Mit an Bord des Flugzeugs befindet sich auch der junge Priester Vater Perreau. Er soll den alten Inselgeistlichen Vater Matthew Doonan ablösen. Doonan ist ein gebrochener Mann. Die Einsamkeit, die schwierigen Lebensbedingungen und die Auseinandersetzungen mit den Inselbewohnern haben ihn in eine tiefe Glaubenskrise geführt. Hinzu kommt seine Abhängigkeit vom Alkohol.
Doonans besondere Aufmerksamkeit gilt einer abgelegenen Station, in der leprakranke Kinder betreut werden. Die Einrichtung ist vielen Bewohnern ein Dorn im Auge, weil sie den Tourismus beeinträchtigen könnte. Doonan lässt sich jedoch nicht davon abbringen, sich für die Kinder einzusetzen.
Als der Gouverneur die drei Gefangenen misshandeln lässt, greift Doonan ein. Er droht damit, den Vorfall öffentlich zu machen, und erreicht schließlich, dass Harry, Marcel und Charlie bei Arbeiten an der Leprastation eingesetzt werden.
In der Station lernt Harry die blinde Camille kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung, die Harrys bisherige Haltung zunehmend verändert. Der harte und zynische Gefangene beginnt, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.
Dann nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Der Vulkan der Insel beginnt zu rumoren. Erdbeben erschüttern die Region, und bald wird klar, dass ein gewaltiger Ausbruch bevorsteht. Die Bewohner sollen die Insel verlassen, doch die Leprastation liegt weiterhin in einem gefährdeten Gebiet.
Doonan erkennt, dass die Kinder und das Personal ohne Hilfe verloren sind. Trotz der Gefahr beschließt er, zu ihnen zurückzukehren. Der Gouverneur zeigt wenig Bereitschaft, die Rettungsaktion zu unterstützen.
Harry entschließt sich schließlich gemeinsam mit Marcel und Charlie, Doonan zu helfen. Die drei Gefangenen erhalten damit die Möglichkeit, sich in einer Extremsituation zu bewähren. Mit einem Fallschirm gelangen sie zur Station und beginnen, die Kinder und das Personal aus dem Gefahrengebiet zu bringen.
Der Weg zum rettenden Hafen wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Insel wird von Erdbeben, Feuer und Lava erschüttert. Wege brechen zusammen und die Naturgewalten machen jeden Schritt gefährlicher.
Dabei müssen die Männer schwere Verluste hinnehmen. Marcel versinkt im Treibsand, während Charlie bei einem Unfall schwer verletzt wird. Doonan weigert sich, den Sterbenden zurückzulassen.
Harry schafft es zunächst, die geretteten Menschen zum Schiff zu bringen. Doch seine Entwicklung ist inzwischen abgeschlossen: Statt selbst in Sicherheit zu bleiben, kehrt er zu Doonan und Charlie zurück.
Für Doonan wird die letzte Phase der Katastrophe zu einer religiösen und persönlichen Prüfung. Gemeinsam mit Harry bleibt er bei Charlie. Während der Vulkan die Insel endgültig zerstört, findet der Priester zu seinem Glauben zurück.
Am Ende versinkt die Insel in einer gewaltigen Explosion. Die Überlebenden beobachten vom Schiff aus, wie Kalua unter den Naturgewalten verschwindet. Die Katastrophe hat zahlreiche Menschenleben gefordert, aber zugleich die beiden zentralen Figuren verändert.
Produktion und Hintergründe
Der Teufel kommt um vier entstand unter der Regie von Mervyn LeRoy und wurde von Columbia Pictures in Farbe und im Breitwandformat produziert. Die exotische Inselkulisse bildet dabei einen wichtigen Bestandteil der Atmosphäre des Films.
Die Außenaufnahmen entstanden unter anderem auf Maui, Hawaii, während weitere Szenen in Fallbrook, Kalifornien, gedreht wurden. Die unterschiedlichen Drehorte ermöglichten es der Produktion, die tropische Landschaft ebenso wie die spektakulären Zerstörungsszenen darzustellen.
Als Vorlage diente der Roman The Devil at 4 O’Clock von Max Catto. Die Geschichte verbindet bereits in der literarischen Vorlage Abenteuer, religiöse Konflikte und eine drohende Naturkatastrophe.
Die Kombination aus großen Hollywoodstars und aufwändigen Spezialeffekten sollte dem Film den Charakter eines großen Abenteuerfilms verleihen. Gleichzeitig wollte die Produktion mehr bieten als reine Katastrophen-Action: Die persönliche Entwicklung von Doonan und Harry bildet einen wesentlichen Teil der Geschichte.
Die US-Premiere fand im Oktober 1961 statt. In Westdeutschland kam der Film noch im selben Jahr in die Kinos.
Spencer Tracy als Father Matthew Doonan
Spencer Tracy übernimmt mit Father Matthew Doonan eine ungewöhnliche Rolle. Der Priester ist kein unerschütterlicher Held, sondern ein desillusionierter Mann, der seinen Glauben und einen Teil seiner Lebensperspektive verloren hat.
Doonan lebt zwischen Pflichtgefühl und persönlicher Verzweiflung. Einerseits kümmert er sich um die Kinder der Leprastation, andererseits hat er selbst mit seinen Schwächen zu kämpfen. Gerade dieser Widerspruch macht die Figur interessant.
Die drohende Katastrophe zwingt Doonan dazu, seine Haltung zu überdenken. Im Laufe der Rettungsaktion gewinnt er seine moralische und religiöse Orientierung zurück.
Tracy spielt die Figur zurückhaltend und mit großer Ernsthaftigkeit. Seine Darstellung gibt dem Katastrophenfilm eine zusätzliche menschliche Ebene und verhindert, dass Doonan lediglich als typischer Filmheld erscheint.
Frank Sinatra als Harry
Frank Sinatra spielt den Sträfling Harry, der zunächst wenig Interesse daran hat, anderen Menschen zu helfen. Sein Verhalten ist von Misstrauen, Härte und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit geprägt.
Die Begegnung mit Camille und die gemeinsame Arbeit mit Doonan verändern Harry. Die bevorstehende Katastrophe stellt ihn vor Entscheidungen, bei denen er nicht mehr nur an seine eigene Rettung denken kann.
Damit wird Harry zu einer der wichtigsten Figuren des Films. Seine Entwicklung vom eigennützigen Gefangenen zum selbstlosen Helfer bildet das menschliche Gegenstück zu Doonans religiöser Wandlung.
Barbara Luna als Camille
Barbara Luna spielt Camille, eine blinde junge Frau, die in der Leprastation arbeitet. Ihre Figur ist eng mit der emotionalen Entwicklung Harrys verbunden.
Camille begegnet Harry ohne Vorurteile. Dadurch erhält der zunächst harte Sträfling einen anderen Blick auf sein eigenes Leben. Die Beziehung zwischen den beiden verleiht dem Katastrophenfilm eine zusätzliche romantische und menschliche Dimension.
Der Teufel kommt um vier als Katastrophenfilm
Der Film gehört zu den frühen Hollywoodproduktionen, die eine Naturkatastrophe zum zentralen Bestandteil der Handlung machen. Der drohende Vulkanausbruch sorgt für einen permanenten Wettlauf gegen die Zeit.
Dabei steht nicht allein die spektakuläre Zerstörung im Vordergrund. Der Vulkan dient gleichzeitig als Prüfstein für die Figuren. Erst angesichts der lebensbedrohlichen Situation zeigt sich, wer bereit ist, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Feuer, Erdbeben, Lava und zerstörte Verkehrswege erzeugen die Spannung des Films. Demgegenüber stehen die persönlichen Konflikte von Doonan und Harry. Dadurch verbindet Mervyn LeRoy Abenteuerkino mit einem moralischen Drama.
Kritiken zu Der Teufel kommt um vier
Das Lexikon des internationalen Films würdigt den Versuch, das Katastrophen-Abenteuer um eine menschliche und religiöse Ebene zu erweitern:
„Trotz geschmacklicher Ausrutscher ein beachtlicher Versuch zur menschlichen und religiösen Vertiefung eines spannenden Katastrophen-Abenteuers.“
Das Lexikon „Filme im Fernsehen“ von Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz betont dagegen stärker den Abenteuer- und Actioncharakter des Films und bezeichnet ihn als actionreiche Mischung aus Pazifikabenteuer und Katastrophenfilm.
Auch diese unterschiedlichen Einschätzungen zeigen die zwei Seiten des Films: Einerseits bietet er spektakuläres Abenteuerkino, andererseits versucht er, die Naturkatastrophe mit einer Geschichte über Glauben, Schuld und persönliche Veränderung zu verbinden.
Die wichtigsten Themen im Film
Glaubenskrise und Erlösung
Doonans Glaubenskrise bildet das geistige Zentrum der Geschichte. Der Priester hat seine Überzeugungen verloren und muss sich angesichts der Katastrophe erneut mit seinem Glauben auseinandersetzen.
Schuld und Verantwortung
Die drei Sträflinge werden zunächst als Täter und Außenseiter gezeigt. Durch die Rettungsaktion erhalten sie jedoch die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und ihre Vergangenheit zumindest teilweise hinter sich zu lassen.
Opferbereitschaft
Immer wieder stehen die Figuren vor der Entscheidung, ob sie sich selbst retten oder für andere Menschen ein Risiko eingehen. Besonders Harrys Entscheidung am Ende zeigt, wie stark sich seine Haltung verändert hat.
Die Katastrophe als Prüfstein
Der Vulkanausbruch macht Unterschiede zwischen den Menschen plötzlich bedeutungslos. Macht, Geld und gesellschaftlicher Status verlieren angesichts der Naturgewalt ihre Bedeutung.
Macht und Menschlichkeit
Der Gouverneur betrachtet die Insel vor allem unter praktischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Doonan stellt diesem Verhalten seine Verantwortung gegenüber den Kindern und Kranken entgegen.
Veränderung und Erlösung
Sowohl Doonan als auch Harry durchlaufen eine Wandlung. Der Priester findet zu seinem Glauben zurück, während der Sträfling seine Fähigkeit zu Mitgefühl, Verantwortung und Selbstaufopferung entdeckt.
Film-Tipp: Das letzte Hurra (1958)
Wenn dir Der Teufel kommt um vier gefällt, lohnt sich auch ein Blick auf Das letzte Hurra von John Ford – ebenfalls mit Spencer Tracy in der Hauptrolle.
Während Der Teufel kommt um vier einen Priester und drei Sträflinge angesichts einer Naturkatastrophe zusammenführt, erzählt Das letzte Hurra die Geschichte des Bürgermeisters Frank Skeffington und seines letzten Wahlkampfs.
Beide Filme zeigen Spencer Tracy als erfahrenen Mann, der mit einer Welt im Wandel konfrontiert wird. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, verbinden sich aber durch Themen wie Verantwortung, persönliche Haltung und den Abschied von einer vergangenen Ära.
Hier geht’s zum Film: Das letzte Hurra (1958)
Mein Fazit zu Der Teufel kommt um vier
Der Teufel kommt um vier ist mehr als ein klassischer Katastrophenfilm. Mervyn LeRoy verbindet den spektakulären Vulkanausbruch mit einer Geschichte über Glauben, Schuld, Verantwortung und Erlösung.
Spencer Tracy verleiht dem gebrochenen Priester Doonan eine menschliche und verletzliche Tiefe. Frank Sinatra überzeugt als Harry mit einer Figur, deren Entwicklung vom eigennützigen Sträfling zum selbstlosen Helfer einen wichtigen Teil der Handlung ausmacht.
Die Vulkanlandschaft, die Erdbeben und die aufwändigen Zerstörungsszenen verleihen dem Film den Charakter eines großen Abenteuerfilms der frühen 1960er-Jahre. Gleichzeitig bleibt die Geschichte stark auf ihre Figuren und deren moralische Entscheidungen konzentriert.
Aus heutiger Sicht wirken einzelne religiöse und melodramatische Passagen teilweise pathetisch. Dennoch besitzt der Film durch seine ungewöhnliche Verbindung aus Katastrophenkino, Abenteuer und religiösem Drama einen eigenen Charakter.