Einstieg
Mit Das Gasthaus an der Themse (1962) erreichte die deutsche Edgar‑Wallace‑Reihe einen ihrer größten Publikumserfolge. Regisseur Alfred Vohrer inszeniert einen nebelverhangenen Krimi, der die Themse – in Wahrheit die Hamburger Elbe – in ein düsteres Labyrinth aus Schmuggel, Mord und falschen Fährten verwandelt. Joachim Fuchsberger jagt als Inspektor Wade einen Killer im Taucheranzug, der seine Opfer mit einer Harpune tötet – den berüchtigten „Hai“.
Handlung
Auf einem Boot wird ein Whiskyschmuggler tot aufgefunden – durchbohrt von einer Harpune, dem Markenzeichen des „Hai“. Scotland Yard steht vor einem Rätsel, denn der Täter entkommt stets durch die Kanalisation und die Themse. Inspektor Wade stößt bei seinen Ermittlungen auf die zwielichtige Hafenkneipe „Mekka“, geführt von der undurchsichtigen Nelly Oaks. Deren Pflegetochter Leila scheint mehr zu wissen, als sie zugibt.
Während Wade tiefer in das Geflecht aus Schmuggel, Erpressung und alten Familiengeheimnissen eindringt, häufen sich die Leichen. Schließlich führt eine Spur zu einem alten Brandfall und einer verschwundenen Millionenerbin – und Leila rückt ins Zentrum der Ereignisse. Nach einer dramatischen Verfolgungsjagd gelingt es Wade, den „Hai“ zu enttarnen: Polizeiarzt Dr. Collins, der sich mit einer Giftkapsel das Leben nimmt.
Kritiken
- Rotten Tomatoes (User Reviews): Gelobt werden die dichte Atmosphäre, die nebeligen Hafenbilder, die stilvollen Details (Spiegel, Handschuhe, Bar-Design) und die überraschende Auflösung. Besonders hervorgehoben wird Elisabeth Flickenschildt als Nelly Oaks.
- IMDb: 6,5/10 – Nutzer loben die starke Schwarzweißfotografie, die Spannung, Kinskis Auftritt und die typische Wallace‑Mischung aus Krimi, Humor und Gothic‑Flair.
- filmportal.de: Betont wird die herausragende Darstellung von Elisabeth Flickenschildt, deren Figur zwischen Härte, Geheimnis und unerwarteter Zärtlichkeit changiert.
- Letterboxd: Durchschnittlich 3.4 Sterne – viele loben die Atmosphäre, die Hafenlocations, die elegante Kameraarbeit und den ikonischen Killer im Taucheranzug.
Auszeichnungen
Offizielle Filmpreise sind nicht dokumentiert, doch der Film gilt als kommerziell erfolgreichster deutscher Edgar‑Wallace‑Film mit rund 4 Millionen Kinobesuchern – ein Rekord innerhalb der Reihe.
Fazit & persönliche Anmerkung
Das Gasthaus an der Themse ist einer der Filme, die den Mythos der Wallace‑Reihe geprägt haben: düster, verspielt, voller ikonischer Momente. Für mich funktioniert er besonders wegen seiner Atmosphäre – diese Mischung aus Hafenromantik, Nebel, Spiegeln, schummrigen Kneipen und Vohrers präziser Regie. Elisabeth Flickenschildt stiehlt fast allen die Show, und der „Hai“ gehört zu den einprägsamsten Wallace‑Schurken überhaupt.
Gerade heute, im Retro‑Kontext, entfaltet der Film eine besondere Magie: Er ist ein Zeitdokument, ein stilisiertes Krimi‑Märchen und ein Stück deutscher Kinogeschichte, das man immer wieder gerne besucht – wie ein altes Gasthaus an der Themse, in dem die Schatten länger sind als die Nächte.