Das tapfere Schneiderlein (1956): DEFA-Märchenfilm
Das tapfere Schneiderlein ist ein DEFA-Märchenfilm aus dem Jahr 1956. Der unter der Regie von Helmut Spieß entstandene Film ist eine Adaption des Grimm’schen Märchens Das tapfere Schneiderlein.
Im Mittelpunkt steht das Schneiderlein, das sich mit der Aufschrift „Sieben auf einen Streich“ auf den Weg in die weite Welt macht und durch List und Einfallsreichtum Riesen, ein Einhorn und ein Wildschwein besiegt.

Das tapfere Schneiderlein (1956): Steckbrief
Handlung von Das tapfere Schneiderlein
Als Prinz Eitel sich einen Riss im Gewand nähen lässt, rühmt er sich, dass er vor der Haustür des Schneiders zwei Eidechsen – „Zwei auf einen Streich“ – zur Strecke gebracht habe. Als das Schneiderlein sieben Fliegen auf einmal erschlägt, macht es sich mit einer Schärpe mit der Aufschrift „Sieben auf einen Streich“ und seinem Vögelchen auf den Weg in die weite Welt.
Auf seiner Reise begegnet das tapfere Schneiderlein einem Riesen. Als Beweis für seine Fähigkeiten soll es mit der Hand Wasser aus einem Stein quetschen. Heimlich quetscht es in Wahrheit ein altes Stück Käse, das es von zuhause mitgenommen hat, und besteht den Test.
Als es einen Stein so weit werfen soll, dass dieser nicht mehr auf den Boden zurückkommt, wirft das Schneiderlein sein Vögelchen in die Luft und schenkt ihm damit die Freiheit. Bei der Aufgabe mit einem Baumstamm überlässt es dem Riesen den angeblich leichteren Stamm und übernimmt selbst die vermeintlich schwerere Baumkrone.
Die Riesen wollen das Schneiderlein beim Abendessen und später im Schlaf überwältigen. Doch das Schneiderlein hat eine Attrappe auf seinem Schlafplatz zurückgelassen. Zur Strafe bewirft es die Riesen mit Kürbissen.
Auf seiner Wanderschaft stößt das Schneiderlein auf das Schloss des Königs Griesgram. Dessen Tochter, Prinzessin Liebreich, ist Prinz Eitel versprochen. Der König ist verzweifelt, weil die beiden Riesen den Schlossgarten zerstört haben. „Ritter Sieben-auf-einen-Streich“ wird zum Anführer der Leibgarde ernannt.
Prinz Eitel schenkt Prinzessin Liebreich einen Blumenstrauß. Sie nimmt ihn jedoch erst an, als sie ihn vom tapferen Schneiderlein geschenkt bekommt. Um freie Bahn für die Prinzessin zu haben, schlägt Prinz Eitel dem König vor, das Schneiderlein auf die beiden Riesen anzusetzen.
Das Schneiderlein wirft mit Kastanien auf die beiden unter einem Baum schlafenden Riesen. Diese beginnen einen Kampf, weil jeder den anderen für den Übeltäter hält. Der Kampf endet für beide tödlich. Prinz Eitel behauptet, er habe die Riesen getötet.
Als dem Königreich durch das Einhorn neue Gefahr droht, schickt der König das Schneiderlein auf Anraten von Prinz Eitel los. Die Prinzessin hängt ihm ein rotes Brusttuch um, ohne ihm zu sagen, dass der Anblick von Rot das Einhorn reizt. Das Schneiderlein hängt das Tuch jedoch ab und bringt das Einhorn dazu, mit seinem Horn in einen Baum zu rennen.
Nun wird das Reich von einem Wildschwein bedroht. Das Schneiderlein treibt das wilde Tier in ein leer stehendes Haus und sperrt es dort ein. Da das Schneiderlein nun den ihm zustehenden Lohn fordern könnte, fliehen der König, Prinzessin Liebreich, Prinz Eitel und der Hofstaat. Das Schneiderlein nimmt den Platz des Königs ein und heiratet die Tochter des Schlossgärtners.
Hintergrund zum Film
Das tapfere Schneiderlein war eine reine Studioproduktion und der einzige Kinderfilm, den Regisseur Helmut Spieß verwirklichte. Die Premiere fand am 28. September 1956 im Berliner Kino Babylon statt. Zwei Monate später kam der Film in die Kinos der DDR.
Als Hauptdarsteller Kurt Schmidtchen 1961 in die Bundesrepublik ging, wurde der Film in der DDR ab dieser Zeit nicht mehr in den Kinos gezeigt.
Kinostart in der Bundesrepublik
In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Aufführung des Films 1957 zunächst vom Interministeriellen Ausschuss für Ost-West-Filmfragen verboten. Nach einer erneuten Prüfung wurde die Aufführung 1958 genehmigt. Am 15. März 1959 lief der Film auch in der Bundesrepublik an.
Wichtige Themen im Film
List und Einfallsreichtum
Das Schneiderlein setzt sich nicht durch körperliche Stärke, sondern durch Klugheit, Täuschung und geschickte Lösungen gegen seine Gegner durch.
Gesellschaftliche Gegensätze
Die DEFA-Verfilmung erweitert die Märchenhandlung um gesellschaftliche Gegensätze und neue Figuren wie Prinz Eitel und die Magd Traute.
Verändertes Märchenende
Das Drehbuch weicht an mehreren Stellen von der Grimm’schen Vorlage ab. Dazu gehören insbesondere die Darstellung des Schneiderleins, neue Figuren und das veränderte Ende mit der Flucht des Adels.
Produktion und Besonderheiten
Der Film war die erste von insgesamt 19 Adaptionen Grimmscher Märchen, die die DEFA bis 1990 verwirklichte.
Das Drehbuch wurde zunächst von Peter Podehl verfasst. Da es sich zu eng an die Märchenvorlage hielt, wurde das Buch durch Kurt Bortfeldt fertiggestellt.
Die Verfilmung erhielt gegenüber der Grimm’schen Vorlage eine stärkere gesellschaftliche Ausrichtung. Dazu gehören neue Figuren, die Intrige um Prinz Eitel und das veränderte Ende.
Rezeption und Kritik
Die zeitgenössische Kritik diskutierte insbesondere die sozialistische Tendenz des Films. Einige Kritiker sahen darin eine „unangebrachte Aktualisierung“, während andere die gesellschaftskritische Dimension des Volksmärchens als sinnvoll erweitert betrachteten.
Spätere Kritiker bezeichneten vor allem die Modernisierung des Hofstaates als leicht und heiter. Kritisiert wurden hingegen ästhetische Aspekte, darunter der Verzicht auf Trickaufnahmen und das eher experimentelle Gestaltungskonzept.
Fazit zu Das tapfere Schneiderlein
Wer kennt nicht das schöne Märchen aus Kindertagen: „Das tapfere Schneiderlein“ – sieben auf einen Streich.
Die DEFA-Verfilmung von 1956 verbindet die bekannte Grimm’sche Geschichte mit einer eigenständigen Inszenierung, neuen Figuren und einer erweiterten gesellschaftlichen Ebene.
Fazit: Ein ungewöhnlicher DEFA-Märchenfilm, der die klassische Geschichte mit Humor, höfischen Intrigen und einer eigenen gesellschaftlichen Deutung verbindet.
🎬 Film-Tipp: Die Geschichte vom kleinen Muck
Wenn dir Das tapfere Schneiderlein gefallen hat, dann schau dir auch Die Geschichte vom kleinen Muck an – ebenfalls ein schönes DEFA-Märchen.
Die Geschichte vom kleinen Muck ist ein DEFA-Märchenfilm aus dem Jahr 1953. Regie führte Wolfgang Staudte. Der Film basiert auf dem Märchen Die Geschichte von dem kleinen Muck von Wilhelm Hauff.
Die märchenhafte Geschichte verbindet Abenteuer, Magie und orientalische Kulissen mit einer Erzählung über Ausgrenzung, Mut und den Wunsch nach einem besseren Leben.
Kurz gesagt: Ein zeitloser DEFA-Märchenfilm über den kleinen Muck, der trotz Spott und Ausgrenzung seinen eigenen Weg geht und mit Hilfe magischer Gegenstände ein außergewöhnliches Abenteuer erlebt.
Hier geht’s zu Film:👉Die Geschichte vom kleinen Muck
🔗 Weiterführende Links zu Das tapfere Schneiderlein
Weitere Informationen zum Film, zur Besetzung, Produktion und Geschichte finden Sie bei den folgenden Film- und Informationsangeboten:
- Wikipedia – Das tapfere Schneiderlein (1956) – Hintergrundinformationen, Handlung und Produktion
- DEFA-Stiftung – Das tapfere Schneiderlein – Informationen zum DEFA-Film
- filmportal.de – Das tapfere Schneiderlein – Filmdaten und Hintergrundinformationen
- OFDb – Das tapfere Schneiderlein – Filmdatenbank
- Filmdienst – Das tapfere Schneiderlein – Filmkritik und Einordnung
- IMDb – Das tapfere Schneiderlein – Filmdatenbank mit Besetzung und weiteren Informationen
▶️ Das tapfere Schneiderlein
Das tapfere Schneiderlein - Märchen - DEFA (ganzer Film auf Deutsch)
Redaktioneller Hinweis
Die Angaben zu Handlung, Produktion, Rezeption und Aufführungsgeschichte basieren auf der bereitgestellten Vorlage. Weiterführende Informationen finden sich über die oben aufgeführten Quellen.