Saboteure im Eis – Operation Schweres Wasser (2015): Der Kampf um das schwere Wasser
Saboteure im Eis – Operation Schweres Wasser (Kampen om tungtvannet) ist eine sechsteilige norwegisch-dänisch-britische Fernseh-Miniserie aus dem Jahr 2015. Das historische Kriegsdrama erzählt von den norwegischen Widerstandskämpfern und ihren britischen Verbündeten, die während des Zweiten Weltkriegs versuchten, die Produktion und den Transport von schwerem Wasser im besetzten Norwegen zu verhindern.
Im Mittelpunkt stehen der norwegische Wissenschaftler Leif Tronstad, der Physiker Werner Heisenberg sowie die norwegischen Saboteure um Joachim Rønneberg. Die Serie verbindet historische Ereignisse mit dramatischen Handlungselementen und erzählt aus der Perspektive von Wissenschaftlern, Widerstandskämpfern, Alliierten und deutschen Forschern.

Saboteure im Eis – Operation Schweres Wasser: Steckbrief
Handlung von Saboteure im Eis – Operation Schweres Wasser
Nach der deutschen Besetzung Norwegens im Jahr 1940 gerät die Schwerwasserproduktion der Firma Norsk Hydro bei Vemork nahe Rjukan zunehmend in den Fokus der Alliierten. Schweres Wasser beziehungsweise Deuteriumoxid spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung bestimmter Reaktorkonzepte und wurde deshalb im Zusammenhang mit dem deutschen Atomprogramm als strategisch bedeutsam angesehen.
Der norwegische Wissenschaftler Leif Tronstad erkennt die Gefahr und flieht nach Großbritannien. Dort versucht er, die Alliierten von der Bedeutung der Anlage zu überzeugen. Gemeinsam mit britischen Stellen werden verschiedene Pläne entwickelt, um die Schwerwasserproduktion zu unterbrechen.
Die erste große Mission, Operation Grouse, verläuft anders als geplant. Die norwegischen Kräfte werden in der unwirtlichen Berglandschaft von ihrem Ziel getrennt und müssen sich unter extremen Bedingungen durch Schnee und Eis schlagen.
Später folgt Operation Gunnerside. Eine kleine Gruppe norwegischer Saboteure dringt in die Produktionsanlage von Vemork ein und zerstört Teile der Schwerwasserproduktion. Die Aktion gehört zu den bekanntesten Sabotageunternehmen des Zweiten Weltkriegs.
Die Deutschen versuchen anschließend, die Produktion wieder aufzunehmen. Die Alliierten entscheiden sich schließlich für weitere Maßnahmen gegen die Anlage. Als die Produktion nach Deutschland verlagert werden soll, richtet sich die letzte Sabotageaktion gegen den Transport des schweren Wassers.
Die Serie endet mit der Versenkung der Fähre DF Hydro auf dem Tinnsjå-See. Die Operation verhindert den geplanten Transport, kostet jedoch zahlreiche Menschenleben, darunter auch Zivilisten.
Der historische Hintergrund: Die Schwerwasser-Sabotage von Vemork
Das Kraftwerk und die Schwerwasseranlage von Vemork bei Rjukan waren während des Zweiten Weltkriegs ein wichtiger Schauplatz des norwegischen Widerstands. Britische und norwegische Kräfte führten mehrere Operationen durch, um die deutsche Nutzung der Anlage zu erschweren oder zu verhindern.
Die Geschichte der Serie basiert auf diesen realen Ereignissen. Gleichzeitig nimmt die Produktion dramaturgische Veränderungen vor. Nicht alle dargestellten Figuren und Situationen sind historisch belegt.
Ein besonders auffälliges Beispiel ist Bjørn Henriksen, der in der Serie als Direktor der Anlage auftritt. Die Figur ist fiktiv und wurde für die Dramaturgie geschaffen. Auch die Darstellung der Gespräche zwischen Werner Heisenberg und Niels Bohr beruht teilweise auf historischen Spekulationen, da der genaue Inhalt ihres berühmten Treffens nicht abschließend geklärt ist.
Produktion von Saboteure im Eis
Produziert wurde die Serie für den norwegischen Sender NRK. Beteiligt waren unter anderem Filmkameratene, Sebasto Film & TV aus Dänemark und die britische Headline Pictures. Unterstützung kam vom Norwegischen Filminstitut und vom Nordisk Film & TV Fond.
Das Produktionsbudget betrug rund 9,2 Millionen Euro. Die Dreharbeiten begannen Ende Oktober 2013 in Prag und wurden anschließend in Norwegen fortgesetzt. Die Serie umfasst sechs Episoden mit einer Laufzeit von jeweils etwa 45 Minuten.
Die Produktion verfolgt mehrere Handlungsebenen gleichzeitig: den norwegischen Widerstand, die britischen Geheimdienst- und Militäroperationen, die deutsche Forschung sowie die Vorgänge rund um Norsk Hydro. Dadurch wird die Geschichte nicht nur als klassische Widerstandserzählung präsentiert, sondern auch als Drama über Wissenschaft und moralische Verantwortung.
Wie historisch korrekt ist die Serie?
Saboteure im Eis basiert auf realen Ereignissen, ist aber keine Dokumentation. Die Produzenten verbinden historische Fakten mit erfundenen oder dramaturgisch veränderten Elementen.
Besonders die Figur des Fabrikdirektors Bjørn Henriksen ist eine filmische Erfindung. Auch die Darstellung von Heisenberg und seinem Verhältnis zu den Nationalsozialisten sowie die Gespräche mit Niels Bohr sind teilweise interpretativ.
Kritiker wiesen außerdem darauf hin, dass die Serie den Zusammenhang zwischen schwerem Wasser und dem deutschen Atomprogramm teilweise dramatisiert. Historisch war das deutsche Atomprogramm wesentlich komplexer, und die Sabotage der Schwerwasserproduktion war nicht allein entscheidend für das Scheitern eines deutschen Atombombenprojekts.
Besetzung
Leif Tronstad
Joachim Rønneberg
Knut Haukelid
Julie Smith
Werner Heisenberg
Bjørn Henriksen
Elisabeth Heisenberg
Niels Bohr
Kritik und Rezeption
Die Serie wurde für ihre Atmosphäre, die Darsteller und die ungewöhnliche Perspektive auf ein vergleichsweise wenig bekanntes Kapitel des Zweiten Weltkriegs gelobt. Besonders die Leistungen von Christoph Bach als Werner Heisenberg und Espen Klouman Høiner als Leif Tronstad wurden hervorgehoben.
Kritisch gesehen wurden unter anderem einige dramatische Zuspitzungen sowie die teilweise künstlich wirkenden Landschafts- und Verfolgungsszenen. Gleichzeitig wurde positiv hervorgehoben, dass die Serie die handelnden Personen nicht nur in einem einfachen Gut-und-Böse-Schema darstellt.
Der Deutschlandfunk betonte insbesondere die Ambivalenz der Figuren und die Bemühung der Serie, die Geschichte nicht als simples Schwarz-Weiß-Szenario zu erzählen.
Ausstrahlung in Deutschland
In Norwegen wurde die Serie ab Januar 2015 bei NRK1 ausgestrahlt. Die deutschsprachige Fernsehpremiere folgte im Januar 2018 im Ersten.
Die sechs Episoden wurden in Deutschland vom 2. bis 4. Januar 2018 jeweils als Doppelfolgen im späten Abendprogramm ausgestrahlt.
Auszeichnungen
Bei den norwegischen Gullruten-Fernsehpreisen wurde die Serie 2015 in sechs Kategorien ausgezeichnet:
- Bestes Fernsehdrama
- Beste Regie
- Bester Schauspieler – Dennis Storhøi
- Bestes Kostümdesign
- Bestes Produktionsdesign
- Beste visuelle Effekte
Darüber hinaus erhielt die Serie 2015 den europäischen Prix Italia. IMDb führt für die Produktion aktuell insgesamt 8 Auszeichnungen und 5 Nominierungen.
Saboteure im Eis – Bewertung
Die Serie erhielt bei IMDb eine insgesamt positive Publikumsbewertung. Besonders die vierte Episode, in der die eigentliche Gunnerside-Sabotage im Mittelpunkt steht, gehört dort zu den am besten bewerteten Folgen.
Meine Bewertung: 8/10 – Ein atmosphärisches und spannend inszeniertes Historien-Drama, das einen weniger bekannten Abschnitt des Zweiten Weltkriegs zugänglich macht. Die dramaturgischen Freiheiten sollte man dabei im Hinterkopf behalten.
Mein Fazit zu Saboteure im Eis – Operation Schweres Wasser
Saboteure im Eis – Operation Schweres Wasser verbindet Historienfilm, Spionagedrama und Kriegsserie zu einer ungewöhnlichen Geschichte über Wissenschaft und Widerstand. Besonders interessant ist die Verbindung zwischen den norwegischen Saboteuren und der deutschen Forschung rund um Werner Heisenberg.
Die Serie ist nicht in allen Punkten historisch exakt und vereinfacht insbesondere die Bedeutung des schweren Wassers für das deutsche Atomprogramm. Trotzdem gelingt es ihr, die gefährliche Situation der norwegischen Widerstandskämpfer und die Bedeutung der Vemork-Sabotage eindrucksvoll zu vermitteln.
Wer sich für den Zweiten Weltkrieg, die Geschichte der Kernphysik, den norwegischen Widerstand oder historische Spionagedramen interessiert, findet hier eine sehenswerte sechsteilige Miniserie.
🎬 Film-Tipp: Die Brücke von Remagen (1969) – Der Kampf um die letzte Rheinbrücke
Wenn du dich für historische Kriegsfilme interessierst, die auf realen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs beruhen, lohnt sich auch ein Blick auf Die Brücke von Remagen (1969). Der US-amerikanische Kriegsfilm von Regisseur John Guillermin schildert den Kampf um die strategisch wichtige Ludendorff-Brücke bei Remagen im März 1945.
Wie bei vielen historischen Kriegsfilmen werden auch hier reale Ereignisse mit fiktiven Figuren und dramaturgisch veränderten Situationen verbunden. Der Film ist deshalb keine dokumentarische Rekonstruktion der Ereignisse, vermittelt aber einen eindrucksvollen Eindruck von den chaotischen letzten Wochen des Krieges an der Westfront.
Handlung
März 1945: Die deutsche Westfront steht kurz vor dem Zusammenbruch. Amerikanische Truppen drängen in Richtung Rhein und versuchen, möglichst schnell einen Übergang über den Fluss zu erreichen. Jeder noch verfügbare Rheinübergang besitzt für die Alliierten eine enorme strategische Bedeutung.
Im Mittelpunkt des Films steht der amerikanische Lieutenant Phil Hartman, der mit seinen Soldaten den Auftrag erhält, möglichst schnell nach Remagen vorzustoßen. Dort befindet sich die Ludendorff-Brücke, eine der letzten noch intakten Rheinbrücken.
Auf deutscher Seite übernimmt Major Paul Krüger die Verantwortung für die Verteidigung von Remagen. Er erkennt zunehmend, wie aussichtslos die militärische Lage geworden ist. Gleichzeitig gerät er zwischen seine eigene Einschätzung der Situation und die Befehle der übergeordneten deutschen Führung.
Die deutschen Verteidiger verfügen nur noch über begrenzte Kräfte. Viele Einheiten sind bereits aufgerieben, während dringend erwartete Verstärkungen nicht oder nur unzureichend eintreffen. Dennoch soll die Brücke gehalten und schließlich gesprengt werden, damit sie nicht in die Hände der Amerikaner fällt.
Während die amerikanischen Truppen auf Remagen vorrücken, spitzt sich die Lage an der Brücke dramatisch zu. Die deutschen Soldaten versuchen, den Rheinübergang zu sichern und gleichzeitig die vorbereitete Sprengung durchzuführen.
Dabei wird der Gegensatz zwischen militärischer Realität und den Befehlen der deutschen Führung immer deutlicher. Während einige deutsche Offiziere versuchen, ihre verbliebenen Soldaten vor einer sinnlosen Opferung zu bewahren, verlangen höhere Stellen weiterhin die Zerstörung der strategisch wichtigen Brücke.
Die Amerikaner erreichen schließlich die Brücke und versuchen, den Übergang über den Rhein zu sichern. Der Kampf um die Ludendorff-Brücke wird damit zu einem der dramatischen Höhepunkte des Films.
Historischer Hintergrund
Die Handlung basiert auf dem tatsächlichen Rheinübergang bei Remagen am 7. März 1945. Amerikanische Truppen konnten die Ludendorff-Brücke überraschend erobern, bevor sie von den deutschen Verteidigern gesprengt werden konnte. Der intakte Rheinübergang ermöglichte den Alliierten einen wichtigen Brückenkopf östlich des Rheins.
Die historische Brücke wurde wenige Tage später durch die Belastungen des Kampfes und des zunehmenden Verkehrs schwer beschädigt und stürzte am 17. März 1945 ein. Bis dahin hatten die Alliierten jedoch bereits Ponton- und weitere Behelfsübergänge eingerichtet.
Die Brücke von Remagen greift diese historischen Ereignisse auf, verändert jedoch Namen, Figuren und einzelne Abläufe. Zuschauer sollten deshalb zwischen der historischen Schlacht und der filmischen Dramatisierung unterscheiden.
Mein Film-Tipp
Die Brücke von Remagen ist besonders interessant für alle, die sich für Kriegsfilme mit historischem Hintergrund interessieren. Anders als eine reine Dokumentation konzentriert sich der Film auf die dramatische Situation der Soldaten und die unmittelbaren Entscheidungen während des Kampfes.
Wer sich anschließend genauer mit dem tatsächlichen Rheinübergang und der Geschichte der Ludendorff-Brücke beschäftigen möchte, sollte die filmische Handlung mit historischen Quellen vergleichen.
👉 Mehr zum Film: Die Brücke von Remagen (1969)
🔗 Weiterführende Links
Hintergrund und historische Informationen
- Wikipedia – Saboteure im Eis – Operation Schweres Wasser
- Deutschlandfunk – Wettlauf gegen die Atombombe