Edgar Wallace – Der Mönch mit der Peitsche (1967)
Regie: Alfred Vohrer · Produktion: Rialto Film · Format: Farbe (Eastmancolor) · IMDb-Bewertung: 6,1/10
Anfang
Mit „Der Mönch mit der Peitsche“ betrat 1967 ein besonders farbenfroher und zugleich herrlich überdrehter Beitrag der Edgar-Wallace-Reihe die Bühne. Die Schwarzweiß-Ära war vorbei – und Alfred Vohrer nutzte die neue Farbigkeit gnadenlos aus: grelle Kostüme, knallige Kulissen, ein Internat voller Geheimnisse und ein Mörder, der in Mönchskutte und mit Peitsche durch die Flure schleicht. Schon die ersten Minuten zeigen, dass dieser Wallace weniger klassischer Krimi und mehr poppiger 60er-Jahre-Thriller ist, der sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt.
Handlung
In einem englischen Mädcheninternat kommt es zu einer Reihe mysteriöser Todesfälle. Die Schülerinnen berichten von einem unheimlichen Mönch, der mit einer Peitsche zuschlägt. Als die junge Ann Portland (Uschi Glas) in das Internat kommt, gerät sie sofort in den Strudel aus Angst, Intrigen und Verdächtigungen.
Scotland Yard schaltet sich ein: Inspektor Higgins (Joachim Fuchsberger) übernimmt den Fall und stößt schnell auf ein Netz aus Erpressung, Schmuggel und dunklen Geheimnissen innerhalb der Lehrerschaft. Verdächtige gibt es reichlich – vom strengen Direktor über zwielichtige Angestellte bis hin zu Personen, die gar nicht sein sollten, wo sie sind.
Der Mönch taucht immer wieder überraschend auf, und Vohrer inszeniert seine Auftritte mit fast comicartiger Überzeichnung. Erst im Finale, das typisch für die späten Wallace-Filme in einem wilden Showdown gipfelt, wird enthüllt, wer unter der Kutte steckt – und warum die Peitsche zum Werkzeug des Schreckens wurde.
Rezeption
„Der Mönch mit der Peitsche“ gehört zu den Filmen, die die Fangemeinde spalten: Die einen lieben den poppigen Stilbruch, die anderen vermissen die düstere Atmosphäre der frühen 60er-Jahre. Dennoch gilt der Film als Paradebeispiel für die späte Wallace-Phase: farbig, schnell, humorvoll und mit einem Hauch Selbstironie.
Besonders hervorgehoben werden:
- die dynamische Regie Alfred Vohrers,
- die markante Farbgestaltung,
- Uschi Glas in einer frühen Hauptrolle,
- Joachim Fuchsberger in Bestform,
- der ikonische Mönch als überzeichnete, aber einprägsame Schurkenfigur.
Besetzung
- Joachim Fuchsberger – Inspektor Higgins
- Uschi Glas – Ann Portland
- Günther Stoll – Sergeant Barrett
- Konrad Georg – Reverend Mother
- Ilse Pagé – Schwester Ethel
- Tilo von Berlepsch – Dr. Blackmoor
- Rudolf Schündler – Mr. Bloomfield
- Hubert von Meyerinck – Sir John
- Harry Wüstenhagen – Mr. Johnson
- Albert Bessler – Mr. Parker
- Ilse Steppat – Mrs. Bloomfield
- Gisela Uhlen – Mrs. Harrington
- Hans Clarin – Mr. Collins
- Benno Sterzenbach – Mr. Harrington
- Margot Trooger – Mrs. Brent
Veröffentlichungen
Der Film erschien zunächst 1967 im Kino und wurde später mehrfach im Fernsehen ausgestrahlt. Auf DVD und Blu-ray ist er in verschiedenen Editionen erhältlich, oft im Rahmen von Wallace-Sammlerboxen. Restaurierte Fassungen betonen die kräftige Farbgebung, die den Film so unverwechselbar macht.
Kritiken
Kritiker loben bis heute die visuelle Energie des Films und Vohrers Gespür für Tempo. Die Handlung wird dagegen gelegentlich als überladen bezeichnet, und manche Figuren wirken eher wie Karikaturen. Doch gerade diese Mischung aus Krimi, Pop-Art und leichtem Grusel macht den Film zu einem charmanten Vertreter seiner Zeit.
Die IMDb-Bewertung von 6,1/10 spiegelt gut wider, dass der Film kein Meisterwerk, aber ein unterhaltsamer, stilistisch mutiger Beitrag der Reihe ist.
Fazit / Persönliche Note
Für mich ist „Der Mönch mit der Peitsche“ einer der Filme, die man nicht wegen ihrer Logik, sondern wegen ihrer Atmosphäre schaut. Die Farben knallen, die Figuren sind herrlich überzeichnet, und der Mönch selbst ist so ikonisch, dass man ihn nie wieder vergisst. Es ist ein Film, der zeigt, wie sehr sich die Wallace-Reihe in den späten 60ern verändert hat – weg vom Nebel, hin zu Pop-Art und augenzwinkernder Selbstinszenierung.
Wer die frühen Wallace-Filme liebt, wird hier vielleicht überrascht sein. Wer aber Freude an stilisierten 60er-Jahre-Thrillern hat, bekommt ein echtes kleines Kultstück. Für mich gehört der Film zu den charmantesten Spätwerken der Reihe – schrill, verspielt und voller Energie.