Die Besucher (1993) – Ritter, Knappe und Kult-Chaos im modernen Frankreich
Mit „Die Besucher“ (Originaltitel: Les Visiteurs) hat Regisseur Jean-Marie Poiré 1993 eine dieser typischen 90er-Jahre-Komödien geschaffen, die man entweder kopfschüttelnd oder mit Tränen vor Lachen erlebt – und im Idealfall beides gleichzeitig. An der Front: Jean Reno als grimmiger Ritter Godefroy de Montmirail und Christian Clavier als sein herrlich rotziger Knappe Jacquouille. Zusammen stolpern sie aus dem 12. Jahrhundert direkt ins Frankreich von 1992 – und genau aus diesem Clash der Epochen zieht der Film seine ganze Energie.
Handlung – Wenn ein Ritter die Moderne überfällt
Godefroy de Montmirail rettet im Krieg zwischen Louis VI. und Henry I. seinem König das Leben und darf dafür endlich seine Verlobte Frénégonde heiraten. Doch ein verhängnisvolles Elixir, gemischt von Magier Eusebius, lässt ihn halluzinieren – und so erschießt er versehentlich ihren Vater, den er für einen Bären hält. Um diesen Fehler ungeschehen zu machen, soll Eusebius ihn in die Vergangenheit zurückschicken. Der Zauber geht jedoch schief: Godefroy und sein Knappe Jacquouille landen statt im 12. Jahrhundert im Jahr 1992.
Dort werden die beiden getrennt: Jacquouille landet bei der Landstreicherin Ginette, Godefroy in einer Kirche und kurz darauf in der Psychiatrie. Seine Nachkommin Béatrice nimmt ihn schließlich bei sich auf, hält ihn aber für ihren verwirrten Cousin Hubert. Gemeinsam mit Jacquouille zieht Godefroy in das ehemalige Schloss der Montmirails ein, das inzwischen ein Hotel ist – ausgerechnet im Besitz von Jacquard, einem Nachfahren Jacquouilles. Während Godefroy verzweifelt nach einem Weg zurück in seine Zeit sucht, entdeckt Jacquouille, dass die Zeiten der Knechtschaft vorbei sind – und dass man als „Normalo“ im 20. Jahrhundert gar nicht so schlecht fährt.
Als schließlich ein vorbereiteter Zaubertrank gefunden wird, kommt es zum großen Tausch: Jacquouille weigert sich, in die Vergangenheit zurückzukehren, und trickst Godefroy, indem er sich mit seinem Nachfahren Jacquard vertauscht. Godefroy kehrt in seine Zeit zurück, verhindert den tödlichen Schuss auf seinen zukünftigen Schwiegervater und heiratet Frénégonde. Jacquard hingegen findet sich entsetzt im Hochmittelalter wieder – und versteht buchstäblich die Welt nicht mehr.
Tonfall, Humor und 90er-Charme
„Die Besucher“ ist keine feine Satire, sondern eine knallige Klamauk-Komödie mit viel Slapstick, Überzeichnung und herrlich ungehobeltem Humor. Die Gags leben davon, dass Godefroy und Jacquouille die moderne Welt komplett missverstehen: Wasserhähne, Autos, Badezimmer, Strom – alles wird zur Bedrohung oder zum Wunder. Gerade Christian Clavier als Jacquouille dreht dabei voll auf und liefert eine Figur, die man entweder liebt oder nie wieder sehen möchte. Jean Reno spielt dazu wunderbar ernst und steif, was die Komik nur verstärkt.
Spannend ist auch der Blick auf die damalige Rezeption: In Frankreich ein riesiger Erfolg, weltweit fast 100 Millionen Dollar Einspiel, in den USA dagegen nur rund 600.000 Dollar. Die Mischung aus sehr französischem Humor, Zeitreise-Idee und Klamauk funktioniert eben nicht überall gleich gut. Auf IMDb kommt der Film auf eine solide 7,0/10 – ein Wert, der ziemlich gut widerspiegelt, was man erwarten darf: kein Meisterwerk, aber ein echter Kulttitel für Fans.
In „Die Zeitritter – Auf der Suche nach dem heiligen Zahn“ kehren Godefroy de Montmirail und sein chaotischer Knappe Jacquouille zurück – und landen erneut mitten im Zeitreise-Wahnsinn. Zwischen Folterkeller, Inquisition und einer heiligen Fruchtbarkeitsreliquie geraten Ritterehre und Bauernschläue herrlich aus dem Gleichgewicht.
Regisseur Jean-Marie Poiré setzt den anarchischen Humor von „Die Besucher“ fort: derbe Gags, Zeitkollisions-Komik und das perfekt eingespielte Duo Jean Reno und Christian Clavier machen den Film zu einem Muss für Fans französischer 90er-Jahre-Komödien.
- Genre: Fantasy-Komödie, Zeitreise-Slapstick
- Besetzung: Jean Reno, Christian Clavier, Muriel Robin u. a.
- Originaltitel: Les Couloirs du temps: Les visiteurs 2 (1998)
- Sprachen & Fassung: je nach Edition Deutsch / Französisch, teils mit Untertiteln
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Kritik und Einordnung
Das Lexikon des internationalen Films ordnet „Die Besucher“ als derbe, aber einfallsreiche Fantasy-Komödie ein, die vor allem von ihrem Tempo und den beiden Hauptdarstellern lebt. Und das trifft es ziemlich gut: Die Figuren sind bewusst überzeichnet, die Story ist eher ein Gerüst für Gags als ein tiefes Zeitreise-Drama. Wer hier Logik sucht, ist im falschen Film – wer aber Lust auf 90er-Jahre-Komödien mit viel Lärm, Chaos und französischem Einschlag hat, ist genau richtig.
Persönliches Fazit
Für mich ist „Die Besucher“ so ein typischer Film, den man vielleicht nicht jedes Jahr schaut, der aber im Gedächtnis bleibt – wegen seiner Figuren, seiner Sprüche und dieser ganz eigenen, leicht groben, aber herzlichen Art. Godefroy und Jacquouille sind wie zwei Fremdkörper in der Moderne, und genau dieses Gefühl macht den Reiz aus: Man lacht über sie, aber irgendwie auch über unsere eigene Zeit.
Wenn du auf Retro-Komödien stehst, die noch richtig physisch, laut und ein bisschen anarchisch sind, dann solltest du „Die Besucher“ unbedingt (wieder) eine Chance geben. Kein perfekter Film, aber ein Stück 90er-Jahre-Filmgeschichte – und ein schöner Beweis dafür, wie viel Spaß ein simpler Clash von Epochen machen kann, wenn die Chemie der Darsteller stimmt.