Klimbim (1973–1979) – Die erste deutsche Comedy-Fernsehserie
Klimbim schrieb deutsche Fernsehgeschichte. Die zwischen 1973 und 1979 ausgestrahlte Comedyserie verband Sketche, Slapstick, Wortwitz, Musik und frivolen Humor zu einem für die damalige Zeit ungewöhnlichen Fernseherlebnis. Mit ihrem anarchischen Stil wurde Klimbim zum Kult und prägte eine ganze Generation.

Klimbim – Steckbrief
Was war Klimbim?
Klimbim war keine klassische Sitcom, sondern eine temporeiche Nummernrevue aus Sketchen, Einspielerfilmen, Musik und wiederkehrenden Figuren. Als wichtige Inspiration diente die amerikanische Comedyshow Rowan & Martin’s Laugh-In.
Das Konzept setzte auf schnelle Szenenwechsel, Wortwitz und Slapstick. Bühnensketche und Einspielfilme wurden miteinander verbunden und sorgten für einen ungewöhnlich hohen Rhythmus. Damit unterschied sich Klimbim deutlich von vielen anderen Unterhaltungssendungen des damaligen deutschen Fernsehens.
Regisseur Michael Pfleghar nutzte zudem moderne Produktionstechniken wie den Bluescreen. Optisch orientierte sich die Sendung unter anderem an der Ästhetik des Stummfilms und an der Bildsprache der 1920er-Jahre.
Die Klimbim-Familie
Im Mittelpunkt stand eine bewusst überzeichnete Familie, die mit dem klassischen Bild der bürgerlichen „heilen Familie“ wenig gemeinsam hatte. Gerade diese groteske Übertreibung wurde zu einem Markenzeichen der Serie.
- der kriegsbegeisterte Großvater
- die verantwortungslose Mutter Jolante
- ihr arbeitsscheuer Playboy-Liebhaber
- Tochter Gaby mit ihrem Skorpion „Charly“
Zu den bekannten Running Gags gehörte unter anderem der Großvater, der sich regelmäßig über sein angeblich zu hart gekochtes Frühstücksei beschwerte.
Stil und Besonderheiten
Was Klimbim von vielen zeitgenössischen Fernsehsendungen unterschied, war die Mischung aus klassischem Bühnenhumor und damals ungewöhnlich moderner Fernsehproduktion.
- Bluescreen-Technik und aufwendige Einspieler
- Stummfilm-inspirierte Bildsprache
- schneller Schnitt und hohes Erzähltempo
- verschachtelte Sketch-Reihen innerhalb einer Folge
- zahlreiche Gastauftritte nationaler und internationaler Stars
- eine Mischung aus Musik, Slapstick, Wortwitz und absurdem Humor
Viele Einspieler orientierten sich bewusst an der Ästhetik früher Stummfilme – von Musik und Schnitt bis hin zu Kostümen und Spielweise.
Humor, Erotik und Provokation
Klimbim war für die Fernsehlandschaft der 1970er-Jahre ungewöhnlich freizügig. Besonders Ingrid Steeger wurde durch die Serie zum Publikumsliebling und Sexsymbol. Ihre oft bewusst erotische Inszenierung sorgte allerdings auch für Kritik, insbesondere bei konservativen Zuschauern.
Damit bewegte sich Klimbim bewusst an den Grenzen dessen, was im deutschen Fernsehen zur damaligen Zeit als akzeptabel galt. Gerade die Mischung aus Albernheit, Erotik und gesellschaftlicher Provokation trug wesentlich zum Kultstatus der Sendung bei.
Die Serie wurde im Laufe der Jahre nicht nur zum Publikumserfolg, sondern auch von der Kritik als innovatives Unterhaltungsformat wahrgenommen. Für ihre Leistungen erhielt Klimbim unter anderem den Adolf-Grimme-Preis.
Die Musik von Klimbim
Ein wichtiger Bestandteil der Sendung war die Musik. Das von Heinz Kiessling komponierte Erkennungslied „Klimbim ist unser Leben“ wurde zu einem unverwechselbaren Markenzeichen der Serie.
Besonders bekannt wurde die von Ingrid Steeger gesungene beziehungsweise gehauchte Zeile „Ich mache mir ’nen Schlitz ins Kleid“. Sie geht auf den Schlager „Schlitz im Kleid“ von Evelyn Künneke aus dem Jahr 1961 zurück.
Besetzung
- Ingrid Steeger – Staffel 1–5
- Elisabeth Volkmann – Staffel 1–5
- Wichart von Roëll – Staffel 1–5
- Helmut Holger – Staffel 1–5
- Horst Jüssen – Staffel 1–4
- Peer Augustinski – Staffel 3–5
- Heinrich, der Hund – Staffel 3–4
- Dieter Augustin – Staffel 1
- Manfred Jester – Staffel 1
- Franz Muxeneder – Staffel 2
- Christine Schuberth – Staffel 2
- Barbara Valentin – Staffel 3
- Hans Clarin – Staffel 3
- Klaus Dahlen – Staffel 4–5
- Gundolf Willer – Staffel 5
Kritik und Rezeption
Der provokante Humor von Klimbim sorgte schon während der Ausstrahlung für Diskussionen. Besonders die freizügige Darstellung von Ingrid Steeger stieß bei konservativen Zuschauern auf Widerspruch.
Gleichzeitig zeigte die öffentliche Reaktion, wie sehr sich die gesellschaftlichen Vorstellungen von Unterhaltung, Sexualität und Fernsehen in den 1970er-Jahren veränderten.
Aus heutiger Sicht wirken viele der damaligen Provokationen deutlich weniger spektakulär. Historisch betrachtet war Klimbim jedoch ein wichtiger Schritt hin zu einer freieren und experimentelleren Form der deutschen Fernsehunterhaltung.
Weiterführende Links
- IMDb – Klimbim
- Fernsehserien.de – Klimbim
- Berliner Zeitung – Klimbim im deutschen TV
- NDR – Ingrid Steeger und Klimbim
- Film.at – Klimbim
📺 TV-Tipp: Hausmeister Krause – Ordnung muss sein (1999–2010)
Hausmeister Krause – Ordnung muss sein ist eine deutsche Comedy-Serie und Sitcom, die von 1999 bis 2010 auf Sat.1 ausgestrahlt wurde. Im Mittelpunkt steht Dieter Krause, gespielt von Tom Gerhardt: ein pedantischer, neugieriger und ordnungsliebender Hausmeister, der seine Vorstellungen von Sauberkeit, Disziplin und Hausordnung mit bemerkenswertem Eifer durchsetzen möchte.
Dabei gerät Dieter regelmäßig mit Mietern, seiner Familie, seinem Vorgesetzten und vor allem mit der Realität aneinander. Die Serie überzeichnet typische Vorstellungen vom deutschen Spießbürger und verbindet diese mit Slapstick, Missverständnissen, Running Gags und Elementen des Boulevardtheaters.
Kurz gesagt: Eine deutsche Kult-Sitcom über Hausordnung, Nachbarschaftsstreit, Familienchaos, Dackelliebe und einen Hausmeister, der unbedingt für Ordnung sorgen möchte – und dabei meistens selbst das größte Chaos verursacht.
Worum geht es in Hausmeister Krause?
Im Mittelpunkt steht die Familie Krause, die in einer Kölner Wohnanlage lebt. Familienvater Dieter Krause arbeitet dort als Hausmeister und nimmt seine Aufgabe wesentlich ernster, als es für einen normalen Hausmeister notwendig wäre.
Dieter ist überzeugt davon, dass nur eine strenge Hausordnung ein ordentliches Zusammenleben ermöglicht. Mieter, die Müll falsch entsorgen, zu laut sind, Besuch empfangen oder aus seiner Sicht gegen irgendwelche Regeln verstoßen, werden von ihm mit Argwohn beobachtet.
Sein ausgeprägter Ordnungssinn wird allerdings immer wieder zum Ausgangspunkt neuer Probleme. Dieter mischt sich in Dinge ein, die ihn eigentlich nichts angehen, zieht voreilige Schlussfolgerungen und versucht häufig, seine vermeintliche Autorität durchzusetzen.
Satire auf das deutsche Spießbürgertum
Die Serie überzeichnet bewusst Eigenschaften wie Ordnungsliebe, Vereinsmeierei, Autoritätshörigkeit, Nachbarschaftskontrolle und den Wunsch, sich über Regeln und Vorschriften eine gewisse Macht zu verschaffen.
Dieter Krause ist dabei bewusst keine klassische Sympathiefigur. Er kann kleinlich, egoistisch, neugierig und ungerecht sein. Gleichzeitig macht gerade seine völlige Selbstüberschätzung einen großen Teil der Komik aus.
Der Humor von Hausmeister Krause basiert vor allem auf Übertreibung. Dieter nimmt alltägliche Kleinigkeiten extrem ernst, während größere Probleme von ihm häufig völlig falsch eingeschätzt werden. Sein Versuch, überall Ordnung zu schaffen, führt deshalb regelmäßig zu neuen Missverständnissen und chaotischen Situationen.
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Fazit: Warum Klimbim bis heute Kult ist
Klimbim ist weit mehr als eine alte Comedyserie. Die Sendung steht für eine Zeit, in der das deutsche Fernsehen begann, mit neuen Formen, Tabus und Sehgewohnheiten zu experimentieren.
Die Kombination aus absurdem Humor, Slapstick, Musik, freizügigen Momenten und moderner Fernsehtechnik machte Klimbim einzigartig. Figuren wie die Klimbim-Familie und vor allem Ingrid Steeger wurden zu festen Bestandteilen der deutschen Popkultur.
Auch wenn die Serie aus heutiger Sicht stellenweise deutlich gealtert wirkt, bleibt ihr historischer Einfluss unbestritten: Klimbim machte deutsche Fernsehunterhaltung mutiger, schneller und provokanter.
Unser Urteil: Ein echter Kultklassiker und ein wichtiges Stück deutscher Fernsehgeschichte.