Der Hexenjäger (1968): Düsterer Horror-Klassiker über Hexenverfolgung und Fanatismus
Der Hexenjäger (Originaltitel: Witchfinder General) ist ein britischer Horrorfilm aus dem Jahr 1968 unter der Regie von Michael Reeves. Der Film basiert lose auf dem Roman Witchfinder General von Ronald Bassett und zählt heute zu den wichtigsten Vertretern des britischen Horrorfilms der 1960er Jahre.
Handlung
England im Jahr 1645 während des Englischen Bürgerkriegs: Der selbsternannte Hexenjäger Matthew Hopkins reist gemeinsam mit seinem Assistenten John Stearne durch East Anglia. Mit Folter und Einschüchterung zwingt er unschuldige Menschen zu falschen Geständnissen der Hexerei und bereichert sich an den Verfolgungen.

Der junge Soldat Richard Marshall kehrt in sein Heimatdorf Brandeston zurück, um seine Geliebte Sara Lowes zu heiraten. Ihr Onkel, der Priester John Lowes, stimmt der Verbindung zu, warnt jedoch vor der feindseligen Stimmung im Dorf.
Als Hopkins nach Brandeston kommt, gerät Lowes unter den Verdacht der Hexerei. Sara versucht verzweifelt, ihren Onkel zu retten, und wird von Hopkins skrupellos ausgenutzt. Während seiner Abwesenheit missbraucht zudem dessen Assistent Stearne die junge Frau. Dennoch wird John Lowes schließlich hingerichtet.
Als Richard von den Ereignissen erfährt, schwört er Rache. Er verfolgt Hopkins quer durch Suffolk, während dieser weiterhin seine grausamen Hexenjagden fortsetzt. Schließlich kommt es in Lavenham zur entscheidenden Konfrontation zwischen dem jungen Soldaten und dem gefürchteten Inquisitor.
Produktionshintergrund
Der Film entstand als amerikanisch-britische Koproduktion zwischen Tigon British Film Productions und American International Pictures (AIP). Für den amerikanischen Markt wurde der Film unter dem Titel The Conqueror Worm veröffentlicht, um ihn mit den erfolgreichen Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen von AIP in Verbindung zu bringen.
Die Figur des Matthew Hopkins basiert auf einer historischen Persönlichkeit. Der echte Hopkins lebte von 1620 bis 1647 und war während des Englischen Bürgerkriegs als selbsternannter Hexenjäger tätig. Zahlreiche seiner Opfer waren unschuldige Menschen, die aufgrund von Aberglauben und Denunziationen angeklagt wurden.
Regisseur Michael Reeves wollte ursprünglich Donald Pleasence für die Hauptrolle verpflichten. Die amerikanischen Produzenten bestanden jedoch auf Vincent Price. Zwischen Reeves und Price kam es während der Dreharbeiten häufig zu Spannungen. Rückblickend bezeichnete Vincent Price seine Darstellung des Matthew Hopkins dennoch als eine seiner besten schauspielerischen Leistungen.
Der Hexenjäger war zugleich der letzte Film von Michael Reeves. Der talentierte Regisseur verstarb kurz nach Fertigstellung des Films im Alter von nur 25 Jahren an einer Überdosis von Medikamenten und Alkohol.
Besetzung
- Vincent Price – Matthew Hopkins
- Ian Ogilvy – Richard Marshall
- Hilary Dwyer – Sara Lowes
- Rupert Davies – John Lowes
- Robert Russell – John Stearne
- Wilfrid Brambell – Loach
Bedeutung
Der Hexenjäger gilt als einer der ersten Horrorfilme, der sich intensiv mit der historischen Hexenverfolgung auseinandersetzte. Sein Erfolg inspirierte zahlreiche Nachfolgefilme wie Hexen bis aufs Blut gequält oder Der Hexentöter von Blackmoor.
Im Gegensatz zu vielen späteren Produktionen setzt der Film weniger auf übernatürlichen Horror als auf die erschreckende Darstellung religiösen Fanatismus, Machtmissbrauchs und menschlicher Grausamkeit. Die für die damalige Zeit außergewöhnlich harte Gewaltdarstellung sorgte bei seiner Veröffentlichung für erhebliche Kontroversen und Zensurmaßnahmen.
Auch in der Metal-Szene genießt der Film Kultstatus. Die britische Heavy-Metal-Band Witchfinder General benannte sich nach dem Film, und zahlreiche Musiker griffen die Figur des Matthew Hopkins in ihren Liedern auf.
Kritik
Die Reaktionen auf den Film fielen unterschiedlich aus. Während einige Kritiker die drastische Gewaltdarstellung kritisierten, lobten andere die realistische Atmosphäre und die kompromisslose Darstellung historischer Grausamkeiten.
Heute wird Der Hexenjäger von vielen Filmhistorikern und Horrorfans als Klassiker angesehen. Besonders Vincent Prices ungewöhnlich zurückhaltende und bedrohliche Darstellung des Matthew Hopkins wird regelmäßig hervorgehoben.
Fazit
Der Hexenjäger ist ein eindrucksvoller Horrorfilm, der weit über die Grenzen des Genres hinausreicht. Statt auf Monster oder übernatürliche Bedrohungen setzt der Film auf die erschreckende Realität von Fanatismus, Aberglauben und Machtmissbrauch.
Besonders die düstere Atmosphäre, die starke Darstellung von Vincent Price und die historische Thematik machen den Film auch heute noch sehenswert. Die Geschichte erinnert daran, wie leicht Angst, Vorurteile und religiöser Eifer zu grausamen Verfolgungen führen können.
Mein Fazit: Ein klassischer Retro-Horrorfilm, der nachhaltig beeindruckt. Die Hexenverfolgungen gehören zu den dunkelsten Kapiteln der europäischen Geschichte. Viele Frauen und Männer wurden aufgrund von Gerüchten, Aberglauben oder persönlichen Feindschaften der Hexerei beschuldigt und grausam hingerichtet. Der Hexenjäger vermittelt diesen Schrecken auf beklemmende Weise und zählt deshalb zu den bedeutendsten historischen Horrorfilmen seiner Zeit.
Weitere Informationen findest du im Wikipedia-Eintrag.