Gregory Peck in Mackenna’s Gold
Mackenna’s Gold (1969) – Goldrausch im Breitwandformat
Originaltitel: Mackenna’s Gold (USA 1969) – Regie: J. Lee Thompson – Mit Gregory Peck, Omar Sharif, Telly Savalas u.v.a. – IMDb: 6,7/10
Anfang
Es gibt Western, die ganz leise kommen – und dann gibt es Mackenna’s Gold: ein Spätwestern, der alles größer denkt – Landschaften, Besetzung, Musik, ja sogar den Goldschatz. Der Film basiert auf dem Roman von Henry Wilson Allen (alias „Will Henry“) und wirkt wie eine Mischung aus Schatzsucher-Abenteuer, Western-Epos und 60er-Jahre-Spektakelkino.
Für mich ist Mackenna’s Gold so ein typischer „Sonntag-Nachmittag-Film“: Man weiß, dass er erzählerisch nicht perfekt ist, aber die Bilder, die Musik und diese Ansammlung von Stars haben einfach etwas Hypnotisches. Und wenn Gregory Peck und Omar Sharif gemeinsam durch die Wüste reiten, ist das für Western-Fans ohnehin Pflichtprogramm.
Handlung
Einer alten Legende nach liegt im geheimnisvollen Cañon del Oro eine unermessliche Menge Gold, bewacht von den Geistern der Apachen. Einst fand ein Mann namens Adams diesen Schatz, doch die Apachen blendeten ihn und töteten seine Begleiter – niemand sollte den Weg dorthin erneut finden.
Jahre später erschießt US-Marshal Sam Mackenna (Gregory Peck) in Notwehr den alten Apache-Häuptling Prairie Dog und findet bei ihm eine Karte, die den Weg zum Cañon del Oro zeigt. Mackenna glaubt nicht an den Schatz, prägt sich die Karte aber ein und verbrennt sie. Genau auf diese Karte hat es der mexikanische Gesetzlose John Colorado (Omar Sharif) abgesehen, der mit einer Bande und einigen jungen Apachen unterwegs ist.
Colorado nimmt Mackenna gefangen und zwingt ihn, die Gruppe zum Gold zu führen. Unterwegs schließen sich weitere Glücksritter, Deserteure und „ehrbare Bürger“ an, während ihnen sowohl die US-Kavallerie unter Sergeant Tibbs (Telly Savalas) als auch Apachen auf den Fersen sind. Persönliche Feindschaften müssen immer wieder zurückstehen – die Gier nach Gold schweißt sie kurzfristig zusammen, bevor sie alle gegeneinander aufbringt.
Der Weg durch die Wüste ist hart, die Gruppe schrumpft, und je näher sie dem Cañon del Oro kommen, desto deutlicher wird: Der wahre Gegner ist nicht nur die Natur oder die Apachen, sondern die eigene Gier. Das Finale im Canyon steigert sich zu einem spektakulären, fast mythischen Showdown, bei dem buchstäblich die Erde bebt.
Hintergrund
Mackenna’s Gold entstand Ende der 60er Jahre, als der klassische Western bereits unter Druck stand – Italo-Western und härtere, desillusionierte Stoffe waren auf dem Vormarsch. J. Lee Thompson inszenierte hier einen aufwendigen Breitwand-Western (Super Panavision, Technicolor), der stark auf Schauwerte setzt: Monument Valley, Grand Canyon, riesige Panoramen und spektakuläre Stunts.
Die Besetzung liest sich wie ein kleines Who’s who des damaligen Kinos: Gregory Peck, Omar Sharif, Telly Savalas, Edward G. Robinson, Eli Wallach, Lee J. Cobb, Burgess Meredith und viele mehr. Dazu kommt die Musik von Quincy Jones, die dem Film eine eigene, fast epische Note verleiht.
Spannend ist auch, dass der Film thematisch stark um Gier kreist: Der Schatz ist weniger ein realistisches Ziel als ein Symbol dafür, was Gold mit Menschen macht. In manchen Momenten wirkt der Film fast wie eine Western-Variante von „Jeder gegen jeden“ – irgendwo zwischen Abenteuerfilm und moralischer Parabel.
Kritiken
Kritisch wurde Mackenna’s Gold oft eher verhalten aufgenommen. Viele Rezensenten bemängeln die zerfahrene Dramaturgie, die Überfrachtung mit Figuren und die teils künstlich wirkenden Studioaufnahmen im Kontrast zu den großartigen Außenaufnahmen. Nicht wenige sehen den Film als überlanges, etwas chaotisches Spektakel, das hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.
Auf der anderen Seite wird immer wieder die Bildgewalt gelobt: die Naturkulissen, die Panavision-Bilder, die Brückensequenz, das Erdbeben-Finale. Auch die Starpower und Omar Sharifs Auftritt als gerissener Colorado bekommen viel Anerkennung. Die IMDb-Bewertung von 6,7/10 spiegelt das ganz gut wider: kein unbestrittener Klassiker, aber ein Film mit treuer Fanbasis.
Aus heutiger Sicht wirkt Mackenna’s Gold wie ein typischer „Großproduktion-Western“ seiner Zeit: etwas aus der Mode gefallen, aber mit genug Charakter, um sich von der Masse abzuheben. Wer nur nüchtern auf Plotlogik schaut, wird stolpern – wer sich auf das Abenteuer einlässt, bekommt ein Stück opulentes 60er-Jahre-Kino.
Auszeichnungen
Mackenna’s Gold war kein großer Preisabräumer, taucht aber in einigen Preislisten und Nominierungen auf, vor allem im technischen Bereich und in internationalen Auswertungen. Spannender als die Trophäen ist jedoch seine spätere Wirkung: Der Film entwickelte in einigen Ländern – etwa in Teilen Europas und der damaligen Sowjetunion – eine erstaunliche Popularität und wurde dort deutlich wärmer aufgenommen als in vielen US-Kritiken.
Persönliches Fazit eines Filmfans
Für mich ist Mackenna’s Gold kein perfekter Western, aber ein Unvergesslicher. Die Mischung aus Abenteuer, Western, Star-Ensemble und überlebensgroßen Bildern hat etwas, das man heute kaum noch so bekommt. Ja, manches wirkt überzogen, manches altmodisch – aber genau darin liegt auch der Reiz.
Wenn du Western magst, die mehr nach „Abenteuerfilm“ schmecken, wenn du Gregory Peck und Omar Sharif gerne siehst und Lust auf einen goldglänzenden, leicht größenwahnsinnigen Spät-60er-Western hast, dann ist Mackenna’s Gold definitiv einen Blick wert. Kein makelloser Klassiker – aber ein Film, der im Gedächtnis bleibt wie ein Sonnenuntergang über dem Canyon del Oro.