Liane, das Mädchen aus dem Urwald (1956)
Liane, das Mädchen aus dem Urwald ist ein deutscher Abenteuerfilm aus dem Jahr 1956. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Anne Day-Helveg. Die Uraufführung fand am 4. Oktober 1956 in der Lichtburg in Essen statt. Der Film wurde schnell zu einem großen Publikumserfolg – nicht zuletzt wegen seiner damals als gewagt empfundenen Darstellung von Körperlichkeit.
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Handlung
Im Süden Afrikas entdeckt eine Expedition ein junges weißes Mädchen. Es lebt bei einem Stamm und trägt den Namen „Chi-ah-cheh“. Die Forscher nehmen das Mädchen mit nach Hamburg. Dort stellt sich heraus, dass sie Liane heißt und die Enkelin eines reichen Reeders ist.
Der Großvater hat seinen Neffen Viktor Schöninck als Erben eingesetzt. Doch nun bedroht Lianes Rückkehr seine Pläne. Schöninck beginnt zu intrigieren. Schließlich wird der alte Reeder ermordet. Zunächst fällt der Verdacht auf Lianes Begleiter Tanga. Doch am Ende entlarvt sich Schöninck als Täter.
Liane fühlt sich in der Zivilisation fremd. Sie sehnt sich nach ihrem früheren Leben. Deshalb nutzt sie ihr Erbe, um in den Urwald zurückzukehren.
Hintergrund
Der Film sorgte 1956 für Aufsehen. Grund dafür waren Szenen, in denen Hauptdarstellerin Marion Michael nur mit einem Lendenschurz bekleidet war. Aus heutiger Sicht wirken diese Szenen harmlos. Doch damals lösten sie eine breite Debatte über Moral und Jugendgefährdung aus.
Die FSK änderte mehrfach die Altersfreigabe. Zunächst lag sie bei 10 Jahren, später bei 16, danach wieder bei 10. 1974 wurde der Film ab 6 Jahren freigegeben. 1990 stieg die Freigabe erneut auf 12 Jahre.
Ursprünglich sollte Christiane König die Hauptrolle spielen. Doch nach einem Konflikt mit Produzent Gero Wecker wurde sie ersetzt.
Kritiken
Der Film wurde oft kritisch gesehen. Klaus Brüne schrieb in 6000 Filme:
„Einfältig-abenteuerlicher Unsinn, an sich harmlos, aber Vorbehalte im Hinblick auf die zweifelhafte Absicht, die bei der Darbietung von Nuditäten mitspricht.“
Einordnung & Wirkung
Aus heutiger Perspektive wirkt der Film wie ein typisches Abenteuerdrama der 50er Jahre. Er mischt Exotik, Spannung und melodramatische Elemente. Gleichzeitig zeigt er ein kolonial geprägtes Weltbild, das man kritisch betrachten muss. Dennoch bleibt er ein Stück deutscher Filmgeschichte.
Mein Fazit
Liane, das Mädchen aus dem Urwald ist ein Retro-Film für Fans klassischer Abenteuerstoffe. Die Kritiken waren schon damals verhalten. Trotzdem besitzt der Film einen gewissen Charme – auch wegen seiner für die 50er Jahre ungewöhnlichen Erotik. Die damalige Aufregung über die Freigabe wirkt aus heutiger Sicht übertrieben. Verglichen mit modernen Produktionen ist der Film ausgesprochen harmlos.