Edgar Wallace – Der Zinker (1963)
Regie: Alfred Vohrer · Produktion: Rialto Film · Format: Schwarzweiß · IMDb-Bewertung: 6,2/10
Anfang
Mit „Der Zinker“ kehrte 1963 ein besonders schillernder Vertreter der Edgar-Wallace-Reihe auf die Leinwand zurück. Schon der Titel weckt Erinnerungen an die frühen, düsteren Wallace-Filme: ein geheimnisvoller Informant, der Verbrecher verrät – aber nur gegen Bezahlung. Alfred Vohrer, der Meister der stilisierten Kamera und des pointierten Humors, inszeniert den Stoff mit einer Mischung aus kriminalistischem Ernst und ironischem Augenzwinkern. Die ersten Minuten im Londoner Tiergroßhandel setzen sofort den Ton: schmutzig, zwielichtig, voller Figuren, die mehr wissen, als sie sagen.
Handlung
Der berüchtigte Zinker ist ein Phantom der Londoner Unterwelt. Er verrät Kriminelle an die Polizei – aber nur, wenn er dafür ordentlich kassiert. Als der zwielichtige Tierhändler Frank Sutton ermordet wird, gerät die gesamte Halbwelt in Aufruhr. Scotland Yard, angeführt von Inspektor Elford (Günther Stoll), nimmt die Ermittlungen auf und stößt schnell auf ein Netz aus Erpressung, Schmuggel und Verrat.
Im Zentrum steht die junge Beryl Stedman (Barbara Rütting), deren Stiefvater Sutton war. Sie gerät zwischen die Fronten, während der charmante Reporter Johnny Smeaton (Klaus Kinski in einer seiner herrlich unberechenbaren Nebenrollen) seine ganz eigenen Interessen verfolgt. Verdächtige gibt es reichlich: der aalglatte Tierhändler Meadows, der nervöse Buchhalter Krisch, der brutale Frank Keeney – und natürlich der mysteriöse Zinker selbst, der immer einen Schritt voraus zu sein scheint.
Die Spur führt durch Lagerhäuser, Hinterzimmer und die düsteren Ecken Londons, bis Vohrer im Finale alle Fäden zusammenzieht. Wie so oft bei Wallace ist die Auflösung überraschend, aber in sich stimmig – und der Zinker entpuppt sich als jemand, den man zwar auf dem Schirm hatte, aber nicht unbedingt an erster Stelle.
Kritiken
„Der Zinker“ gilt unter Fans als einer der stilprägendsten Wallace-Filme der frühen 60er. Besonders gelobt werden:
- die dynamische Regie Alfred Vohrers,
- die markante Schwarzweiß-Fotografie von Karl Löb,
- Klaus Kinskis unvergesslich nervöses Spiel,
- die Mischung aus Spannung und ironischen Zwischentönen.
Kritischer betrachtet wird gelegentlich die Fülle an Nebenfiguren, die den Plot etwas überladen wirken lässt. Dennoch bleibt der Film ein Paradebeispiel für die Wallace-Formel: düster, schnell, pointiert – und mit einem Hauch groteskem Humor, der ihn bis heute frisch wirken lässt.
Fazit / Persönliche Note
Für mich ist „Der Zinker“ einer dieser Filme, die man sofort an Vohrers Handschrift erkennt: schräge Kamerawinkel, schnelle Dialoge, ein Hauch Anarchie – und Kinski, der jede Szene elektrisiert. Die Atmosphäre des Tierhandels, die moralisch grauen Figuren und der ständige Verdacht, dass jeder jeden verrät, machen den Film zu einem wunderbar schmutzigen Noir-Krimi im Wallace-Gewand.
Die IMDb-Bewertung von 6,2/10 wirkt fast ein wenig zu nüchtern. Für Fans der Reihe ist „Der Zinker“ ein Pflichtfilm: nicht der komplexeste, aber einer der stilvollsten. Ein idealer Einstieg in die Vohrer-Ära – und ein Film, der im besten Sinne nach 60er-Jahre-Wallace riecht: nach Nebel, Gefahr und einem Augenzwinkern.