Hans Rosenthal – Ein Leben geprägt von Verfolgung im NS-Regime
Hans Rosenthal – Sein Leben mit seiner jüdischen Vergangenheit in der NS-Zeit
„Mr. Dalli Dalli“ – „Das war … Spitze!“ – Ein inoffizielles Porträt
Hans Günter Rosenthal, genannt „Hänschen“ (2. April 1925 – 10. Februar 1987), war einer der bekanntesten deutschen Entertainer, Fernsehmoderatoren und Quizmaster. Als Holocaust-Überlebender, Abteilungsleiter für Unterhaltung beim RIAS und langjähriges Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland prägte er das deutsche Fernsehen über Jahrzehnte. Millionen Zuschauer kennen ihn bis heute als Moderator der Kultsendung Dalli Dalli.

Holocaust-Überlebender, TV-Legende, Entertainer und Brückenbauer zwischen den Generationen.
Inhaltsverzeichnis
- Kindheit und Familie
- Überleben während der NS-Zeit
- Karriere im Rundfunk und Fernsehen
- Engagement im Zentralrat der Juden
- Sportliches Engagement
- Auszeichnungen
- Hans-Rosenthal-Stiftung
- Dokumentationen und Filmbiografien
- Fazit
Kindheit und Familie
Rosenthal wuchs in einer jüdischen Familie im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg (Winsstraße 63) auf und erlebte als Kind die wachsende antisemitische Verfolgung durch den Nationalsozialismus. Sein Vater Kurt Rosenthal starb 1937 an Nierenversagen, nachdem er kurz zuvor als „Nichtarier“ von der Deutschen Bank entlassen worden war. Seine Mutter Else Rosenthal starb 1941 an den Folgen von Darmkrebs.
Nach dem Tod der Mutter kam Hans Rosenthal mit seinem Bruder Gert in die Baruch Auerbach’schen Waisen-Erziehungs-Anstalten für jüdische Knaben und Mädchen in Berlin-Prenzlauer Berg und bekam den Zwangsnamen Hans Israel Rosenthal. Sein Bruder wurde 1942 nach Riga deportiert und dort kurz darauf ermordet. Weitere Angehörige wurden ebenfalls im Holocaust ermordet.
Überleben während der NS-Zeit
Hans Rosenthal war zunächst in einem jüdischen Ausbildungslager (Hachschara) in Jessen bei Sommerfeld in der Niederlausitz. Nach dessen Verbot wurde er ab 1940 von den Nationalsozialisten zu Zwangsarbeit herangezogen; er arbeitete unter anderem als Totengräber und Akkordarbeiter in verschiedenen Betrieben.
Ab dem 27. März 1943 tauchte er in der Berliner Kleingartenanlage „Dreieinigkeit“ im Bezirk Lichtenberg unter und überlebte dort bis zum Kriegsende in einem Versteck. Für ihn bedeutete die Einnahme von Berlin-Lichtenberg durch die Rote Armee im April 1945 die Befreiung.
Unterstützt wurde er von drei nichtjüdischen Berlinerinnen: Ida Jauch, Maria Schönebeck und Emma Harndt. Ida Jauch und Maria Schönebeck wurden später als Gerechte unter den Völkern geehrt. Diese und weitere Erlebnisse schilderte Rosenthal in seiner Autobiografie Zwei Leben in Deutschland.
Karriere im Rundfunk und Fernsehen
Nach dem Krieg begann Hans Rosenthal eine beeindruckende Karriere im Rundfunk und Fernsehen. Er arbeitete zunächst beim Berliner Rundfunk und später beim RIAS, wo er Abteilungsleiter für Unterhaltung wurde. Viele seiner Sendungen wurden zu Klassikern der deutschen Mediengeschichte.
Zu seinen bekanntesten Rundfunksendungen gehören:
- 1948–1964: Günter Neumann und seine Insulaner (Regie, Aufnahmeleitung)
- 1959–1986: Spaß muß sein
- 1963–1977: Allein gegen alle
- 1965–1987: Das klingende Sonntagsrätsel
Im Fernsehen prägte er unter anderem:
- 1971–1986: Dalli Dalli
- 1972–1985: Bitte zur Kasse
- 1979–1986: Rate mal mit Rosenthal
- 1983–1986: Gefragt – Gewusst – Gewonnen
Engagement im Zentralrat der Juden
Rosenthal engagierte sich seit den 1960er Jahren im Zentralrat der Juden in Deutschland, ab 1973 als Mitglied des Direktoriums. Er war zudem in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sowie in diversen sozialen Projekten aktiv. Sein bevorzugter Ferienort war Utersum auf Föhr, dessen Ehrenbürger er wurde.
Sportliches Engagement
Neben seiner Medienkarriere war Hans Rosenthal auch sportlich aktiv und stark mit dem Fußball verbunden.
- 1947: Gründungsmitglied von SC Hakoah Berlin
- 1965–1973: Präsident von Tennis Borussia Berlin
- Die von ihm mitgegründete „Prominenten-Elf“ trägt seit seinem Tod den Namen Hans-Rosenthal-Team und sammelt Geld für seine Stiftung „Schnelle Hilfe in akuter Not e. V.“
Auszeichnungen
Für sein kulturelles, gesellschaftliches und soziales Engagement erhielt Hans Rosenthal zahlreiche Ehrungen:
- 1972: Bundesverdienstkreuz
- 1973: Bambi
- 1975, 1980, 1985: Goldene Kamera (verschiedene Kategorien)
- 1983: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
- 1986: Telestar (heute Deutscher Fernsehpreis)
- 1987: Ehrenbürger von Utersum auf Föhr
- 2025: Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag mit seinem berühmten Sprung und dem Satz „Das war … Spitze!“
Sein Einsatz für Toleranz, Menschlichkeit und das deutsche Fernsehen wirkt bis heute nach – in Ehrengräbern, Gedenktafeln, nach ihm benannten Plätzen, Straßen, Sportanlagen und Einrichtungen.
Hans-Rosenthal-Stiftung
Nach seinem Tod lebt Hans Rosenthals soziales Engagement in der Hans-Rosenthal-Stiftung – schnelle Hilfe in akuter Not e. V. weiter. Die Stiftung unterstützt Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, schnell und unbürokratisch.
➡️ Zur Hans-Rosenthal-Stiftung – schnelle Hilfe in akuter Not e. V.
Dokumentationen und Filmbiografien
Das Leben von Hans Rosenthal wurde in zahlreichen Dokumentationen und Filmen aufgegriffen, unter anderem:
- 2003: Hans Rosenthal – Das war spitze. (NDR Fernsehen)
- 2018: Kulenkampffs Schuhe – Dokumentation über große Showmaster
- 2020: Unsere Väter – die größten Showmaster Deutschlands
- 2025: Terra X History: Hans Rosenthal – zwei Leben in Deutschland (ZDF)
- 2025: Rosenthal (ZDF-Filmbiografie, Regie: Oliver Haffner)
In der ZDF-Filmbiografie Rosenthal wurde sein Leben filmisch umgesetzt.
➡️ Zur Filmbiografie „Rosenthal“ auf best-movie.de
Fazit
Hans Rosenthal gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Fernsehgeschichte. Als Holocaust-Überlebender, Moderator von Dalli Dalli, Unterhaltungschef des RIAS und engagiertes Mitglied des Zentralrats der Juden setzte er ein starkes Zeichen für Menschlichkeit, Versöhnung und Mitgefühl.
Sein außergewöhnlicher Lebensweg zeigt, wie Mut, Hoffnung und Menschlichkeit selbst dunkelste Zeiten überwinden können. Das Vermächtnis Hans Rosenthals lebt bis heute in seinen Fernsehsendungen, der Hans-Rosenthal-Stiftung und in der Erinnerung vieler Menschen weiter.
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