Sturm über Jamaika (1965) – Abenteuerfilm nach Richard Hughes
Der britische Abenteuerfilm „Sturm über Jamaika“ (A High Wind in Jamaica) erschien 1965 unter der Regie von Alexander Mackendrick. Die Verfilmung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Richard Hughes. Allerdings ist dies kein gewöhnlicher Piratenfilm. Stattdessen verbindet die Geschichte Abenteuer, psychologische Spannung und moralische Zwischentöne auf ungewöhnliche Weise.
In den Hauptrollen überzeugen Anthony Quinn und James Coburn mit starken Darstellungen. Darüber hinaus trägt die dichte Atmosphäre wesentlich dazu bei, dass der Film bis heute in Erinnerung bleibt.
IMDb-Bewertung: 6,5/10
Handlung
Im 19. Jahrhundert lebt eine britische Familie auf Jamaika. Doch ein verheerender Hurrikan zerstört große Teile ihres bisherigen Lebens. Deshalb beschließen die Eltern, ihre Kinder nach England zu schicken. Dort sollen sie in Sicherheit aufwachsen.
Zunächst scheint die Überfahrt problemlos zu verlaufen. Allerdings nimmt die Reise schon bald eine dramatische Wendung. Das Schiff wird von Piraten überfallen, und die Kinder geraten unfreiwillig in deren Gewalt.
Die Piraten unter Captain Chavez und seinem Gefährten Zac wissen zunächst nicht, wie sie mit ihren jungen Passagieren umgehen sollen. Überraschenderweise gewöhnen sich die Kinder jedoch schnell an das Leben an Bord. Nach und nach entsteht eine ungewöhnliche Beziehung zwischen den Piraten und ihren Gefangenen.
Einerseits wirken die Kinder unschuldig und naiv. Andererseits passen sie sich erstaunlich leicht an ihre neue Umgebung an. Gleichzeitig schwanken die Piraten zwischen Härte, Fürsorge und Unsicherheit. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr.
Im weiteren Verlauf kommt es zu einem tragischen Missverständnis. Die Kinder sagen später vor Gericht gegen die Piraten aus. Dabei erkennen sie jedoch nicht, welche Folgen ihre Aussagen haben werden. Schließlich müssen die Piraten für ihre Taten büßen, während die Kinder nach England zurückkehren. Gerade dieses bittere Ende verleiht dem Film seine besondere Wirkung.
Kritik
Zeitgenössische Reaktionen
Bereits bei seiner Veröffentlichung erhielt der Film überwiegend positive Kritiken. Besonders gelobt wurden die Leistungen von Anthony Quinn und James Coburn. Außerdem überzeugte Alexander Mackendrick mit seiner feinfühligen Regie und der dichten Atmosphäre.
Darüber hinaus wurde die ungewöhnliche Perspektive hervorgehoben. Schließlich erzählt der Film die Geschichte größtenteils aus der Sicht der Kinder. Dadurch unterscheidet er sich deutlich von klassischen Abenteuer- und Piratenfilmen seiner Zeit.
Moderne Einordnung
Heute gilt „Sturm über Jamaika“ als unterschätzter Abenteuerfilm der 1960er-Jahre. Vor allem Filmfreunde schätzen die psychologische Tiefe und die moralische Vielschichtigkeit der Handlung.
Gleichzeitig wird gelegentlich kritisiert, dass sich der Film nur schwer einem bestimmten Genre zuordnen lässt. Dennoch sehen viele Zuschauer gerade darin seine besondere Stärke. Schließlich verbindet er Abenteuer, Drama und Charakterstudie auf bemerkenswerte Weise.
Fazit
„Sturm über Jamaika“ ist weit mehr als ein klassischer Piratenfilm. Statt einfacher Helden und Schurken präsentiert er komplexe Figuren und schwierige moralische Fragen. Dadurch hebt sich der Film deutlich von vielen Genrevertretern ab.
Wer Abenteuerfilme mit psychologischer Tiefe und außergewöhnlichen Charakteren schätzt, sollte diesem oft übersehenen Werk unbedingt eine Chance geben. Auch mehr als 60 Jahre nach seiner Veröffentlichung besitzt der Film noch immer eine beeindruckende Wirkung.