Der inszenierte Mord (Il faut tuer Birgitt Haas) ist ein französischer Politthriller aus dem Jahr 1981 unter der Regie von Laurent Heynemann. Der Film basiert auf dem Roman L’histoire de Birgitt Haas von Guy Teisseire und bewegt sich thematisch stark im Spannungsfeld der politischen Unruhen der 1970er-Jahre. Für mich ein eher unbekannter, aber überraschend intensiver Thriller mit besonderer Atmosphäre.
🕵️ Handlung
Im Zentrum steht die deutsche Linksterroristin Birgitt Haas, die vom französischen Geheimdienst ins Visier genommen wird. Unter der Leitung des Agenten Athanase wird ein perfider Plan entwickelt: Der arbeitslose Akademiker Bauman wird unwissentlich als Werkzeug benutzt, um Birgitt aufzuspüren und letztlich auszuschalten.
Doch als Bauman nach München reist und Birgitt begegnet, kommt alles anders. Statt sie auszuliefern, verliebt er sich in sie. Die Situation eskaliert, als der Zugriff des Geheimdienstes scheitert. Es kommt zu einem tödlichen Zwischenfall, und Birgitt stellt sich schließlich der Polizei – während Bauman zwischen Loyalität, Liebe und Manipulation zurückbleibt.
🎭 Eindruck & Kritik
Die Kritiken zum Film könnten kaum unterschiedlicher sein. Während das Lexikon des internationalen Films die kühle Inszenierung und die starke Besetzung lobt, bezeichnete Vincent Canby von der New York Times den Film als fast schon unfreiwillig komisch und überzogen.
Gerade diese Gegensätze machen den Film heute interessant: Er wirkt wie ein spätes Echo des Paranoia-Kinos der 70er – ruhig erzählt, mit einer unterschwelligen Spannung und einer gewissen Melancholie.
⭐ Bewertung
IMDb: 6,8 / 10
🎬 Persönliches Fazit

Mir hat der Film tatsächlich gut gefallen. Er ist kein klassischer Hochglanz-Thriller, sondern eher ein ruhiges, teilweise fast sprödes Stück Kino – aber genau das macht seinen Reiz aus. Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch die Atmosphäre und die Figuren.
Für mich sind auch klare Anspielungen auf die Zeit der RAF (Die Rote Armee Fraktion (RAF)) spürbar – auch wenn das nie direkt ausgesprochen wird. Diese politische Grundstimmung wirkt sehr authentisch.
Ich habe die 70er-Zeit als Kind selbst miterlebt, und einige Bilder sind mir bis heute im Kopf geblieben. Besonders erinnere ich mich an eine Szene im Bergischen Land, in Kürten bei Bergisch Gladbach: Ein großer Hubschrauber des Bundesgerichts landete dort, schwerbewaffnete Beamte mit Maschinenpistolen – mitten in einem kleinen Dorf. Das war damals eine unglaubliche Aufregung.
Genau dieses Gefühl von Unsicherheit und Ausnahmezustand transportiert der Film für mich ziemlich gut.
Unterm Strich: Kein perfekter Film, aber ein spannendes Zeitdokument mit eigener Handschrift – und für Fans von politischem Kino definitiv einen Blick wert.